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Neue iMacs zur Macworld Expo?

29.06.2001 | 00:00 Uhr |

Steve Jobs wird die Eröffnungsrede in New York halten und einige Neuigkeiten aus dem Hut zaubern. Wenn am 18. Juli die Macworld Expo ihre Pforten öffnet, wird Apple auch neue iMacs präsentieren.

Als Steve Jobs im Februar auf der Macworld Expo in Tokyo der ÷ffentlichkeit die neuen iMacs präsentierte, tat er dies in zerknittertem wei?em Hemd, unrasiert und mit wenig Enthusiasmus. ÑBlauer Dalmatinerì und ÑFlower Powerì, die neuen 70er-Jahre-Retro-Gehäuse, waren nicht wirklich das, was dem Apple-Boss und seiner Firma aus dem Formtief helfen konnte. Das zuvor abgegebene Geständnis, man habe den Volkssport namens CD-Brennen verschlafen, hatte hoffen lassen. Die in die iMacs eingebauten CD-Brenner stie?en auf allgemeine Zustimmung, wäre nur das missglückte Design nicht gewesen. Zudem konnte Apple auch mit der neuen iMac-Generation die Hoffnung der Mac-Fans auf mehr Bildschirmfläche nicht erfüllen. So wurde es denn in letzter Zeit reichlich still um Apples einstiges ÑWunderkindì, das nicht so recht aus den Kinderschuhen herauswachsen will. Doch das soll sich nun ändern. Nachdem das radikal neu gestaltete Powerbook nicht nur Designpreise abräumt, sondern sich auch prächtig verkauft und Apple gleich mit einem ähnlich designten iBook erfolgreich hinterherzog, sind nun die Desktop-Rechner an der Reihe.

Neue iMacs

Allen voran bedarf der iMac eines deutlich sichtbaren Faceliftings. Dabei geht es nicht nur um die Gehäusefarbe. Mac-OS X verlangt schnelle Komponenten und vor allem, dank gro?er Icons und verschwenderischem Umgang mit Bildschirmfläche, viel Platz auf dem Monitor.

Der Mac-OS-X-iMac

Mit der Entscheidung, Mac-OS X früher als geplant auf allen Rechnern vorinstalliert auszuliefern, hat Apple ein Zeichen gesetzt: Die Zukunft gehört dem neuen Betriebssystem. Zwar läuft Mac-OS X auch auf einem iMac zufrieden stellend, doch vor allem die neue Aqua-Oberfläche bringt ein Problem mit sich. Icons, Buttons, Dialogboxen sie alle sind ein gutes Stück größer geraten als unter Mac-OS 9. Um beispielsweise eine normale Button-Leiste von Microsoft Office unterzubringen, benötigt man einfach mehr Platz auf dem Monitor. Wurde es bereits unter Apples bisherigem Betriebssystem eng auf dem iMac-Bildschirm, so verschärft sich dieses Problem mit Mac-OS X. Als Zweites stellt sich das Problem, dass Mac-OS X sehr speicherhungrig ist. 64 MB Arbeitsspeicher sind hier nicht zumutbar, die doppelte Menge ist das Minimum. Beides, ein größerer Monitor und mehr Arbeitsspeicher, treiben aber die Preise nach oben um also im attraktiven Preisbereich von unter 1000 US-Dollar zu bleiben, müssen sich die Apple-Ingenieure bei den iMacs etwas einfallen lassen.

