879918

Netscape in der Krise

29.01.1998 | 00:00 Uhr |

Einen unerwartet hohen Verlust mußte der Internet-Spezialist Netscape für das letzte Geschäftsquartal ausweisen. Mit 88,3 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 125,3 Millionen US-Dollar fällt der Verlust für viele Analysten überraschend hoch aus.

Netscape-Chef Jim Barksdale macht vor allem die Client-Lösungen wie Netscape Navigator für das enttäuschende Ergebnis verantwortlich. Für das gesamte Geschäftsjahr 1997 gibt Netscape einen Umsatz von 553,9 Millionen US-Dollar und einen Verlust von 115,5 Millionen US-Dollar an.

Als erste Konsequenz stoppt die Internet-Company sämtliche Entwicklungsarbeiten an der Java Virtual Machine. Obwohl Netscape als Grund die zahlreichen Java-Eigenentwicklungen durch Hardwarehersteller angibt, dürfte aber vielmehr das aktuelle Geschäftsergebnis die eigentliche Ursache sein.

Schwieriges Jahr

Netscapes Krise geht vor allem auf das letzte Geschäftsquartal zurück, in dem Microsoft seinen neuen Internet Explorer in den Markt einführte. Für 1998 sehen die Netscape-Prognosen noch schlechter aus. Insbesondere Microsofts Einigung mit dem Justizministierium ist für die Barksdale-Company als Rückschlag zu werten.

Microsoft bietet zwar seinen OEM-Kunden zukünftig auch Windows 95 ohne Internet Explorer an, daß diese Lizenzoption Großabnehmer wie Dell nutzen werden , ist jedoch eher fraglich. Sollte Microsoft noch weitere Marktanteile gewinnen, dürften sich die Wall-Street-Analysten schon Gedanken über eine mögliche Netscape-Übernahme machen.

Kostenlose Software

Den einzigen Weg aus der Krise scheint das Unternehmen bereits erkannt zu haben: War Microsofts Internet-Explorer-Erfolg vor allem auf die kostenlose Verteilung zurückzuführen, kontert der angeschlagene Navigator-Hersteller nun mit der kostenlosen Vergabe des Sourcecodes seiner Client-Produkte.

Angeregt durch das positive Linux-Beispiel hofft man darauf, daß eine große Entwicklergemeinde sich der eigenen Programme annimmt. Damit dürften auch Microsofts Entwicklerkolonnen nicht mithalten können. Was Netscape davon hat? Reichlich Anregung für seine Enterprise-Produkte, ständige Verbesserung der Client-Software, zusätzlichen Profit über die eigene Web-Seite und nicht zuletzt das Wohlwollen seiner Anwender. mst

0 Kommentare zu diesem Artikel
879918