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Nicht jedes Wi-Fi ist ein Airport

10.02.2003 | 10:53 Uhr |

Zwar hat Apple mit den kompatiblen Standards IEEE 802.11b und g ein schlüssiges drahtloses Konzept, ein Standard-Wirrwarr gefährdet jedoch den Erfolg des drahtlosen Internet

Kaum eine Technologie-Innovation hat sich so schnell durchgesetzt wie die drahtlosen Computernetzwerke. Mobile Datenreisende können sich fernab vom Büro ohne eine Kabelverbindung über ein Wireless Local Area Network (WLAN) ins Internet einwählen - egal ob sie nun mit dem Laptop auf der Elbterrasse des Hamburger Restaurants AuQuai, in der Wartehalle des Flughafens Münster/Osnabrück oder im Starbucks Coffee Shop in den Hackeschen Höfen in Berlin sitzen. Und selbst über den Wolken ist das WLAN-Zeitalter angebrochen. Die Lufthansa testet zur Zeit auf der Strecke nach Washington eine Internet-Verbindung an Bord, bei der Leih-Laptops in der Kabine drahtlos via WLAN ans Netzwerk angeschlossen sind.

Im vergangenen Jahr gaben Unternehmen und Privatleute rund 1,7 Milliarden Euro für WLAN-Geräte aus, berechnete das US- Marktforschungsinstitut Gartner. Bislang findet man die öffentlichen Zugangspunkte vor allem an Flughäfen oder in Hotels und Restaurants. Bis zum Jahr 2006 soll es allein in den USA rund 90 000 Hotspots geben. Zu diesem Zeitpunkt werden nach Angaben von Gartner knapp 100 Millionen Computer-Anwender drahtlose Netzwerkverbindungen nutzen. Die Erfolgsgeschichte der drahtlosen Netzwerke steht aber auf einem wackeligen Fundament. Weil die drahtlosen Netzwerk-Verbindungen künftig technisch verbessert und auch kommerziell angeboten werden sollen, droht den Anwendern ein Technik-Wirrwarr, das vielleicht nur noch wenige Experten durchschauen werden. Bislang beruhen fast alle WLAN-Lösungen auf dem technischen Standard IEEE 802.11b, der unter dem eingängigen Kürzel Wi-Fi (Wireless Fidelity) vermarktet wird. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit von elf Megabit pro Sekunde erscheint jedoch vielen in der Industrie als zu langsam, da hoch auflösende Multimedia-Anwendungen noch mehr Bandbreit benötigen.

Daher arbeiten etliche Anbieter wie Intel an schnelleren Wi-Fi-Lösungen, etwa dem Standard IEEE 802.11a. Die A-Variante von Wi-Fi verspricht eine Maximalgeschwindigkeit von 54 Megabit pro Sekunde und bietet deutlich mehr verfügbare Funkkanäle als andere Wi-Fi-Verfahren. Leider nutzt die A-Variante aber mit dem 5-Gigahertz- Funkspektrum einen völlig anderen Frequenzbereich als der bislang übliche 802.11b-Standard. Nicht nur Apple versucht deshalb sein Glück mit 802.11g, die ebenso Datenübertragungsraten von 54 Mbps verspricht und zum eingeführten Airport-Standard 802.11b abwärts kompatibel ist.

Außerhalb der Mac-Welt müssen Käufer von Wi-Fi-Lösungen sich also künftig gut beraten lassen, damit sie problemlos ohne Draht kommunizieren können, besonders in heterogenen Umgebungen. "Der Ausbau von WLAN-Netzwerken wird vielen noch dicke Kopfschmerzen bereiten", sagte Sarah Kim, Analystin der Yankee Group. Die bislang definierten Wi-Fi-Standards sind unter Umständen nicht untereinander kompatibel. Außerdem haben die Wi-Fi-Gremien noch keine Details für eine mögliche Abrechnung der drahtlosen Datenverbindung definiert. Bei den Mobilfunkstandards GSM oder UMTS werden die Verbindungskosten über eine Chipkarte des Providers (SIM- Karte) über die Telefonrechnung abgerechnet. Bei den kommerziellen Hotspots müssen die Anwender häufig eine Kreditkartennummer angeben, wenn sie eine Verbindung aufbauen wollen. Davor schrecken aber viele Kunden zurück. Kunden von T-Mobile können sich per SMS ein Zugangspasswort für einen zeitlich befristeten Zugang an den Hotspots der Telekom an Flughäfen und in Hotels zuschicken lassen. Hier landen dann die Abrechnungsdaten auf der Telefonrechnung, doch richtig bequem erscheint dieses Verfahren auch nicht. "In einer nächsten Generation von Wi-Fi-Karten steckt eventuell ein Abrechnungschip gleich drin, so dass die Abrechnung der Verbindung dann wirklich einfach erfolgen könnte", stellt Intel-Sprecher Hans-Jürgen Werner in Aussicht. dpa/pm

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