Vorbild Cube

Sein Leben ausgehaucht haben dürfte wohl spätestens zur Macworld Expo der Cube. Als Designerwürfel mit Rechenpower allgemein gelobt, ist er für High-End-Anwender zu wenig erweiterbar und für Einsteiger viel zu teuer entsprechend schlecht lässt er sich verkaufen. Dass Mac-Fans den Silberkasten dennoch mögen, zeigt sich in begeisterten Kommentaren und dem Vorschlag, einen iMac daraus zu entwickeln. Genau dies dürfte Apple inzwischen getan haben, hilft doch ein iMac ohne Monitor im Cube-Design aus manchem Dilemma.
Nachdem sich Apple von den Röhrenmonitoren verabschiedet hat und nunmehr ausschlie?lich LCDs anbietet, wäre ein iMac mit integriertem LCD-Monitor die logische Weiterentwicklung. Dies würde allerdings die Preise kräftig nach oben treiben. Einen Rechner unter der 1000-Dollar-Marke könnte Apple also lediglich ohne Monitor anbieten wie die meisten PC-Hersteller auch. Ganz ohne Bildschirm läge der iMac somit im Bereich von 600 US-Dollar oder hier zu Lande rund 1500 Mark, was ihn auch für Einsteiger attraktiv machen würde. Zudem lie?e sich für Mac-OS X mehr Arbeitsspeicher hineinpacken, ohne den Preis weiter nach oben zu treiben.
Dem Anwender bliebe es dann überlassen, ob er einen LCD-Bildschirm von Apple oder einen 17-Zoll-Röhrenmonitor eines Drittherstellers anschlie?t. Dass viele zu einem Apple-Display greifen werden, dafür hat der Mac-Hersteller mit der ADC-Schnittstelle gesorgt. Lediglich ein Kabel versorgt den Monitor mit Strom, einem digitalen Videosignal und USB-Anschluss für die iMac-Klientel, die dem üblichen Kabelsalat der PCs entgehen möchte, ideal.

Schnellerer Prozessor, mehr Speicher
Apple hat mit dem Cube zwar finanziell keinen Erfolg gehabt, die Erfahrungen lassen sich aber weiter nutzen. So wissen die Apple-Ingenieure, wie man in einem kleinen Gehäuse mit Hitze umgeht, ohne einen Lüfter einzubauen. Das CD-Laufwerk hochkant zu stellen, war vielleicht etwas zu innovativ (und führte zu einigen Problemen), doch das Prinzip, viel Power in ein kleines Gerät zu integrieren, wird auch beim iMac Pa-
te stehen. Die mangelnde Erweiterbarkeit, über die sich die Kunden beim Cube immer beklagten, war beim iMac nie ein Problem und so lassen sich auf Cube-Basis bestens neue iMacs bauen. Da Apple mit den iMacs weiterhin im niedrigen Preissegment tätig bleiben wird, kommt auch (noch) kein G4-Prozessor zum Einsatz. Der G3 hat sich gut bewährt und ist inzwischen mit Taktraten bis 733 MHz lieferbar. So kann Apple die iMacs mit Taktraten von 500, 600 und 733 MHz etwas schneller anbieten als die derzeitigen Modelle. Während der G3-Prozessor noch gute Dienste leistet, wird Apple den iMacs mit Sicherheit eine neue Hauptplatine spendieren. Der Systembus von 100 MHz dürfte dann auch ausgedient haben, wie in den G4-Power-Macs taktet er mit 133 MHz, als Speicherbausteine dienen dann die moderneren PC-133-SDRAM-Bausteine, die inzwischen Standard sind.
Ob in Sachen Grafik ATI oder Nvidia das Rennen macht, steht noch aus. Doch die Zeiten des PCI-Bus für die Grafik sind wohl vorbei. Eine schnellere 4x-AGP-Schnittstelle wird diese ersetzen und, wie schon jetzt in den Power Macs, für erheblich mehr Leistung bei der 3D-Grafik sorgen.
Ein Minimum von 128 MB Arbeitsspeicher wird Apple mit Hinsicht auf Mac-OS X wohl springen lassen, als Laufwerke werden weiterhin IDE-Festplatten (ATA-66) und CD-RWs dienen. Das noch recht teure Kombilaufwerk aus DVD-ROM und CD-Brenner bleibt wohl weiter dem High-End-Modell vorbehalten.
Preisfrage
In puncto Preis werden sich Mac-Fans vermutlich freuen dürfen. Seitdem Apple im Herbst des vergangenen Jahres ausgerechnet zur Weihnachtszeit mit Umsatzproblemen zu kämpfen hatte, steht nicht so sehr die Profitrate, sondern der Umsatz im Vordergrund der Geschäftspolitik. So fragten sich bei der Einführung der G4-Powerbooks schon einige Analysten, wie Apple bei der hochwertigen Ausstattung noch Geld verdienen wolle, auch die iBooks sind vergleichsweise niedrig im Preis. Zudem muss Apple derzeit die neu eingeführte Kette von Apple Stores zum Erfolg führen und dort für Umsatz sorgen. Wie die Preise letztlich liegen, wird man bei der Produkteinführung erfahren. Allerdings werden sie mit Sicherheit so sein, dass Apple nicht nur mit dem PC-Lager, sondern auch mit Geräten aus der Consumer-Elektronik konkurrieren kann.

