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Napster-Streit kurbelt Umsatz an

02.08.2000 | 00:00 Uhr |

"Bad news are good news" - Was für die Boulevardpresse gilt, scheint auch Napster zu nutzen. Möglicherweise in Folge der gestiegenen Popularität durch die gerichtliche Auseinanderstzung mit der Musikindustrie schwang sich die umstrittenen MP§-Tauschbörse in der vergangenen Woche zur meistbesuchten Unterhaltungs-Site im Web auf.

Der schlagzeilenträchtige Streit um
Urheberrechte im Internet hat dem ohnehin schwunghaftem Handel mit
Musik-Dateien einen Popularitätsschub gebracht. US-Berichten zufolge
war die umstrittene Musik-Tauschbörse Napster.com in der vergangenen
Woche die am meisten besuchte Unterhaltungsseite im Internet.

Nach Zahlen von PC Data Online besuchten innerhalb einer Woche 5,8
Millionen Nutzer das Angebot. Das Forschungsinstitut Nielsen
schätzte, dass drei Prozent aller Internet-Besucher in den letzten
Stunden vor der erwarteten Schließung der Seite vorbeisurften.

Napster liefert sich derzeit einen juristischen Schlagabtausch mit
der US-Plattenindustrie wegen der Verletzung von Urheberrechten. Das
Unternehmen bietet ein Programm an, mit dem Musikfans in aller Welt
per Internet ihre Musikdateien im populären MP3-Format austauschen
können. Da viele dieser Dateien «schwarz» von privaten CDs erstellt
wurden, sind die meisten von ihnen urheberrechtsgeschützt. Napster
argumentiert, dass die Firma lediglich die Software bereitstellt und
keinen Einfluss auf die legale Verwendung hat. Ein Gericht hatte vor
einer Woche die Schließung des Angebots angeordnet, ein anderes hob
die Entscheidung am Freitag zunächst wieder auf.

Auch andere Musik-Börsen verzeichnen durch die Diskussion Zulauf.
Der ebenfalls in ein Verfahren verwickelte Anbieter Scour
verzeichnete PC Data zufolge 1,3 Millionen Besucher in einer Woche.
Der Anbieter gnutella registrierte 72 000 Zugriffe pro Stunde,
verglichen mit normalerweise 1 800.
dpa

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