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Netscape 6

15.11.2000 | 00:00 Uhr |

Ganze 32 Monate hat es gedauert bis Netscape seinen neuen Browser fertig gestellt hat. Jetzt steht das fette Paket zum Download bereit. Wir haben einen ersten Blick auf Netscape 6 geworfen.

AOL bringt nach 32 Monaten die finale Version des Netscape-Browsers auf den Markt. Das Browser-Paket besteht aus Navigator, Netscape Mail, Instant Messenger und Composer, einem HTML-Editor. Netscape 6 soll sich nach Herstellerangaben total vom Communicator unterscheiden, da die AOL-Tochter den Programmkode neu aufgebaut hat. Nach Informationen von Heise sollen jedoch 40 bis 50 Prozent des Kodes aus der Mozilla-Distribution "Milestone 18" stammen. Vor allem die Rendering-Engine Gecko, das Kernstück des Browsers, entstand, als Netscape einige Bereiche des Sourcescodes 1998 freigab und unter die Mozilla-Lizenz stellte. Die Entwicklergemeinde Mozilla besteht aus Anhängern der Open-Source-Idee, die keine kommerziellen Hintergrund hat und Programmkode zur allgemeinen Bearbeitung offen legt.

Diese kombinierte Arbeit hat sich jedoch bei Netscape 6 auf eine, nach den Vorgaben des World Wide Web Consortiums, saubere HTML- und CSS-Programmierung ausgewirkt. Das 3W Consortiums ist sozusagen die Web-Standard-Polizei im Internet und versucht einen einheitlichen Standard zu definieren. Dem Unternehmen Netscape zufolge soll der Browser HTML 4, XML, Java Script 1.5, Java 2 sowie CSS 2 (Cascading Style Sheets) verstehen. Darüber hinaus ist die Fensterleiste "My Sidebar", der Menüpunkt "Search", eine austauschbare Oberfläche, der Kennwort-Manager, der Cookie-Manager, der Form-Manager und der Tranlation-Service neu. Außerdem hat die AOL-Tochter das Mail-Angebot weiter ausgebaut.

Installation

Modem-Anwender sollten vorsichtig sein. Das Installationsprogramm für das komplette Programm ist immerhin 14,4 MB groß und momentan nur per Download zu beziehen. Nach einem "Full Install", bei dem die Software unter anderem die Language Kits installiert, belegt das Paket satte 30 MB Plattenspeicher. Die Anwendung an sich ist nur 212 KB groß. Der Internet Explorer 5 von Microsoft benötigt dagegen nur 11 MB Festplattenspeicher. Das Versprechen der Entwickler, dass der Netscape-Browser nur mit 8 MB Plattenspeicher auskommen solle, waren wohl nur leere Worte. Man kann jedoch auf einzelne Komponenten des Netscape-Pakets verzichten und damit Plattenspeicher und Zeit beim Herunterladen sparen. Zum Einsatz von Netscape muss auf dem Rechner Mac-OS 8.6 oder höher installiert sein. Netscape 6 unterstützt das künftige Mac-OS X nicht nativ. Wer einen Browser für Mac-OS-X sucht, der sollte momentan auf die Weiterentwicklung von Mozilla, Fizilla zurückgreifen.

Sidebar mit neuen Funktionen

Auf den ersten Blick fällt einem die Fensterleiste namens "My Sidebar" auf, die sich auf der linken Seite befindet. Die Leiste erinnert einen stark an die vom Internet Explorer 5, lässt sich aber im Gegensatz zu dem Microsoft-Produkt mit der Maus in seiner Breite ändern. Die Fensterleiste enthält nach der Installation die Rubriken "What's Related", "Search", "Buddy List", "Stocks" und "News". Diese Kategorien lassen sich über einen Tabs-Button in der Leiste um eine vorgegebene Auswahl, aber auch nach eigenen Wünschen, erweitern. Das Angebot "Whats's Related" gab es schon beim Communicator. Die Suchfunktion hat der Explorer auch schon seit Ende März in seiner Fensterleiste. Die "Buddy List" ersetzt den kleinen gelben "Teddybär" des Communicators, der sich auf der rechten Seite der Menüleiste von Mac-OS breit gemacht hat. Definitiv neu sind die Rubriken "Stocks" und "News". In der erst genannten Kategorie kann man sich Aktienkurse anzeigen lassen. In der zweiten Kategorie erhält man in der Fensterleiste verlinkte Überschriften von Nachrichten (CNN), Sportereignisse (Sportsline) und politischen Nachrichten (Associated Press). Hat man mit diesen Funktionen nichts am Hut, lässt sich das ganze Fenster über den Unterpunkt "My Sidebar", der sich im Menüpunkt "View" befindet, deaktivieren.