Bleibt der All-in-one-iMac?

Während alles dafür spricht, dass ein monitorloser iMac nach Vorbild des Cube die passende Ergänzung zu Apples LCD-Baureihe bilden wird, überschlagen sich die Auguren im Internet mit Spekulationen über einen iMac mit integriertem LCD-Display als Nachfolger der All-in-one-Geräte. Tatsächlich haben solche Spekulationen einiges für sich. Selbst 14-Zoll-LCD-Displays bieten inzwischen mehr Bildschirmfläche als der 15-Zoll-Monitor des iMac. Apple hätte wenige Probleme, einen LCD-Bildschirm zu bauen, in den die restliche iMac-Hardware quasi im erweiterten Monitorfu? integriert ist. Dennoch sprechen einige gewichtige Argumente gegen einen solchen Rechner.
Vor allem der Preis eines solchen Geräts lässt es nicht wahrscheinlich erscheinen, dass Apple es tatsächlich herausbringt. So müssten die Ingenieure ein komplett neues, auf das LCD abgestimmtes Gehäuse entwickeln und fertigen eine aufwendige und teure Angelegenheit. Zudem wäre das neue Modell in jedem Falle teurer als die derzeitigen iMacs, ohne Vorteile zu bieten, denn das LCD wäre nur wenig größer als der derzeitige 15-Zoll-Monitor. Zu wenig flexibel ist ein All-in-one-Gerät auch, wenn es da-ran geht, einen größeren Monitor einzubauen. Die zurzeit noch teuren Displays der Powerbooks wären später die Monitore der Wahl, doch müsste man dann wieder das Gehäuse ändern.
Umgehen lie?e sich dieses Problem lediglich mit einem Klappbildschirm. Würde man dann noch die Tastatur integrieren, hätte man das, was Apple schon hat ein iBook. Dennoch ist die Möglichkeit, dass Apple weiterhin ein All-in-one-Gerät anbietet, nach wie vor da. Es gibt den iMac in seiner jetzigen Form, und wenig spricht dafür, ihn schon jetzt komplett verschwinden zu lassen. Gut möglich, dass es Apple so macht wie einst Coca Cola. Die hatten, nachdem sie die Rezeptur geändert hatten, auf Grund der Konsumentenproteste eine Cola Classic nachgeschoben. Ein ÑiMac Classicì mit 15-Zoll-Monitor, CD-Laufwerk und 64 MB Arbeitsspeicher könnte sich zum Verkaufsrenner entwickeln, ähnlich dem Macintosh Classic mit 9-Zoll-Monitor der ÑStudenten-Macì für 2000 Mark ging weiland weg wie warme Semmeln.

In der Macwelt 8/2001, erhältlich ab 4. Juli, erfahren Sie mehr zu Apples Plänen. Macwelt berichtet zudem am 18. Juli live von der Keynote unter www.macwelt.de

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