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Neue Front im Copyright-Krieg: Online-Filme im Kreuzfeuer

02.08.2000 | 00:00 Uhr |

Im Internet tobt der Kampf um das Urheberrecht
weiter. Bisher war der Dauerstreit um Musik-Raubkopien das wichtigste
Schlachtfeld, aber nun kommt als neue Front der Filmbereich dazu. In
New York haben die großen Hollywood-Studios ein Verfahren um den
Kopierschutz von DVDs angestrengt.

Außerdem verklagt der US-Filmwirtschaftsverband Motion Picture
Association of America (MPAA) derzeit einen neuen Internet-Service,
der seinen Nutzern bei der Suche nach Filmen im Datennetz hilft.

Die großen Acht aus Hollywood, von Columbia bis Universal, gehen
gerichtlich gegen einen obskuren Online-Autoren vor. Der vor allem in
der Hacker-Szene bekannte Eric Corley wurde verklagt, weil er
angeblich über seine Website 2600.com ein in Hollywood verhasstes
Programm anbot. Es heißt DeCSS, und es bricht die Kopiersicherung von
DVDs, das so genannte Content Scramble System (CSS).

Programmierer hatten das Programm entwickelt, weil sie auf ihren
Computern keine DVDs abspielen konnten. Die Scheiben waren nur für
die Windows- und Macintosh- Betriebssysteme gedacht, aber nicht für
das bei Computerfans beliebte Linux. Dank DeCSS wurden die DVD-Daten
nicht nur Linux verwendbar, sondern auch speicherbar. Die Filmstudios
sehen deshalb rot.

Noch ist das Speichern oder gar Herunterladen der Filme eine
unpraktische Sache, weil die riesigen Datenmengen eines einzigen 90-
Minuten-Streifens das Fassungsvermögen durchschnittlicher Festplatten
schon überscreiten. Mindestens 4,7 Gigabytes passen auf eine DVD.
Aber Festplatten und Komprimierungssoftware - wie das im Musikbereich
beliebte MP3-Verfahren - werden besser. Mit superschnellen Internet-
Verbindungen könnten Filmfans dann Video-Dateien ebenso schnell
austauschen wie sie es jetzt mit Musikdateien tun.

Die Hollywood-Studios berufen sich auf den «Digital Millennium
Copyright Act» (DMCA) von 1998, der ihrer Meinung nach die
Verbreitung von Programmen wie DeCSS verbietet. Erstmals werden in
Manhattan nun die DMCA-Regeln zum Thema Raubkopier-Software
überprüft. Unterstützer von Corley befürchten, dass nach einem Sieg
der Studios ein fataler Präzedenzfall vorliegen würde. Die
Unterhaltungsindustrie hätte dann die völlige Kontrolle darüber, wie
ihre digitalen Produkte genutzt werden dürfen, sagt der renommierte
Internetrecht-Experte Yochai Benkler.

Für die Studios geht es nach eigener Aussage ausschließlich um die
Verhinderung von Produktpiraterie. Dieses Motiv steht offiziell auch
hinter einem Verfahren, dass die MPAA anstrengte. Es richtet sich
gegen das Internet-Unternehmen Scour, an dem ein wichtiger Hollywood-
Insider mehrheitlich beteiligt ist: Der Schauspieleragent und Ex-
Disney-Chef Michael Ovitz. Dessen ehemaliger Freund Jack Valenti, der
MPAA-Chef, wurde darüber zu Ovitz bitterem Feind. «Es gibt kein
Hollywood zum Nulltarif,» ereiferte sich Valenti in einem Kommentar
für die «New York Times». Es sei wichtig, energisch gegen «diebische
Fanatiker» anzugehen, die «Filme nun genauso in den Würgegriff nehmen
wollen wie bereits die Musikwelt».

Valentis Wutausbruch gilt einem Service, der das World Wide Web
systematisch nach Audio- und Videoinhalten absucht. «Keine Website
wird von uns ausgelassen,» behauptet Scour. Das bedeutet, dass der
Kunde auch illegale Kopien aufspüren kann. Zwar müssen Urheberrechts-
Gesetze beachtet werden. Scour stiehlt sich aber aus der
Verantwortung: «Wir übernehmen keine Verantwortung für Material auf
per Hotlink angeschlossenen Websites,» heißt es. Nun müssen die
Juristen entscheiden. Für Hollywood ist der Verkauf und Verleih per
Internet zwar interessant, doch nur so lange es damit Geld verdient.
dpa

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