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Neue Intel-Technik für Notebooks: Die Zukunft spart Strom

22.03.2007 | 12:18 Uhr |

Die nächste Generation von Intels Notebook-Chipsätzen und die neue Centrino-Plattform dürften sich auch auf Macbook und Macbook Pro nachhaltig auswirken.

Doch auf die Cebit hat der Chip-Hersteller vor allem aufgemotze Windows-Kisten zum Daddeln gestellt, tiefer gelegte Rennwagen und mit blauen Perücken verunstaltetes Standpersonal. Hinter den Kulissen allerdings gab es eine Menge Details zur Notebook-Plattform mit dem Codenamen "Santa Rosa" zu hören, wenn auch nicht zu sehen. Vorstellen wird sie Intel voraussichtlich erst am 9. Mai - für Windows-PCs. Doch auch, wenn bislang noch offen ist, wie viel Centrino am Ende wirklich in tragbaren und Einsteiger-Macs landet, ein Blick auf die Notebook-Technik der nahen Zukunft lohnt sich bestimmt. Ihre Devise: Strom sparen!

Mehr Leistung bei weniger Stromaufnahme - das ist die Devise, die Intel sich bereits bei der Einführung der ersten Core-Duo-Prozessoren auf die Fahnen geschrieben hatte. Jetzt will der Chip-Hersteller auch darüber hinaus noch Strom sparen: Mit neuen Techniken für Grafikprozessor, Frontsidebus und darüber hinaus. "Centrino" ist der Name einer ganzen Sammlung von Komponenten, die Computerhersteller auch in der neuen Version wieder in Windows-Notebooks verbauen werden, bevor sie den "Centrino"-Schriftzug auf ihre Geräte schreiben. Die Plattform, die bislang noch unter dem Codenamen "Santa Rosa" bekannt ist, wird neben Core-2-Duo-Prozessoren einen neuen Chipsatz "Mobile Intel 965 Chipset" beinhalten, außerdem einen neuen integrierten Grafikchip, voraussichtlich den "Media Accelerator X3100". Dazu kommen noch Lösungen für den Funkverkehr zu WLAN-Stationen und Gerüchten zufolge sogar ins UMTS-Netz.

Sind nicht auch Macs ein bisschen Centrino?

Auf Apple-Rechnern dürfte auch in Zukunft kein "Centrino"-Schriftzug prangen und der Mac-Hersteller wird wohl auch nicht alle Komponenten der Plattform in MacBooks und MacBook Pros der Zukunft übernehmen. Ändert sich Apples aktuelle Produktstrategie nicht grundlegend, so dürfte in zukünftigen Mac-Generationen aber dennoch eine Menge Centrino-Technik stecken. Aktuelle Modelle basieren neben dem Intel-Prozessor auch auf dem zugehörigen Intel-Chipsatz, MacBook und Mac mini verwenden zusätzlich Intels integrierte Grafiklösung GMA950.

Fertigstellung für Mai geplant

Während Intel auf der Cebit auch in einer Pressekonferenz nicht alle Details zur kommenden Notebook-Plattform nannte, so stellte der Hersteller doch neue Techniken vor und gibt den Ton für die kommenden Monate an. Laut der chinesischen Seite HKEPC ist die offizielle Centrino-Vorstellung erst am 9. Mai geplant, Ende des Monats soll sie ausgeliefert werden. Einen möglichen Grund für die Verzögerung liefert HKEPC gleich mit: Intel wollte ein UMTS-Modul für Handy-Netzwerke in die Plattform integrieren, hat aber im letzten Moment die Zusammenarbeit mit dem designierten Zulieferer Nokia beendet.

Sparen, sparen, sparen

Wie steigert man die Leistung eines Notebooks, ohne die Laufzeit der Batterie zu verkürzen? Entweder man entwickelt bessere Akkus oder Techniken zum Stromsparen. Intel ist für letzteres zuständig und für kommende Notebook-Generationen hat der Hersteller eine ganze Reihe von Stromspartechniken ausgetüftelt. Dahinter steckt eine weit reichende Logik: Weniger Leistungsaufnahme führt nicht nur auf direktem Weg zu längerer Akkulaufzeit. Indirekt lässt sich damit sogar noch mehr Strom sparen, denn die Systeme entwickeln weniger Hitze und auch die Kühlsysteme nehmen weniger Leistung auf. Und schließlich macht die stromsparende Technik in existierenden Komponenten wieder mehr Platz für neue Stromfresser frei, für mehr Prozessorkerne beispielsweise.

