894946

Nichts als heiße Luft?

18.12.2002 | 13:20 Uhr |

Unter den Anwendern haben die aktuellen Power Macs mit Dualprozessor den Beinamen "Windtunnel". Mittlerweile machen unzufriedene Apple-Kunden selber mächtig Wind.

München/Macwelt - Macs sind nicht nur langsam, sondern mittlerweile auch laut. Deshalb sitzt Apple schon seit längerem in der Zwickmühle. Die Idee, den Gigahertz-Vorsprung der Intel-Konkurrenz mit zwei PowerPC-Chips aufzuholen, hat man sich in Cupertino nämlich selbst versalzen. Waren schon die Lüfter des im Januar vorgestellten Vorgängermodell mächtig laut, übertrumpfen die Lüfter der aktuellen Doppelhertz-Macs den Lärmpegel locker. Seit der Auslieferung der ersten Quicksilver mit verspiegelter Front war in der Mac-Gemeinde nicht mehr nur die Leistungsfähigkeit der Dual-Macs gegenüber schnellen PCs das Thema, sondern vor allem die lärmenden Lüfter der Rechner.
Die Enttäuschung über die "lautesten Macs aller Zeiten", ist in zahlreichen Foren dokumentiert. In den Discussion-Boards finden sich Threads mit bis zu 250 Einträgen verärgerter Apple-Kunden, die zum Teil mit Fallnummern ihrer Support-Fälle ihrem Frust über die lauten Macs Luft machen. Doch damit nicht genug, mittlerweile hat sich bei Yahoo eine Gruppe formier t, die konkrete Abhilfe von Apple fordert. Direkt von dort gelangt man auch auf die Domain www.g4noise.com, die von der Umbauanleitung bis zu den jüngsten Neuigkeiten alles zu bieten hat.

Selber machen


Anders als im Vorgänger-Quicksilver, der letztlich "nur" laute Lüfter verbaut hatte, weisen die aktuellen Macs einen Konstruktionsfehler auf: Von den vier verbauten Lüftern, ist nur einer so angebracht, dass er warme Luft aus dem Gehäuse ansaugt und aus dem Gehäuse bläst - nämlich der an den optischen Laufwerken. Die beiden Netzteil-Lüfter sind dagegen so angebracht, dass sie Luft durch das Netzteil hindurch blasen müssen und erst am Ende - sofern die Leistung der Lüfter ausreicht - die aufgewärmte Luft durch den Sieb auf der Gehäuserückseite strömen lässt. Die größte Lärmquelle jedoch ist der Lüfter im Inneren des Gehäuses. Er soll die Luft zwischen den mächtigen Kühlrippen der Prozessoren nach hinten durchblasen. Da auch dieser Lüfter nicht die warme Luft ansaugt, um sie durch die perforierte Rückseite des Gehäuses zu blasen, sondern mitten im Gehäuse sitzt, muss er eine enorme Leistung mitbringen. Hier liegt die eigentliche Krux. Jeder Austauschlüfter muss vergleichbar stark sein, um eine entsprechende Kühlung erzielen zu können. Deshalb sind nicht die Lüfter, sonder die Konstruktion des Gehäuses samt Lüfter das eigentliche Problem.

Anleitung im Netz


Dennoch haben zahlreiche Anwender Anleitungen ins Netz gestellt und ihre Selbsthilfe-Maßnahmen dokumentiert. Eine der ersten Anleitungen zeigt, wie man die Lüfter der Netzteile austauschen kann. Hier findet sich auch eine URL auf die technischen Spezifikationen der betreffenden Lüfter . Auch Händler wie etwa Cancom reagierten mit einem 150 Euro teuren Umbauset für Neubestellungen, beziehungsweise 200 Euro für das Nachrüsten bestehender Rechner. Ein Komplettset neuer Lüfter bietet etwa auch Peanut IT für 75 Euro. Ein Praxistest im Testlabor der Macwelt hat allerdings gezeigt, dass der Umbau nur subjektiv den Geräuschpegel dämpfen kann. Die Pabst-Lüfter verlagern das relativ hohe Sirren der Lüfter in etwas niedrigere Frequenzbereich und lassen den Betrieb der Lüfter dadurch nur angenehmer erscheinen. Der Lärmpegel bleibt in etwa gleich.

Radikalere Maßnahmen


Wem deshalb die etwas leiseren Lüfter noch nicht genügen, findet weitere Anleitungen , um mit Klebestreifen Vibrationen im Gehäuse abzufangen und dadurch den Lärm weiter zu dämpfen. Einen radikaleren Weg, der richtig Hand am Gehäuse anlegen lässt , setzt entsprechend an der mangelhaften Konstruktion an.

Insgesamt verwundert es aber, warum der Lüfterbetrieb unter Mac-OS 9 weit stärker und heftiger ist, als unter Mac-OS X. Selbst das jüngst angebotene Firmware-Update bringt nur marginale Besserung. In zwei von uns getesteten Modellen laufen die Lüfter unter Mac-OS 9 permanent hoch, um sich dann schrittweise zu verlangsamen und kurz vor dem Stoppen wieder auf volle Drehzahl zu schalten. Damit wird die Arbeit mit den Desktop-Computern auf dem Schreibtisch zur Qual für die Ohren. Professionelle Audio-Anwender können damit überhaupt nicht arbeiten.

Fazit


Wir dürfen gespannt sein, was Apple unternimmt, um seinen unzufriedenen Kunden eine adäquate Lösung zu bieten. Auf diese Art und Weise lässt sich jedenfalls die Gigahertz-Lücke nicht schließen. Mit der bestehenden Rechnerarchitektur hat sich Apple ein echtes Eigentor geschossen. erste Petitionen von zornigen Anwendern fordern Apple auf, die Situation zu entschärfen.

Christian Rüb

0 Kommentare zu diesem Artikel
894946