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Newer streicht die Segel

03.01.2001 | 00:00 Uhr |

Newer Technology ist Pleite, den Kuchen des Prozessorupgrade-Markts teilen sich nur noch eine Hand voll Firmen. Wer ein Produkt von Newer Technology hat, steht nun im Regen

München/Macwelt - Zum zweiten Mal in der Firmengeschichte von Newer Technology musste das Unternehmen Ende vergangenen Jahres einen Konkursantrag stellen. In der Zwischenzeit legte das Unternehmen auch sein operatives Geschäft auf Eis. Selbst die Internetseite www.newertech.com ist nicht mehr zu erreichen. Somit bietet Newer Technology derzeit keinerlei Support für seine Kunden an. Ob sich das in Zukunft ändern wird, ist ungewiss.

Noch vor einigen Wochen wiesen die Verantwortlichen des Herstellers von Mac-Upgrades und Peripherie noch Gerüchte über eine mögiche Schließung weit von sich. Nur drei Wochen später, erhielten alle 40 Beschäftigten, Berichten des US-amerikanischen Nachrichtenmagazins Macweek zu folge, eine entsprechende Information über das bevorstehenden Konkursverfahren und eine Kündigung. Das Schreiben bat die Mitarbeiter, noch in dieser Woche ihre persönlichen Gegenstände aus den Geschäftsräumen abzuholen . Ebenso soll die Lohnzahlung noch zwei Wochen nach Konkursantrag fortgesetzt werden. Gründe für die Firmenschließung gab Newer in seinem Schreib nicht an, sie erklärte lediglich, dass die Aktionärsversammlung am 8. Januar dem Konkursantrag noch zustimmen muss. Der ehemalige Vize Präsident von Newer, Roger Karsten, kommentierte das Ereignis mit tiefstem Bedauern, besonders da die Firma schon länger gegen seine Finanzschwierigkeiten ankämpfte. Sämtliche Verhandlungen bezüglich einer Übernahme des angeschlagenen Unternehmens durch andere Upgrade-Hersteller waren nach Aussagen der Geschäftsführung fehlgeschlagen. Für den Konkurs macht die Firmenleitung den großen Wettbewerbsdruck und die schlechte Liquidität des Unternehmens verantwortlich, gesteht aber auch Fehlentscheidungen im Management ein.

Ein langer Weg zum Ende. Seit der Firmengründung im Jahre 1984 hatte das Unternehmen immer wieder mit Ertragsdefiziten, starkem Konkurrenzdruck und der damaligen Stagnation auf dem Mac-Markt zu kämpfen. Das Unternehmen brachte besonders im Bereich Prozessoren-Upgrades für den Macintosh Innovationen auf den Markt. So entwickelte Newer die ersten G3-Karten für die Power Mac Serien 6100, 7100 und 8100 und für den iMac. Nach einem Tief Anfang des Jahres 1999 stand das Unternehmen schon mal am Rande eines Konkursverfahrens. Der angehäufte Schuldenberg von über 14 Millionen US-Dollar hatte beinahe eine Zahlungsunfähigkeit zur Folge. Nur eine damalige Investition von Tri-M Technologies aus Singapore konnte Newer vor einem Aus bewahren. Eine Übernahme des Vertriebsbereiches durch das asiatische Unternehmen führte leider nicht zu dem erhofften Erfolg. Die lokalen Vertriebserfahrungen des neuen Geschäftspartners ließen sich nicht auf den nordamerikanischen Markt projezieren. Auch die Entwicklung von neuen Produkten, waren nach Aussagen von Newer, angesichts der schlechten Kapitallage nicht mehr möglich. So blieb dem Unternehmen eine Beteiligung am Peripherie-Markt für Firewire- und USB-Geräte verschlossen. Die Erschließung von neuen Finanzkanälen wäre aber nach Ansicht der Geschäftsführung zwingend notwendig gewesen, um Newer weiter das Fortbestehen zu sichern. Das beantragte Konkursverfahren steht nun am Ende eines langen Weges durch Firmenkrisen und Kapitalengpässe. mh

Kommentar von Macwelt-Redakteur Markus Schelhorn:

Kommentar

Verlust für den Upgrade-Markt

Das Geschäft der Beschleunigerkarten lohnt sich anscheinend nicht. Auch der Versuch, mit USB- und Firewire-Peripherie mehr Geld in die Kasse zu bringen, scheiterte für Newer Technology. Schade, dass diese Firma nun Segel streichen musste. Auch wenn die von Newer angebotenen Prozessorkarten teurer als jene der Konkurrenz waren, die Qualität überzeugte mich stets. Nun sind nicht mehr viele Prozessorkartenhersteller im Rennen. Sonnet, XLR8, Metabox und Powerlogix teilen sich jetzt den Kuchen. Bleibt nur zu hoffen, dass keiner dieser Firmen die Luft ausgeht - Metabox hatte ja auch schon manche Krise zu meistern. Sonst hat man bald keine Alternative mehr zu einem neuen Rechner. Für den Kunden bringt die Newer-Pleite keine Vorteile: Der Qualitätsstandard der Prozessor-Upgrades könnte sinken, die Preise werden vermutlich steigen. Es bleibt abzuwarten, ob der Konkurrenzkampf groß genug ist, damit das nicht passiert.

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