1003434

Nachgefragt: Mac-Händler im Preiskampf

02.10.2008 | 12:16 Uhr |

Deutsche Mac-Händler nehmen Apple in Schutz: Zwar sehen sich einige in ihrer Existenz bedroht, Schuld aber sei die neue Gesetzgebung und die ausstehende Einigung zwischen Bitkom und ZPÜ, nicht der Hersteller.

Auf Anfrage von macnews.de erklären sie, warum Apple kommende Nachforderungen durch Rechteinhaber als einziger Hersteller nicht abfedert. Und dass sie dennoch sicher sind, auf die Hilfe des Mac- und iPod-Herstellers zählen zu können.

macnews.de wollte es genauer wissen. Die Internetseite IT-Business schimpfte vor wenigen Tagen "arrogant", was Apple seinen Händlern zumute: Der Mac-Hersteller sei der einzige, der Distributoren und Händler nicht von den Urheberrechtsabgaben freistelle, die rückwirkend zum 1. Januar 2008 und in noch nicht absehbarer Höhe fällig werden. Das ist zwar richtig - die Hintergründe aber sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Im Klinsch: ZPÜ vs. Bitkom

Im Streit befinden sich die "Zentralstelle für private Überspielungsrechte" (ZPÜ), ein Zusammenschluss deutscher Verwertungsgesellschaften wie der GEMA, und die Bitkom. Hinter dem "Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien" (Bitkom) stecken Gerätehersteller, Softwarefirmen und Dienstleister, darunter auch Apple. Nicht einigen können sich ZPÜ und Bitkom seit Monaten über die Höhe der Urheberrechtsabgabe (Pauschalabgabe), die zum 01.01.2008 nachträglich erhoben wird und die Schätzungen zufolge um die 40 Euro pro iPod liegen könnte. Auch Gerichte und zahlreiche Ausschüsse konnten den zwei Parteien nicht zu einer Einigung verhelfen.

Drohender Konkurs: Das Nachsehen hat der Händler

In der Unsicherheit über die Höhe der Abgaben liegt das größte Problem der deutschen Apple-Händler: "Rechtlich ist das alles in der Schwebe, eine Einigung ist in weiter Ferne und keiner hat finale Zahlen zur Kalkulation", schreibt uns ein Händler. Wie seine Kollegen möchte er nicht namentlich genannt werden, doch auch er macht sich große Sorgen: "Wenn die Forderungen der ZPÜ auch nur ansatzweise realisiert [...] werden, dann ist jeder Händler soweit im Minus, dass er vermutlich Konkurs anmelden muss."

"Apple Sales International", ein Sonderfall

Dem Mac-Hersteller gibt keiner der befragten Händler die Schuld für die Misere: "Apple als Mitglied der Bitkom will seine Verhandlungsposition nicht schwächen und vermeidet somit jegliche Art von Zusagen oder Übernahme von Verpflichtungen", lautet eine Erklärung. Dass Apple als einziger Hersteller nichts tut, liege an der besonderen Stellung des einzigartigen Vertriebsweges "Apple Sales International". Die deutsche Apple GmbH verwaltet zwar die Belange des Herstellers, importiert aber selbst keine Waren: "So scheint Apple derzeit der einzige Hersteller zu sein, der an seine Handelspartner noch aus dem Ausland Rechnungen schreibt, de facto sind damit die Distributoren und jeder Händler Importeure." Ein Händler wird konkret: Acer und HP verkaufen aus Lagern in Deutschland an deutsche Händler und Distributoren und sind damit selbst Importeur. Für die Urheberrechtsabgabe ist in Deutschland der zuständig, der die Waren einführt - das mag man der Gesetzgebung anlasten.

Höhere Preise? Nicht überall!

"Ehrlich gesagt: Ja, wir müssten unsere Preise erhöhen, da die Abgaben vom Endkunden getragen werden sollen", schreibt uns ein Händler, fügt dann aber hinzu: "Nein, wir werden im ersten Schritt unsere Preise nicht erhöhen, auch wenn wir dann nichts mehr am iPod verdienen werden." Die befragten Händler, die ihre Produkte noch über einen Distributoren beziehen, wollen in Zukunft ihre Produkte direkt bei Apple bestellen und werden das Risiko selbst tragen. Eine Preiserhöhung gegenüber dem Apple Store und großen Elektronikketten können sie sich - darin sind sie sich einig - nur schwer leisten, Rabatte werden sie keine mehr geben können. Sie hoffen indes weiterhin auf die Hilfe Apples: "Man kann eigentlich nur warten, bis einem die ZPÜ sagt, dass es vorbei ist, oder dass Apple entscheidet, einen zu retten." Der Hersteller habe den Händlern sein Wort gegeben, "das ist zwar keine Zusage, aber eine Aussage, der wir aufgrund der langjährigen Erfahrung mit Apple vertrauen."

 

Bild: the mechanical turk, "the mechanical turk". Some rights reserved. Flickr .

0 Kommentare zu diesem Artikel
1003434