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Napster kehrt zurück

20.05.2003 | 15:03 Uhr |

Nachdem Roxio Pressplay übernommen hat, ist ein Online-Musikdienst mit starkem Markennamen nicht mehr fern. Apple bleibt wenig Zeit, den iTunes Music Store nach Europa und auf die Windows-Plattform zu bringen.

Die Vorankündigungen haben sich als korrekt erwiesen: Roxio, Hersteller der Brennsoftware Toast, hat gestern die Übernahme des bislang gemeinsam von Universal und Sony betriebenen Online-Musikdienstes Pressplay bekannt gegeben. Die Übernahme kostete Roxio insgesamt 39 Millionen Dollar, die sich in 12,5 Millionen Dollar in bar und 3,9 Millionen Roxio-Aktien aufteilten. Sony und Universal werden jeweils einen Vertreter für den Roxio-Aufsichtsrat nominieren, der bisherige Pressplay-Chef Mike Bebel wird direkt dem Roxio-CEO Chris Gorog unterstellt sein.

Aller Voraussicht nach wird Pressplay in einen Relaunch der ehemaligen Tauschbörse Napster aufgehen. Ende November 2002 hatte Roxio die Restbestände von Napster übernommen, die zu diesem Zeitpunkt nur noch geistige Werte waren. Doch mit Markennamen und Warenzeichen, mit der Domain und diversen technischen Patenten hat Roxio nun mit der Akquise von Pressplay alle Trümpfe in der Hand, einen erfolgreichen Musikdienst aufzubauen. Schon im Februar hatte der Toast-Hersteller bekannt gegeben, bis Ende 2003 einen Dienst aufzubauen, der Musikdateien zunächst von einem zentralen Server ausgeben und später in einem Peer-to-Peer-Netz arbeiten sollte. Musiktitel will man sowohl einzeln anbieten als auch im Abonnement. Shawn Fanning, den Gründer des einstigen Todfeindes der Musikindustrie, hat man als Berater gewonnen, der vor allen Dingen seine Erfahrungen bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche und im Umgang mit Napster-Usern weitergeben soll.

Investitionen für Millionen

In die Entwicklung des neuen Napster will Roxio in den nächsten Monaten rund 20 Millionen Dollar investieren, für die Integration neuer Funktionen und einer neuen Benutzeroberfläche werde man jedoch etwas Zeit benötigen, wie Roxio-CEO Chris Gorog unseren Kollegen von Maccentral zu Protokoll gab. Der Zeitpunkt des Starts bleibt ungewiss.

Mit Pressplay hat Roxio auch die Rechte über den Vertrieb aller fünf großen Plattenlabels übernommen, in der Masse dürfte das neue Napster-Angebot dem des iTunes Music Store in etwa gleichkommen. Dennoch bleibt ungewiss, ob Roxio-Pressplay-Napster zur Alternative für Mac-Anwender werden kann. Pressplays Dienste stehen im Gegensatz zum iTunes Music Store auch in Europa zu Verfügung - jedoch nur für Window-Anwender. Das Joint Venture von Universal und Sony setzte bislang auf das Windows Media Format, der Pressplay-Client lief nur auf Wintel-Maschinen. Roxio ist jeodch für sein Engagement im Mac-Markt bekannt, im letzten Jahr seines Bestehens hat es auch einen Mac-Client für das Napster-Netz gegeben. Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass auch Mac-Anwender im kommenden Napster-Store einkaufen können.

Das Geschäft mit der Online-Musik verspricht jedenfalls ein Gutes zu werden, der überraschende erfolg des iTunes Music Store mit zwei Millionen Downloads in 16 Tagen ist nur ein Indiz dafür, die Marktforscher von Forrester Research sehen allein in Europa bis in das Jahr 2007 das Marktvolumen auf 1.3 Milliarden Dollar wachsen.

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