875832

Musikindustrie will an MP3 mitverdienen

23.01.2001 | 00:00 Uhr |

Die internationalen Musikverleger fordern die
weltweite Lizenzierung und Verwertung von Musik im Internet. «Dies
darf nicht mehr national organisiert werden, sondern muss
international geschehen», sagte der Präsident von BMG Music
Publishing Worldwide im Bertelsmann-Konzern, Nicholas Firth, am
Dienstag auf der Musikmesse Midem in Cannes. Das größte Repertoire an
guter Musik sei für Verleger und Plattenfirmen wertlos, wenn sie
keine Lizenz besäßen, ergänzte Irwin Robinson, Geschäftsführer von
Famous Music Publishing Worldwide. «Wir müssen endlich globale
Online-Lizenzierung einführen.»

Momentan verdiene die Musikindustrie noch kein Geld im Web. «Es
sind Musik-Piraten, also Diebe, und Pornographie-Anbieter, die Geld
im Web machen - das müssen wir ändern», sagte Firth. Die
Plattenindustrie beharre aber immer noch auf ihrem alten
Geschäftsmodell, dem Plattenverkauf. Dieser könne auch in nationalen
Grenzen geregelt werden. «Aber im Internet reden wir nicht über
Hardware, sondern über Software.» Und diese sei über das Web weltweit
verfügbar; nationale Gesetze, Rechte und Strategien reichten nicht
mehr aus.

Die Verwertungsgesellschaft arbeiteten noch im nationalen Rahmen.
So schüttet die GEMA Gelder für Musikaufführungen im
deutschsprachigen Raum aus. Findet eine Aufführung aber in einem
anderen Land statt, ist sie nicht direkt zuständig. Da das Internet
aber keinen Standort hat und Webereignisse weltweit stattfinden, sei
die Frage zu klären: Wo werden die Rechte wahrgenommen - am Standort
des Providers, im Land des jeweiligen Downloads oder am Sitz des
Rechteinhabers? Außerdem müsse jeder Musik-File eindeutig
identifizierbar seien, damit man weiß, wer berechtigt ist,
Lizenzgebühren zu verlangen - und wo. Diese Fragen müssten schnell
geklärt werden, sagte Robinson. Sonst könne es sein, dass die Politik
den Gesellschaften und Verlegern die Entscheidung aus der Hand nehme.

Es sei auch nötig, die Gelder schneller an die Lizenzgeber
auszuschütten. «In der modernen Informationsgesellschaft kann man
Musik im Internet per Knopfdruck sofort hören, und abgerechnet
wird online. Aber die Autoren bekommen ihr Geld erst 18 Monate später
- wenn sie Glück haben», kritisierte Crispin Evans von Universal
Music Publishing.

Der Vizepräsident der Gema, Jürgen Becker, sieht die
Verwertungsgesellschaften aber auf dem richtigen Weg. Mit einer Ende
vergangenen Jahres geschlossenen Vereinbarung der großen
Verwertungsgesellschaften, die zusammen mehr als 100 Länder abdecken,
sei nun der Weg zu einer weltweiten Inanspruchnahme von Rechten
geebnet. Diese Vereinbarung sehe vor, dass die Rechte eines
Lizenzinhabers dort abgegolten werden, wo er seinen Hauptsitz hat -
egal, wo seine lizenzierte Musik aufgeführt, abgespielt oder
heruntergeladen wird. Außerdem wolle man ein System globaler
Lizenzierung schaffen.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
875832