Quo vadis Netscape

Netscape 6 gibt dem Aspekt des Suchens großen Raum. Einerseits kann man Suchbegriffe wieder direkt in die URL-Eingabezeile tippen, andererseits hat die AOL-Tochter den neuen Menüpunkt "Search" eingeführt. Mit den darin enthaltenen Funktionen lässt sich unter anderem in den eigenen Bookmarks, in der History, nach Internetschlüsselwörter im Web sowie nach Namen und E-Mail-Adressen suchen. Als versteckte Neuerung greift der Browser außerdem auf die Sherlock-Plug-ins zurück, die sich im Systemordner von Mac-OS befinden. Über den Unterpunkt "Preferences..." kann man einzelne Sherlock-Dateien zur Default-Suchmaschine ernennen. Findet der Browser mit Hilfe des Plug-ins jedoch kein relevantes Ergebnis, öffnet er, wie bei anderen Suchfunktionen auch, eine Netscape-Suchseite im Web.

Zwei Gesichter für den Browser

Wem bei den letzten Preview-Versionen die blaue Oberfläche nicht gefallen hat, kann sie nun in der finalen Version austauschen. Zwei Oberflächen stehen zur Auswahl: Zum einen die moderne, die im blau-glänzenden Design kommt, zum anderen die klassische, die sich sehr stark an das Aussehen des Communicators anlehnt. Über den Menüpunkt "Edit" und seinen Unterpunkt "Preferences..." stellt man den Browser auf die Klassik-Oberfläche um. Netscape will nach eigenen Angaben eine eigene Website namens "Theme Park" starten, auf der Netscape-Anwender weitere Oberflächen erhalten können.

Verbessertes Mail-Programm

Das bei der vollen Installation automatisch mitgelieferte und in den Browser integrierte Mail-Programm wartet ebenfalls mit Neuigkeiten auf. Der Client kann jetzt mehrere Accounts und IDs verwalten. Dabei unterstützt er AOL-, POP3-, IMAP- und NNTP-Accounts. Ein Assistent hilft beim Einrichten. Trifft ein Mail ein, dessen Absender noch nicht im Adressbuch eingetragen ist, übernimmt es beim Öffnen der Post automatisch die Absenderdaten. Buddy List und E-Mail-Programm arbeiten eng zusammen. Die elektronische Post meldet beim Lesen einer Mail, ob der Absender online ist. Ein Klick und man kann gleich mit demjenigen einen Online-Chat beginnen. Außerdem bietet Netscape einen Webbasiertes E-Mail-Programm namens Webmail an

Sicherheit verwalten

Netscape bietet nun einen Kennwort-Manager an. Mit Hilfe dieser Funktion kann man Passwörter und Login-Namen innerhalb des Browsers verwalten. Ein Cookie-Manager hilft bei der Ablehnung oder der Annahme von Cookies. Mit ihm kann man schon im Vorfeld entscheiden, von welcher Webseite man diese kleinen Dateien empfangen will. Bei unbekannten Seiten kann man den Einsatz der Cookies unterbinden. Damit ist man nun flexibler in der Handhabung der kleinen Spione. In diesem Menübereich bietet der Browser mit dem Form-Manager außerdem die Option persönliche Daten, wie Namen, Adresse und Telefonnummer, im Navigator zu speichern. Bei Online-Formularen füllt dieser Manager die Felder dann aus, genauso wie der Manager beim Explorer 5.

Fazit

Mit einigen der neuen Funktionen rückt Netscape 6 auf den bereits seit Ende März auf dem Markt befindlichen Internet Explorer 5 heran. Subjektiv erreicht der Browser die Renderzeit des Microsoft-Konkurrenten, oder ist sogar noch ein bißchen schneller. Angenehm fällt die Arbeitsweise der Rendering-Engine Gecko auf, der Browser lädt den Fensterinhalt nicht immer wieder neu, wenn man die Fenstergröße des Browsers verändert. Dieses typische Verhalten von Netscape-Browsern der Communicater-Generation hat so manchen Anwender genervt. Einen vollständig ausgereiften Eindruck macht der Browser aber noch nicht. Dazu kommt noch, dass viele Funktionen des neuen Browsers auf die Webangebote von Netscape zurückgreifen. Dieses kommerzielle Umfeld steht im Widerspruch zu der Open-Source-Idee. Macwelt wird Netscape 6 aber auf alle Fälle genauer unter die Lupe nehmen. Christopher Jakob

Info: Netscape, Internet: www.netscape.com , Download: Full Installer

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