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Nach Cube-Panne: Apple senkt Preise

20.10.2000 | 00:00 Uhr |

Neue Produkte und Preise für 2001: Der Macintosh-Hersteller geht in die Offensive. Nachdem Apple verkünden musste, dass die Verkäufe im letzten Quartal hinter den Erwartungen zurück blieben, will Steve Jobs mit neuen Ankündigungen für mehr Vertrauen sorgen.

Es hat nicht lange gedauert, bis Apple reagieren musste. Nachdem in den USA kurz nach der Einführung der neuen Power Macs G4 Cube im Juli der Absatz schlechter ausfiel als erwartet, dreht nun der Macintosh-Hersteller an der Preisschraube. Im Paket mit dem 17-Zoll-Monitor ist der 450-MHz-Würfel nun in Deutschland für 4999 Mark und damit 750 Mark weniger als bisher zu haben. Wer sich für das 15-Zoll-TFT-Display entscheidet, muss 6349 Mark dafür ausgeben. Das Angebot gilt ab sofort im Apple-Fachhandel und ist bis zum 31. Dezember 2000 befristet.

Kein Geheimnis mehr: Neue Produkte

Ungewöhnlich für Apple: Das Unternehmen machte auf seinen Pressekonferenzen zu den Quartals- und Jahresergebnisse, die in den USA und in München statt fanden, unerwartet klare Aussagen zur Produktpolitik der nächsten Monate.

So ist etwa die nächste Preiskorrektur der Cube-Modelle schon für das Frühjahr 2001 geplant. Dann sollen neue, günstigere Cube-Modelle auf den Markt kommen. Die Anwender erwartet außerdem innerhalb der nächsten sechs bis sieben Monate eine überarbeitete Power-Mac-G4-Generation mit schnelleren Prozessoren, die mit dem Intel-Standard stand halten können sollen. Insider gehen davon aus, dass Apples wichtigster Prozessorenlieferant Motorola, die im letzten Jahr angekündigte Plus-Version des G4-Chips nun fertiggestellt hat. Sie rechnen mit einer Einführung der neuen Prozessor-Generation Anfang 2001. Bis wann die neuen Super-Prozessoren "Apollo", die bei gleicher Taktung 20 Prozent schneller und sogar mit mehr als 800 MHz erhältlich sein sollen, auf den Markt kommen, ist jedoch noch ungewiss. Beim Thema Powerbook scheint dagegen bereits klar zu sein, dass Apple an einer neue Generation arbeitet. Der Auslieferungstermin dürfte ebenfalls nicht mehr in allzuweiter Ferne sein.

Im Software-Bereich strebt Apple die wichtigste Änderung an. Mit Mac-OS X, das Anfang 2001 erhältlich sein soll, wagt sich Apple in ein neues Terrain. Bisher, so Pascal Cagni gegenüber Macwelt, hat sein Unternehmen innerhalb von vier Wochen rund 45000 dokumentierte Feedbacks erhalten. Innerhalb des gleichen Zeitraums wurden nach Angaben von Steve Jobs rund 60000 Kopien des öffentlichen Beta-Version des Betriebssystems verkauft. Die Mac-Company machte keine Aussage, ob es für die Benutzer dieser Version ein Upgrade auf die finale Version geben wird. Apples US-Pressesprecherin Alicia Awbrey sagte gegenüber Macwelt, dass die Public Beta von Mac-OS X den "Software Update"-Mechanismus beinhaltet und gegebenenfalls als Option von Apple verwendet werden würde.

Analyse: Apples Gewinneinbruch

Dass Apple fortan offensiv sein will, beruht vor allem auf dem schlechten letzten Geschäftsquartal. Zwar konnte das Unternehmen seinen Umsatz gegenüber dem Vorquartal steigern, enttäuschend fiel jedoch die Gewinnmeldung aus. In den gemeldeten 170 Millionen US-Dollar stecken ARM-Aktienverkäufe mit 62 Millionen US-Dollar. Die letztlich erzielten 108 Millionen US-Dollar sind deshalb ein klarer Einbruch gegenüber dem geplanten Wert und den früheren Prognosen zahlreicher Analysten. Auch beim Umsatz mit 1870 Millionen US-Dollar blieb Apple unter der selbstgesetzen Marke von 2 Milliarden US-Dollar.

Als Ursachen für den Gewinneinbruch im September nennen Apple-Boss Steve Jobs und Europa-Chef Pascal Cagni drei Gründe: Zunächst blieben die Umsätze im Bildungsbereich weit gehend aus, da Apple sein Verkaufsteam zur falschen Zeit umstrukturierte. Dazu kam der schelpende Verkauf des Power Mac G4 Cube. Apple konnte von dem neuen Rechner im vierten Quartal nur rund 107.000 Stück verkaufen. Zu wenig im Vergleich zu den iMacs mit 571.000 und den Power Mac G4s mit 269.000 Einheiten. Auch bei den Powerbooks gingen die verkauften Stückzahlen gegenüber dem Vorquartal um 24 und gegenüber den Vorjahresquartal um 12 Prozent zurück. Schließlich sei der hohe Dollarkurs für internationalen Verkäufe nicht gerade förderlich gewesen.

Die Folge: Nicht nur im letzten Quartal hatte der Macintosh-Hersteller zu kämpfen, sondern auch das aktuelle Quartal bleibt schwierig. Der zu geringe Absatz im September führte bei Apples Händlern zu einem erhöhten Inventarbestand von acht Wochen. Diesen will der Hersteller bis Ende Dezember auf rund fünf Wochen abbauen. Ab Anfang 2001 möchte Apple jedoch wieder an seinen ehrgeizigen Wachstumsplänen anknüpfen und den Jahrsumsatz im nächsten Jahr auf über 8 Milliarden US-Dollar schrauben.

Apple Deutschland im Aufwind

In Europa konnte der Mac-Hersteller die Zahl der verkauften Einheiten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 120 Prozent (weltweit 45 Prozent) steigern. Auch in Bezug auf das gesamte Geschäftsjahr sieht die europäische Bilanz sehr gut aus: Mit einem Wachstum von 52 Prozent liegt Europa bei der Stückzahl verkaufter Macs noch vor den USA und Japan.

In Deutschland konnte Apple sogar sein bislang erfolgreichstes Ergebnis einfahren. Hier gab es ein 65 prozentiges Absatzwachstum und der Umsatz erhöhte sich um 62 Prozent. Laut Reiner Deichmann, kommissarischer Geschäftsführer Apple Deutschland, sei besonders der hohe Anteil an Neukunden erfreulich. Mit mehr als 30 Prozent Zuwachs bei Neukunden und einer starken Steigerung im professionellen Bereich sieht sich Apple für das nächste Geschäftsjahr bestens gerüstet. Als nächstes, so Deichmann gegenüber der Presse, müsse man den Marktanteil von derzeit rund 2,5 Prozent noch deutlich erhöhen. Genügend Potenzial im Home-Bereich böten etwa die rund 300.000 Camcorder-Benutzer in Deutschland, die ihre Filme problemlos mit iMacs bearbeiten könnten.

Pascal Cagni: Apple Deutschland ist wichtig

"Deutschland ist der wichtigste Markt in Europa", so Pascal Cagni, Apples Vice President und General Manager für Europa, gegenüber Macwelt. Apple will die 220 Verkaufspunkte qualitativ ausbauen. Außerdem plant der Mac-Hersteller deutsche Quicktime-TV-Kanäle, mehr Initiativen im Bildungsbereich, regionale Werbeauftritte und einen Ausbau des Apple Stores.
Martin Stein

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