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Österreich: Aktienmuffel im Visier der Telekom Austria

17.08.2000 | 00:00 Uhr |

Die österreichische Regierung hofft auf einen Aktienboom ähnlich dem Hype um die Telekom-Aktie in Deutschland. Das TA-Papier soll zur "Volksaktie" werden, trotz vieler Vorbehalte gegen den ehemaligen Staatsbetrieb.

Vier Jahre nach dem erfolgreichen Börsengang der
Deutschen Telekom will es Österreich dem großen Nachbarn nachmachen:
Die großteils noch in Staatsbesitz befindliche Telekom Austria (TA)
wird nach den Plänen der Wiener Regierung im Herbst als «Volksaktie»
an die Börse gebracht. Bei den bisher als Aktienmuffel bekannten
Österreichern soll damit endlich das Börsenfieber entfacht werden.

Nur rund sieben Prozent der Österreicher besitzen Aktien oder
Investmentfonds. Die Zahl der Besitzer von Dividendenpapieren soll
durch den TA-Börsengang verdoppelt werden.

Die Eckdaten wie Zeitpunkt und genauer Umfang des auf jeden Fall
größten Börsenganges der österreichischen Geschichte sind zwar noch
nicht bekannt, umso eifriger wird aber schon die Werbetrommel
gerührt. Die Österreicher werden aufgefordert, sich ein so genanntes
«Telekom-Ticket» zu besorgen, das im Falle einer Überzeichnung eine
bevorzugte Aktienzuteilung garantieren soll.

Der Telekom-Börsengang soll an die 40 Milliarden Schilling (rund
5,5 Mrd. Mark) in die Staatskassen spülen und damit den Schuldenabbau
der Staatsholding ÖIAG beschleunigen. 25 bis 30 Prozent des
Aktienkapitals sollen zu diesem Zweck den Anlegern angeboten werden.
Die Republik Österreich hält zur Zeit 74,9 Prozent an der TA. Erst
vor zwei Jahren waren 25,1 Prozent des Unternehmens an die Telecom
Italia verkauft worden.

Bis vor wenigen Jahren hatte die österreichische Telekom nicht
gerade den besten Ruf genossen. Für den einfachen Österreicher, der
keinen Beamten des staatlichen Monopolbetriebs persönlich kannte, war
es ein großes Erfolgserlebnis, einen Telefonanschluss zu erhalten.
Beschwerden über monatelange Wartezeiten waren aussichtslos.

Heute ist es kein Privileg mehr, eine Telefonleitung von der TA zu
bekommen. Der Kundendienst funktioniert und auch in der
Mobiltelefonie ist die Telekom-Tochter Mobilkom Marktführer. Trotzdem
ist der Börsengang der TA nicht unumstritten. Das laufende Jahr wird
dem Unternehmen Verluste bringen, die auf den allgemeinen Preiskampf
im Telekommunikationsbereich sowie auf Sozialpläne zum Abbau von
Beschäftigten zurückgeführt werden. TA-Generaldirektor Heinz Sundt
glaubt trotzdem an einen erfolgreichen Börsengang, da Telekom-Aktien
noch viel Kurspotenzial hätten.

Sundt hatte die Leitung des Unternehmens erst im Frühjahr von
Werner Kasztler übernommen, der aus Protest gegen den seiner Ansicht
nach übereilten Börsengang gemeinsam mit dem gesamten Vorstand
zurückgetreten war. Finanzminister Karl-Heinz Grasser von der
rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) hatte unmittelbar
nach der Bildung der rechtskonservativen Regierung im Februar eine
100-prozentige Privatisierung der Telekom angekündigt.

Die Regierung will auch eine Reihe weiterer staatlicher
Beteiligungen an der Börse zu Geld machen. Ein Erfolg des TA-
Börsengangs ist dafür von größter Bedeutung. Auch der bisher lustlos
dahindümpelnden Wiener Börse soll neues Leben eingehaucht werden. Mit
der Bank Austria, die mit der HypoVereinsbank zusammen gehen will,
soll ja bereits in wenigen Monaten der bisherige Branchenprimus vom
Kurszettel verschwinden.
dpa

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