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Neue Musik am Dienstag

11.12.2003 | 12:19 Uhr |

Während Apple stolz 20 Millionen Downloads im iTunes Music Store feiert, bleibt der Starttermin einer europäische Variante des Online-Musikladens ungewiss. Ein schwedischer Musik-Fan will mit einer Petition den Druck erhöhen.

Gute Nachrichten für Fans der Red Hot Chili Peppers: Die kalifornische Band hat gegen den Widerstand ihres Managements einen Teil ihres Werkes in Apples iTunes Music Store stellen lassen. Bislang verkaufen die Mannen um Anthony Kiedis und Flea nur ihr jüngst veröffentlichtes Greatest-Hits-Album für 11,99 Dollar oder 99 Cent pro Song über den Apples Musikservice, ein Anfang ist jedoch gemacht. Noch im Juli hatte das Management des Quartetts den iTunes Music Store und andere Downloaddienste pauschal abgelehnt. Ein Modell mit einzelnen Downloads würde das Medium Album zerstören, behaupteten die Vermarkter von Q Prime, die auch die Internet-Boykotteure von Metallica unter Vertrag haben.

Die Musikindustrie meint im Allgemeinen immer noch, das Internet als Hauptursache für ihren Niedergang in den letzten Jahren verantwortlich zu machen, Umsatzeinbußen von 20 bis 30 Prozent pro Jahr zwingen nun sogar schon zu den ersten Fusionen von Majors, wie es im Falle der Bertelsmann Music Group (BMG) und Sonys Musiksparte geschieht.
Das Wirtschaftmagazin Fortune hat den iTunes Music Store nicht nur wegen seiner benutzerfreundlichen Technik zur "Erfindung des Jahres" gekürt, vor allen die diplomatische Leistung des Apple-CEO Steve Jobs sei preiswürdig, hat er doch in den USA die fünf großen Labels davon überzeugen können auf ein neues Distributionsmodell zu setzen und dem Internetanwender mit einem legalen und technisch sauberen Angebot den Besuch illegaler Tauschbörsen zu verleiden.
In Europa, speziell in Deutschland, ist die Musikindustrie wohl noch lange nicht so weit, Apples Weg für die beste Idee gegen den Umsatzschwund zu sehen. Erste zaghafte Versuche, Musik über das Internet zu vertreiben, hat Peter Gabriels Firma OD2 angestrengt. Der Apple Master und ehemalige Genesis-Sänger stellt lediglich einen Katalog bereit, aus dem sich Wiederverkäufer wie Tiscali oder MSN bedienen. Drei Jahre lang hätten sich jedoch die Verhandlungen mit der Musikindustrie hingezogen, haben unsere Kollegen von Macworld UK erfahren.

Solange wird sich Apple nicht Zeit nehmen wollen, nach Informationen aus Firmen nahen Quellen steht die Infrastruktur schon bereit, alle Server sind gekauft und eingerichtet, es fehlt nur noch das "Go" der Industrie und der Verwertungsgesellschaften. Das Internet habe sich in weiten Teilen der Industrie überhaupt noch nicht durchgesetzt, viele Manager der Labels benutzten nicht einmal E-Mail.
So mag die Petition , die ein schwedischer Mac-Fan ins Netz gestellt hat, ihre Wirkung vollkommen verfehlen, da sie die falschen Verantwortlichen anspricht. Jacob Landefjord bittet Apple darin, den iTMS nach Europa zu bringen, er und alle, die seine Aufforderung unterstützen, halten den Service für eine großartige Idee. Es sei ihm bewusst, dass einige rechtliche Probleme noch zu beseitigen sind, weswegen die Petition eher eine Ermutigung sein soll, den eingeschlagenen Weg fort zu setzen. Bis heute Mittag haben sich rund 2348 Surfer der Forderung angeschlossen.


Als letzte offizielle Äußerung zum Start des europäischen iTMS steht Pascal Cagnis Befürchtung, "nicht vor Frühjahr 2004" starten zu können. 20 Millionen Downlaods in knapp acht Monaten sollten aber starke Argument auch für die hiesigen Eigner von Urheberrechten sein, alte Vorstellungen über Bord zu werfen und mutig ein neues Geschäft anzupacken.

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