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Sony-Musikchef: Internet ein Segen für die Musikindustrie

27.02.2012 | 06:34 Uhr |

Edgar Berger, der das internationale Geschäft bei Sony Music leitet, hat ein paar bemerkenswerte Aussagen über legale und illegale Musikangebote im Internet gemacht - und über die wenig glückliche Rolle der Gema, besonders bei Youtube

Die denkwürdigen Sätze von Sony-Musikchef finden sich in einem Interview von Welt Online. Er bestreitet nicht, dass die Digitalisierung der Musik Probleme mit sich gebracht habe. So sollen 2011 zwar etwa 3,6 Milliarden Songs legal im Internet erworben, aber demgegenüber 40 Milliarden Songs illegal heruntergeladen worden sein.

Dennoch sei es der Musikbranche gelungen, den Handel mit den Songs in ein digitales Geschäft zu transformieren, das weltweit einen Umfang von mehr als 5 Milliarden Dollar aufweise. So erklärt sich seine Aussage, dass das Internet für die Musikindustrie ein Glücksfall sei. Kritisch betrachtet er den restriktiven Umgang der deutschen Verwertungsgesellschaft Gema, die oft genug verhindert, dass offizielle Musikvideos auch für User aus Deutschland auf Youtube zu betrachten sind.

Dadurch, so Berger, gingen der Musikindustrie Millionenumsätze verloren, und diese Praxis sei einer der Hauptgründe, warum der digitale Musikhandel in Deutschland weniger stark ausgeprägt sei als in anderen Ländern. Hier vertraut er darauf, dass über kurz oder lang auch bei der Gema die Einsicht in die ökonomische Notwendigkeit erfolgen werde. Auch Interpreten wie Justin Bieber, der über Youtube bekannt wurde, suchen letztlich ein großes Label zur weiteren Vermarktung, so Berger. Weitere interessante Aussagen des Musikmanagers im Überblick:

  • Etwa ein Drittel des Musikgeschäftes sei heute digital, bei Büchern seien es vier und bei Filmen ein Prozent.

  • Musik an sich war seiner Meinung nach nie in einer Krise - sie werde mehr gehört als je zuvor und sei (auf Handy oder Tablet) überall verfügbar. Das Problem bestehe nicht mit dem Produkt, sondern darin, dass für die Musik auch bezahlt werde.

  • 60 Prozent der elektronischen Bücher in Deutschland seien Raubkopien - dies führe dazu, dass die Diskussion über Urheberrecht und kreative Leistung im digitalen Zeitalter nun auch auf breiter Ebene geführt werde, nicht nur von der Musikindustrie.

  • Das Internet müsse frei sein, aber nicht umsonst. Das dürfe man nicht miteinander verwechseln.

  • Zur Piratenpartei: "Wer das Urheberrecht abschafft, wird nur dafür sorgen, dass es irgendwann nichts mehr zu kopieren gibt."

  • Zur Verwarnung von Raubkopierern: "In Deutschland sagen 80 Prozent der Nutzer, dass sie bei einer Verwarnung ihr Verhalten ändern würden." In Frankreich sei die Piraterie deswegen um gut ein Viertel gesunken. Dort würden allerdings auch Sanktionen wie die Sperrung des Internet-Zugangs als letzte Konsequenz solche Maßnahmen unterstützen.

Das komplette Interview findet sich über unten stehenden Link.

Info: Welt Online

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