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OS X 2014: Die Zukunft ist flach

09.01.2014 | 11:26 Uhr |

Mit Mavericks hat Apple einen weiteren, wenn auch nicht allzu großen Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung von OS X und iOS getan. Der Nachfolger mit dem Codenamen „Syrah“ könnte sich schon bald zeigen.

Craig Federighi, Apples Software-Chef, moderierte gerade die Vorstellung des neuen OS X an, als er mit Blick auf die bisherige Raubkatzen-Nomenklatur den Lacher des Abends präsentierte: Ein großer Seelöwe blickt die anwesenden Entwickler an, darunter die Zeile: OS X Sea Lion. Ein Namensvorschlag für OS X, der bei den Zuhörern gut ankam und zeigt, dass sich Apple auch gerne mal selbst auf die Schippe nimmt. Mit OS X Mavericks, das Federighi direkt nach seiner kleinen Stand-Up-Einlage präsentierte, hat Apple Wort gehalten und die jährliche Erscheinungsweise fortgesetzt. Dabei ist der Trend klar: Apples Desktop-Betriebssystem und sein mobiles Pendant iOS wachsen nicht zuletzt dank des Ausbaus von iCloud weiter zusammen. Mit Mavericks und seinen Leistungsverbesserungen im Hintergrund hat Apple schon jetzt den Grundstein für die zukünftigen Versionen von OS X gelegt. Ein Fundament, auf dem sich im Jahr 2014 aufbauen lässt.

OS X: Trends 2014

Diese Optimierungen stehen an:

OS X: Bearbeitungs-/ Verwaltungsfunktion in iBooks, Komfortverbesserungen für Finder-Tags

iCloud: mehr Speicher, echter Bücher-Sync, Time Machine für iCloud, bessere Integration von iLife in iCloud

iLife: bessere Sync-Möglichkeiten zwischen den iOS- und OS-X-Apps

iWork: gestrichene Funktionen der Vorgängerversion zurück

Zwischenschritt am Surfspot

Mac App Store, Launchpad, Mitteilungszentrale: Seit Apple mit Lion angekündigt hat, iOS-Features „Back to the Mac“ zu bringen, nähern sich iOS und OS X mit jeder Inkarnation ein Stückchen weiter an. Zuletzt setzte Mavericks mit den Apps iBooks und Karten die Reihe fort. Neben den beiden neuen Apps hat Apple mit Mavericks vor allem an den Innereien des OS-X-Codes gearbeitet und den Fokus auf Leistungsverbesserungen gelegt. Bahnbrechende neue Design-Ideen blieben dagegen aus. Der Grund: Apple hat seine Ressourcen in iOS 7 gebündelt und damit der mobilen Plattform einen Neustart beschert. OS X dagegen wurde mit Mavericks und seinen neuen Funktionen wie App Nap oder Timer Coalescing sachte auf neue Herausforderungen im Jahre 2014 vorbereitet. Insofern erscheint die Design-Inkonsequenz zwischen der flachen, neuen Kalender-App, dem immer noch mit grünem Filz ausgekleideten Gamecenter und dem gegenüber Mountain Lion kaum veränderten User-Interface nachvollziehbar.

Evolution iOS X

Mit dem Zwischenschritt OS X Mavericks und dem radikalen neuen Design von iOS vor Augen stellt sich die Frage: Wann und wie verschmelzen OS X und iOS endgültig? Dank der ohnehin schon sehr engen Bindung der beiden Systeme via iCloud ist die Annäherung bereits in vollem Gange – neue iCloud-Features wie iWork für iCloud oder der iCloud-Schlüsselbund verzahnen iOS und OS X noch enger miteinander. Diese Bindung hat Apple über die letzten Jahre massiv ausgebaut, die Leistung verbessert und neue Sync-Möglichkeiten wie iTunes Match hinzugefügt.

Auch 2014 dürfte iCloud eine wesentliche Rolle in Apples Betriebssys­templänen spielen. Möglichkeiten für Verbesserungen gäbe es jedenfalls genug, beispielsweise beim zur Verfügung gestellten Gratis-Speicher von gerade einmal fünf Gigabyte. Das ist im Vergleich zur Konkurrenz mickrig. Sollte Apple seiner iCloud neue Funktionen spendieren, beispielsweise für Time-Machine-Backups oder ausgelagerte Projektdaten der iLife-Apps, reicht der derzeitige Gratisspeicher bei weitem nicht. Die Ressourcen für ein Upgrade entstehen gerade in Reno, wo Apple ein gigantisches Rechenzentrum baut.

Während Apple über iCloud bereits weit mit der Verschmelzung von iOS und OS X fortgeschritten ist, hinkt die Oberfläche von OS X hinterher. Es kann also gut sein, dass Apple schon 2014 auf der WWDC  eine neu gestaltete, flache Oberfläche für OS X präsentieren wird. In den Serverlogs einiger US-Blogs wie 9to5Mac tauchen bereits erste Zugriffe eines OS X 10.10 auf. Intern soll das neue OS X unter dem Codenamen „Syrah“, einer in Kalifornien beheimateten Rebsorte, entwickelt werden (schon OS X Mavericks trug intern mit „Cabernet“ eine Rebsorte als Codenamen). Mit von der Partie dürfte dann endlich auch Apples Sprachassistent Siri sein, der mit iOS 7 seinen Beta-Status hinter sich gelassen hat. Ebenfalls wünschenswert: Das mit iOS 7 eingeführte Kontrollzentrum als zentrale Anlaufstelle für die Netzwerkfunktionen von OS X.

Wie es mit der WWDC weitergeht

So schnell wie 2013 waren die Tickets für Apples Entwicklerkonferenz WWDC noch nie vergeben – keine drei Minuten vergingen, ehe es „Sold Out“ hieß. Dies gab erneut Anlass zu Spekulationen, ob die WWDC künftig umziehen muss oder ob 2014 die Tickets erstmals verlost werden. Eine seriöse Aussage zur nächsten Entwicklerkonferenz lässt sich noch nicht treffen. Als Ausgleich für die zahlreichen Entwickler ohne Karten hat Apple 2013 in sechs großen Städten so genannte Tech Talks – kleine Entwickler-Konferenzen – abgehalten. Vielleicht ist ein von San Francisco und der WWDC unabhängiger und dezentraler Ausbau der Tech Talks ja ein Zukunftsmodell für 2014. Florian Kurzmaier

Einschätzung: flachgebügelt

Es ist im Grunde alles für eine radikal neu gestaltete Version von OS X vorbereitet: Mit iOS 7 hat Apple sein grundlegendes Software-Design modernisiert, iCloud verfügt mittlerweile über ein sehr umfangreiches Feature-Paket und mit Mavericks hat Apple den Code von OS X einer intensiven, leistungsorientierten Überholung unterzogen. Was noch fehlt, ist der mit Mavericks bereits im Kleinen begonnene Umstieg auf ein flacheres und moderneres Design der Oberfläche – passend zu den beiden anderen Apple-Plattformen iOS und iCloud. Spannend dürfte es auch werden zu erfahren, ob Apple sein in Form von Prime Sense hinzugekauftes Know-How im Bereich der Bewegungssteuerung in OS X einfließen lässt. Die Vorstellung, Spaces durch eine Drehung des Kopfes zu wechseln oder mit den Augen zu Scrollen, hätte Potenzial für das „Next Big Thing“.

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