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Neues aus dem iTunes Store: Prince – Planet Earth

04.09.2007 | 14:31 Uhr |

Erst seit sieben Jahren darf Prince wieder „Prince“ heißen. „Comeback vollendet“ meint der iTunes Store zu Princes drittem Album nach der Rückbenennung. Wir haben reingehört.

Prince - Planet Earth
Vergrößern Prince - Planet Earth
Das Album ohne Namen mit dem Symbol des Künstlers ohne Namen.
Vergrößern Das Album ohne Namen mit dem Symbol des Künstlers ohne Namen.

„All over the world they call me Prince, but you can call me Mr. Goodnight“: Seinen eigenen Namen darf er ja wieder über einen lasziven und schmeichelnden Soul-Groove mit öffnender und schließender Hi-Hat sowie einem über die Snare gelegten Stick sprechsingen, „The Artist, Formerly Known As „The Artist Formerly Known As Prince“, Now Known As Prince Again“, also kurz: TAFKATAFKAPNKAPA. Nennen wir ihn besser nur noch „Prince“, wie es laut dem sechsten Track seines 26sten Studioalbums ohnehin überall auf der Welt der Fall ist, oder auch gerne nach seinem bürgerlichen Namen Prince Roger Nelson. Mr. Nelson, der sich wegen eines Rechtsstreits mit dem Musikriesen Warner zwischen 1992 und 2000 nur mit einem Symbol bezeichnen ließ, das hier im Fließtext darzustellen leider die Möglichkeiten unseres Redaktionssystems sprengt (dann packen wir es halt in die Randspalte!), hat ein Album hingelegt, das einem Profit orientierten Unternehmen wie Time Warner sicher gut gefallen würde. So freut sich halt jetzt Sony BMG.

Die Zeiten, in denen sich Prince nicht um den Massengeschmack und Verträge mit seiner Plattenfirma scherte, sind anscheinend vorbei. „ Planet Earth “ ist nicht nur Name, sondern Programm. Schon das Cover ziert ein zärtlich um den Planeten besorgter Prince, der sein „Love-Symbol“ über einem weit geöffneten Hemd trägt. Es sei hier nicht verschwiegen, dass das zu Sony BMG gehörende Label Smi Col die CD mit einem Wackelbild ausliefert, das je nach Blickwinkel entweder den Meister selbst oder zwei Zeugen Jehovas beim sorgenvollen Betrachten des Planeten zeigt. Die CD kommt mit umfangreichen Hochglanzbooklet (leider ohne Texte) und eingeschweißt daher, was prompt Kritik zur Folge hat: Wie kann man eine derartige Umweltsünde begehen und im Titelsong schmachten „50 years from now what will they say about us here? Did we care for the water and the fragile atmosphere?“ Ökologisch etwas korrekter haben wir in der Hoffnung, das unser Provider und der iTunes Store in ihren Rechenzentren CO 2 - und KKW-freien Strom einsetzen, das Album digital bezogen.

Nicht erst seit „Live Earth“ sind grüne Themen populär, Popstars können nicht umhin, Bekenntnisse zur Umwelt abzulegen. Auch wenn man sich manchmal fragt, wie glaubwürdig die Boten sind und die Botschaft nur aus Gründen der Vermarktbarkeit an den Hörer gelangt, es gibt schlimmere, banalere oder unverständlichere Botschaften, die populäre Musik transportiert. Obwohl wir es schon tausende Male gehört haben, man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass wir auf unsere fragile aber bequeme Heimat in einem kalten und schier unendlichen Universum allmählich ein bisschen besser aufpassen sollten. Und musikalisch anspruchsvoller als das Oscar prämierte „ I Need To Wake Up “ von der dennoch hoch geschätzten Melissa Etheridge ist „Planet Earth“ alle Mal.

Insgesamt ist Prince eine ansprechende Mischung von Songs gelungen, die meisten sind Radio kompatibel und nicht weit weg vom Mainstream: Angefangen von der schon Mitte Juli ausgekoppelten Single „ Guitar “ – eine solide Rocknummer mit leicht debilem Text („Du weißt, Bay, ich liebe dich. Aber nicht so wie meine Gitarre!“), in der der Gitarrezwerg aus Minnesota (Im Ernst! So nannte ihn der Spiegel in den frühen Achtzigern einmal!) sein ganzes instrumentales Können zeigt – über die erwähnte groovende Ballade „ Mr. Goodnight “ und dem Disko-Stampfer „ Chelsea Rogers “ bis hin zum poppig-funkigem „ Resolution “, dessen ernster Text „The main problem with war is that nobody ever wins“) nicht wirklich mit der fröhlich-beschwingten Musik Hand in Hand geht.

Hat Prince seine Komplexität geopfert, um dem Publikum wieder zu gefallen, nachdem er – nicht zuletzt wegen der Vertragsquerelen mit Warner – Mitte der Neunziger weg vom Fenster war? Vielleicht, aber „Planet Earth“ sticht dennoch aus der Masse heraus, die Sony BMG die anderen großen Plattenfirmen sonst so veröffentlichen. Und wir wollen nicht vergessen, was aus so manch anderem Top-Act aus der Black-Music-Szene der späten Siebziger und frühen Achtziger geworden ist. Michael Jackson ist dem Mainstream so nahe gekommen, dass dieser ihn in seinen gurgelnden Fluten mitgerissen hat. Vom einstigen „King of Pop“ bleibt nur eine matte Erinnerung und ein paar unsterbliche Klassiker wie „ Can You Feel It? “ (damals noch mit Brüdern) oder „ Billie Jean “ und „ Thriller “. Im Vergleich dazu ist sich Prince bei weitem treuer geblieben. Und einen Knaller wie „ Purple Rain “ nimmt man wohl nur einmal im Leben auf, obwohl er auch bei „Planet Earth“ Unterstützung einiger Mitglieder seiner Begleitband „The Revolution“ hatte. Unsere Empfehlung: Prince ist ein absolutes „Muss“, „Planet Earth“ aber nur ein „Soll“.

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