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Nokia immer mehr unter Druck

16.04.2004 | 15:55 Uhr |

Der weltweit führende Handyhersteller Nokia gerät nach dem schwachen ersten Quartal 2004 mit Gewinn- und Umsatzrückgängen sowie rückläufigen Marktanteilen immer mehr unter Druck.

Wie Konzernchef Jorma Ollila am Freitag in Helsinki ankündigte, müsse auch bis Juni weiter mit einem stagnierenden oder sogar sinkenden Umsatz sowie Gewinneinbußen gerechnet werden. Der Aktienkurs brach nach Veröffentlichung der Quartalszahlen bis zum Nachmittag um 9,2 Prozent auf 12,27 Euro ein.


Der Nettogewinn schrumpfte binnen Jahresfrist um 16 Prozent von 977 auf 816 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 2 Prozent von 6,8 auf 6,6 Milliarden Euro zurück. Ollila räumte ein, dass Nokia bei der kräftigen Aufwärtsentwicklung der Gesamtbranche Marktanteile verloren habe. Bei einem durchschnittlichen Plus von 29 Prozent für alle Handy-Hersteller sei die Entwicklung im eigenen Unternehmen enttäuschend verlaufen. Nokia hatte erst vor anderthalb Wochen überraschend eine Umsatzwarnung veröffentlicht und die frühere Erwartung eines Umsatzwachstums von 3 bis 7 Prozent durch die Ankündigung eines Rückgangs von etwa 2 Prozent ersetzt.
Im Gefolge stürzte der Aktienkurs um fast 20 Prozent ab. Zwei namhafte US-Anlageberater kündigten Gerichtsklagen gegen das Nokia- Management wegen Täuschung der Aktionäre an. Die Konzernzentrale in Helsinki musste Anfang dieser Woche auch Fehlschläge bei der Einführung des Spielkonsolen-Handys H-Gage einräumen.


Bei Handys allein verzeichnete Nokia einen Umsatzrückgang um 15 Prozent. Als wichtigsten Grund dafür sehen Marktbeobachter eine nicht mehr erfolgreiche Modellpolitik der Finnen im Konkurrenzkampf mit zuletzt äußerst erfolgreichen Anbietern wie Sony Ericsson, Samsung und Siemens. Dabei konnten die japanisch-schwedische Zusammenarbeit von Sony und Ericsson sowie der südkoreanische Samsungs-Konzern vor allem Marktanteile bei hochwertigen Handys erobern, während Siemens Nokia erfolgreich Paroli bei billigeren Modellen bot.
«Wir wollen in der nahen Zukunft auf jeden Fall unseren derzeitigen Marktanteil von 35 Prozent halten», sagte Ollila dazu dem TV-Sender CNBC. Langfristig halte Nokia aber am Ziel fest, weltweit 40 Prozent des Handy-Absatzes zu erobern. Ollila verwies auch auf die nach wie vor «wirklich sehr gute Ertragslage» seines Unternehmens. Positiv hob er ein Plus von 16 Prozent beim Absatz von Mobilsystemen heraus, die jahrelang als Sorgenkind der Branche galten. Mit 182 Millionen Euro fiel hier auch der Gewinn höher aus als erwartet.

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