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Nichts ist umsonst - und nicht alles gratis

10.04.2002 | 13:15 Uhr |

Bei immer mehr Anbietern bekommen Internet-Surfer Extras nur noch gegen Geld. Nur das Grundangebot bleibt kostenlos.

Immer noch (fast) kostenlos im Internet: Tausende von Zeitungen und Radiosendern, Fernsehstationen und Magazinen, ohne Zusatzkosten - abgesehen von den üblichen Telefon- und Onlinegebühren. Ähnlich günstig ist für Millionen von Internet- Nutzern auch nach wie vor ein Service wie E-Mail. Aber immer mehr Anbieter wollen nun aus ihren Angeboten Kapital schlagen. Besonders dringend wurde die Suche nach dem Profit, seitdem die Werbeeinnahmen der Websites sinken. Not macht erfinderisch: Im Internet wächst die Zahl der Sites, die mit kostenlosen Angeboten bekannt wurden und nun auf Gewinnkurs gehen wollen.

"Dankeschön dafür, dass Sie CNN.com-Video gewählt haben, das jetzt nur mit einem Abonnement erhältlich ist." Mit dieser Botschaft überrascht der Nachrichtensender CNN seine Online-Fans, die neuerdings nur noch nach Zahlung einer Monatsgebühr auf die Video- Bibliothek des Senders zurückgreifen können. So geht auch der US- Fernsehsender ABC vor, dessen Videoclips genau wie auch das CNN- Material nur im Abo-Service RealOne Superpass von RealNetworks zu empfangen sind, zum Monatspreis von zehn Dollar (11,41 Euro).

Immer noch kostenlos ist bei CNN, ABC und vielen anderen Online- Anbietern mit kostenpflichtigen Programmelementen das Textangebot. Und das soll auch so bleiben, denn die Websurfer sollen nicht verprellt werden. "Unser Angebot an harten Nachrichten muss gebührenfrei bleiben", sagt Larry Kramer, ein Programmdirektor beim Sender CBS. Er trat unlängst zusammen mit anderen Medienvertretern in New York bei einem Forum der Marktforschungsfirma Jupiter Media Metrix auf.

Einnahmen verspricht man sich mit Zusatzangeboten, dem Videoarchiv bei Fernsehsendern also, und dem umfassenden Textarchiv bei Zeitungen und Magazinen. Aber für den Zugang zum Grundangebot der Medien- Websites soll zumindest vorläufig keine Gebühr erhoben werden, darin war man sich in New York einig: "Wir werden dies so bald nicht tun", versprach Donald Graham vom Vorstand der Tageszeitung "Washington Post". Damit bleibt die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" (WSJ) mit ihrem grundsätzlich kostenpflichtigen Programm die Ausnahme. "Es wird immer kostenlosen Wettbewerb bei den Nachrichten geben", sagt Neil Budde, der Herausgeber der "WSJ"-Onlineausgabe.

Nicht nur die Medienanbieter nutzen nun zunehmend ihr Grundangebot als Lockvogel für Nutzer, denen dann gebührenpflichtige Extras angeboten werden. Der Umstieg zum Mischmodell aus kostenlosen und kostenpflichtigen Elementen findet auch bei Anbietern statt, die mit völlig gebührenfreiem Service ungeheuer populär wurden. 110 Millionen registrierte Nutzer hat der von Microsoft angebotene E-Mail-Dienst Hotmail, der nun für ein erweitertes Angebot 20 Dollar pro Jahr verlangt. Für diese Summe gibt es einen Speicherplatz von 10 Megabyte (MB), nur 2 MB erhalten Nutzer, die nach wie vor Hotmail ausschließlich als kostenlosen Service nutzen wollen.

Beim Konkurrenten Yahoo ist das E-Mail-Konto nach wie vor grundsätzlich kostenlos. Aber auch dort sind neuerdings kostenpflichtige Service-Erweiterungen im Angebot. Für die automatische Weiterleitung von E-Mail aus dem dem Yahoo-Postfach in die Postfächer anderer Anbieter müssen Yahoo-Nutzer 20 Dollar pro Jahr zahlen, die Gebühr soll schon bald auf 30 Dollar erhöht werden. Yahoo erprobt zur Zeit auch andere Einnahmequellen: Im Bereich der Online-Spiele wird für eine Monatsgebühr von acht Dollar der Service erweitert. Und die Betreiber von Websites des Yahoo-Netzwerks GeoCities sollen größere Speicherplätze erhalten, bis zu 100 MB zum Monatspreis von 20 Dollar. dpa

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