Mobile Intel 965 Chipset

Intels mobiler Chipsatz 965 (Codename "Crestline") steigert die Leistung eines Systems, indem er den Frontsidebus statt wie bislang mit 667 Megahertz mit 800 Megahertz taktet. Nun ist bei Intel-Systemen aber gerade der Frontsidebus (FSB) als ausgemachter Stromfresser bekannt. Der Chip-Hersteller hat deshalb eine Technik namens "Super Low Frequency Mode" entwickelt, die die Taktfrequenz des FSB auf bis zu 400 Megahertz heruntersetzen und so Strom sparen kann, wenn das System nicht ausgelastet ist. Prozessoren beherrschen diese Technik der Takt-Skalierung bereits, jetzt schließt sich ein weitere Teil des Systems an.

Media Accelerator X3100

Zum Nachfolger des integrierten Grafikchips hat Intel noch am wenigsten Details verraten. Es dürfte sich um die mobile Variante X3100 handeln, die der Hersteller ebenfalls durch und durch aufs Stromsparen getrimmt hat. Sie zwackt ihren Grafikspeicher weiterhin dynamisch vom Hauptspeicher ab, die Technik heißt "Dynamic Video Memory Technology 4.0" und bis zu 256 Megabyte dürfen es sein. Allerdings hat dabei auch das Betriebssystem ein Wörtchen mitzureden und noch ist unseren Informationen zufolge noch nicht bekannt, ob Leopard im Gegensatz zu Mac-OS X 10.4 die dynamische Grafikspeicherzuordnung erlauben wird. Der neue Grafikchip wird darüber hinaus OpenGL 1.0 und Auflösungen von bis zu 2048 auf 1536 Bildpunkten unterstützen, der Hersteller verspricht gegenüber dem Vorgänger einen Leistungszuwachs von 50 Prozent. Noch nicht beantworten lassen sich im Wesentlichen zwei Fragen: Wird X3100 Vertex-Shader-Programme direkt unterstützen und so den Hauptprozessor entlasten und kann er vielleicht sogar H.264 dekodieren, ohne die CPU in Anspruch nehmen zu müssen?

Halbbilder bei ruhigem Bildschirminhalt

Auch für einen weiteren Stromfresser hat sich Intel eine Lösung überlegt, für das Display. Der neue Grafikprozessor X3100 soll laut dem PC-Magazin dafür sorgen, dass Displays 25 Prozent weniger Strom verbrauchen - mit einem Trick. Der Grafikchip erkennt nämlich, ob auf dem Bildschirminhalt große Bewegungen statt finden und stellt die Anzeige intelligent zwischen Halbbildern pro Sekunde (Interlacing) und 60 Vollbildern um. Da das Display kurz nachleuchtet, verschwimmen die Halbbilder bei der Büroarbeit, das Display nimmt aber weniger Strom auf. Bei der Videowiedergabe und beim Spielen aber würde ein Flimmern entstehen, deshalb sind hier 60 Vollbilder angebracht.

Turbo Memory Technology

Bereits seit längerer Zeit bekannt ist, dass Intel die bislang unter dem Codenamen "Robson" bekannte Technik in den mobilen Chipsatz 965 einbauen wird. Sie wird aber nicht nur in Notebooks, sondern auch in Desktopboards der 3-Series zum Tragen kommen. 965-Chipsätze der ersten Generation werden ein Gigabyte Flash-Speicher an Bord haben, der als Zwischenspeicher für Festplattenzugriffe dient. Systeme sollen so schneller starten können, außerdem kann die Festplatte bei geringen Zugriffen früher in den stromsparenden Schlafmodus gehen und länger darin verweilen. Setzt die "Turbo Memory"-Technik offiziell noch Windows Vista und dessen Funktion "Ready Boost" voraus, so können auch Leopard-Vorversionen bereits Flash-Module als Cache für die Festplatte verwenden. Intel allerdings spricht bislang nur von Vista und verspricht unter dem neuen Windows mehr Geschwindigkeit als mit herkömmlichen USB-Sticks, die vor allem einem neuen Treibermodell zu verdanken sei. Beim Booten ergebe sich eine Geschwindigkeitsverbesserung von 20 Prozent.

Es bleibt beim Core 2 Duo

Die Centrino-Plattform ist für die Zusammenarbeit mit dem Core 2 Duo ausgelegt. Die Prozessoren bleiben deshalb auch die gleichen, allerdings kommen sie auf einen neuen Sockel (Socket P). Am gleichen Tag, an dem Intel Centrino vorstellt, sollen die Core-2-Duo-Prozesoren in den neuen Varianten zur Verfügung stehen. Die Preise der T7000 und L7000-Reihe seien etwas niedriger angesetzt als ihre Geschwister mit M-Sockel, schreibt HKEPC.

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