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Neue Hoffnung "Web Services"

11.03.2003 | 15:34 Uhr |

Nach dem Platzen der "New Economy"-Blase schien eine geschäftliche Nutzung des Internets in weite Ferne gerückt. Der Katzenjammer hat jedoch die führenden Unternehmen der IT-Branche nicht davon abgehalten, fieberhaft an neuen Technologien zu arbeiten, mit denen das Internet besser für kommerzielle Zwecke genutzt werden kann. Ob "Sun ONE" von Sun Microsystems, "WebSphere" von IBM oder ".NET" von Microsoft: "Web Services" - Internet-basierte Anwendungen - ist das Schlagwort für einen der wichtigsten Trends auf der Fachmesse CeBIT. Im Vordergrund steht dabei zurzeit die Verknüpfung der Software unterschiedlicher Hersteller.

Technisch gesprochen sind Web Services Software-Komponenten, die andere Komponenten im Web ausfindig machen und benutzen können, um so eine komplette, umfangreiche Aufgabe zu erfüllen.

Den Marktforschern von Forrester Research zufolge wollen 84 Prozent der befragten europäischen Unternehmen im laufenden Jahr ihre Investitionen in diesem Bereich aufstocken. "Intelligente Web Services sind für das Informationszeitalter, was austauschbare Komponenten für das Industriezeitalter waren", behauptet Sun-Chef Scott McNealy.

Für den Analysten Ted Schadler von Forrester Research ist der Netzwerkeffekt der neuen Technologie so bedeutend wie der des Telefonnetzes. Marktforscher David Smith von der Gartner Group beziffert allein den Markt für die erforderlichen Software- Komponenten für das laufende Jahr auf 1,7 Milliarden US-Dollar.

Die Experten von Cap Gemini gehen davon aus, dass die Standardisierung der neuen Technologie in rund drei Jahren abgeschlossen sein wird.

Drei Standards sind bereits verfügbar. Das Simple Objects Access Protocol (SOAP) hat für Web-Services-Anwendungen eine ähnliche Funktion wie HTML für den Aufbau von Internet-Seiten. Die Web Services Description Language (WSDL) beschreibt das so genannte Interface - sozusagen die Steckdose, an der ein anderer Web Service "andocken" kann. Ein so genanntes UDDI Registry (Universal Description, Discovery and Integration) entspricht von der Funktion her in etwa den "Gelben Seiten" für Telefonkunden.

Anwendungen für den Endverbraucher sind bislang noch die Ausnahme. "Web-Services-Technologien werden zurzeit vor allem in Unternehmen für die interne Integration von verschiedenen IT-Infrastrukturen eingesetzt", sagt der bei Sun Deutschland für die Technologie zuständige Produktmanager Frank Issing. Mehr als drei Viertel der Befragten einer Studie der IT-Beratung Cap Gemini Ernst & Young bringt derzeit entsprechende Projekte an den Start oder ist mit deren Umsetzung beschäftigt.

Für den Verbraucher können Web Services in der Praxis so aussehen: Eine auf der CeBIT von der Jentro AG vorgestellte Navigationslösung für Autofahrer mit Handy bezieht Verkehrsinformationen per Web Service. Im vergangenen November hatte das Unternehmen bereits eine Telematiklösung für das UMTS-fähige Auto vorgestellt. "In drei bis fünf Jahren rechnen wir mit Web-Service-tauglichen Telematiksystemen in den Serienfahrzeugen", sagt Jentro-Chef Erno Hempel.

Bis zur allgemeinen Verfügbarkeit von Web Services wird es aber noch etwas dauern. Der bei der IBM-Softwaresparte für Web Services zuständige Programmdirektor Guido von Klitzing sagt: "Wir befinden uns derzeit noch in einer sehr frühen Phase, in der die Aktivitäten vieler Lösungsanbieter und Service Provider zur Zeit eher noch "experimentellen" Charakter haben." Frank Issing von Sun sieht das ähnlich. Bis auf die grundlegenden Standards sei noch vieles ungeklärt, etwa wie die darüber angebotenen Dienste abgerechnet werden sollen. dpa

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