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Neues aus dem iTunes Store: Mika (Live)

21.08.2007 | 16:26 Uhr |

Stars live im kleinen Club – im Juli hat Apple in London das iTunes Festival veranstaltet. An 31 Tagen gaben sich mehr als 60 Bands und Solo-Künstler im Institute of Contemporary Arts (ICA) die Klinke in die Hand. Die Resultate der Live-Sessions sind exklusiv im iTunes Store zu erwerben. Wir haben in den Mitschnitt des ersten Auftritts reingehört – Mika.

iTunes Festival Mika
Vergrößern iTunes Festival Mika

Freitag, 9. Februar 2007. Das sonst eher beschauliche ZDF-Kulturmagazin „aspekte“, am Freitag nach dem oder den Krimis zwischen dem „heute journal“ und Kerners Kochsendung eingeklemmt und zu oft so spät gesendet, dass das Wachbleiben schwer fällt, wartet mit einer „Popsensation“ auf. Kaum hat Wolfgang Herles den Beitrag anmoderiert, ist alle Müdigkeit verflogen.

Im Libanon als Sohn eines Amerikaners und einer Libanesin geboren und vor dem Bürgerkrieg erst nach Paris und dann nach London geflohen, verlernt der kleine Mika traumatisiert zeitweise das Lesen, Sprechen und Schreiben. Der Mutter fällt jedoch das enorme musikalische Talent des damals 9- und heute 24-Jährigen auf, mit Musik überwindet er sein Trauma. Die Geschichte klingt fast wie die aus der legendären Rock-Oper „Tommy“ von „The Who“, mit dem wesentlichen Unterschied, dass sie wahr ist.

Zur Oper neigt auch Mika, der anders als die meisten Pop-Sänger eine klassische Gesangsausbildung genossen hat. Was man gleich hört: Den Beitrag untermalen Takte des im Februar noch kaum gehörten Radio-Hits „Grace Kelly“, der klingt, als würden Queen, die Scissor Sisters, Elton John und die Bee Gees gemeinsam einen draufmachen. Bei allem Respekt aber vor Freddie Mercury, Robin Gibb und dem Scissor-Sisters-Sänger Jason Sellards, Mikas (bürgerlicher Name: Michael Holbrook Penniman) Stimmumfang ist weiter, seine Präzision in allen Stimmlagen beeindruckend. Kein Gefistel in extremen Höhen, keine Intonationsschwächen bei Mitten und Bässen. Schön, dass der iTunes Store das bald darauf erscheinende Debüt-Album „Life in Cartoon Motion“ zeitgleich mit dem CD-Handel anbietet. „Grace Kelly“, „Lollipop“, „Relax, Take it Easy“ oder „Billy Brown“ waren unser Soundtrack des Frühlings. „Life in Cartooon Motion“ klingt auch beim zigsten Hören noch inspirierend und hat keine Schwächen, allenfalls die eines jeden Debütalbums: Die Songs zeigen großen stilistischen Variantenreichtum, die einheitliche Linie geht ein wenig verloren.

Mika , dessen Songs im Internet populär wurden, bevor Universal ihn unter Vertrag nahm, machte beim einmonatigen iTunes-Festival in London den Anfang. Nicht schlecht für einen Aufsteiger, illustre Gäste wie Paul McCartney, Crowded House oder Travis sollten noch folgen.

Das iTunes-Festival ist das Gegenteil eines Sommer-Open-Airs, bei dem wenige Bands vor einem derart großen Publikum auftreten, dass die Beschallung zur kaum lösbaren Aufgabe wird. Nur rund 350 Zuhörer waren bei den Konzerten zugegen, kaufen konnte man die Eintrittskarten nicht, sondern nur über die Website gewinnen. Vor großem Publikum dürfen sich jedoch die Mitschnitte beweisen, die Apple über den iTunes Music Store bereitstellt . Im Falle von iTunes Festival: London Mika (Live) , wie die Sammlung von neun Songs offiziell heißt, geht das Konzept auf: Der Sound ist astrein und fällt gegenüber der Studioproduktion von „Life in Cartoon Motion“ nicht ab. Daran haben aber auch hervorragende Musiker ihren Anteil, Mika selbst beweist, dass seine Stimme auch in Live-Situationen den hohen Anforderungen der Komposition stand hält, sein präzises und schwungvolles Klavierspiel tut ein Übriges. Die Band hält sich meist genau an die Vorlage der Arrangements, nur selten lässt sie ihre Spielfreude aufblitzen. Überraschend streuen Mika und Kollegen eine Cover-Version unter ihr eigenes Repertoire: Der Eurythmics-Klassiker „Sweet Dreams“ gefällt mit hoher Werktreue – Mikas Stimme verpasst dem Cover noch einen letzten Kick, auf den Annie Lennox und Dave Stewart zweifellos stolz sein dürften.

Das iTunes Festivals will der iTunes Store auch in anderen Städten etablieren. Wenn Mika wieder unter den Acts ist, bewerben wir uns für Karten...

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