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Office 2016 in der Praxis - Teil 2: Word 2016

27.08.2015 | 10:30 Uhr |

Bei Microsofts Cloud-Suite Office 365 gibt es viel Licht, aber auch Schatten. In unserem Praxistest muss sich diesmal Word 2016 beweisen.

Fast niemand verschickt noch gedruckte Briefe, und für das Öffnen von Word-Dateien genügt auch Apples Text Edit. Trotzdem ist Microsoft Word noch immer eines der wichtigsten Büro-Programme und in Unternehmen unumgänglich. Für Studenten und Autoren ist und bleibt es der unbestrittene Standard bei längeren Arbeiten. Die aktuelle Version ist ausgereift und für den Alltagseinsatz gut geeignet, bei näherer Betrachtung finden wir aber neben vielen tollen Neuerungen auch einige Schwächen.

Erste Besonderheit von Word 2016: Das Programm läuft in der von uns getesteten Version 15.13.1 nur unter OS X 10.10 problemlos. Nutzer von El Capitan Beta berichten über Abstürze, etwa beim Speichern von Dokumenten. In einem eigenen Test haben wir Probleme das Programm ohne Absturz zu beenden. Bei Erscheinen der nächsten finalen OS X-Version sollten diese Fehler aber behoben sein, Excel und Power Point sind anscheinend nicht betroffen.

Erstmals ist Office 2016 eine echte Cocoa-App, die Vorversion schleppt noch viel Code-Altlasten mit sich herum. Die Integration in OS X ist dadurch deutlich besser, allerdings können wir keine Performance-Verbesserungen feststellen - weder beim Programmstart noch beim Umgang mit großen Dateien, im Gegenteil: Die neue Word-Version fühlt sich insgesamt etwas zäher an. Härtetest war und ist für Word der Umgang mit großen Dokumenten. Ein Dokument mit 218 Seiten öffnet die Textverarbeitung schnell und problemlos, allerdings ist die CPU-Last bei der Navigation durch den Text zu hoch. Diese ist deutlich höher als beim Vorgängerprogramm und vor allem bei der Nutzung von Gesten springt die CPU-Last bei unserem Mac Mini von 2012 zumindest kurz auf 50 bis 60 Prozent.

Das ist besonders bei mobilen Macs ärgerlich, da hier die Akkulaufzeit direkt betroffen ist. Da Word 2016 nur ab OS X 10.10 läuft, wird es außerdem nur selten auf älteren Macs landen. Beim Ändern der Zoomstufe erfolgt die Schriftglättung oft um eine halbe Sekunde verzögert - man kann zusehen, wie sich unscharfe Schrift glättet. In der Praxis ist dies aber ohne Belang und stört nicht bei der Arbeit. So sind die erstmals unterstützen Gesten für Navigation und Textzoom sehr nützlich und ein echter Komfortgewinn. Schade: Gesten einer Magic Mouse werden in der von uns getesteten Version ignoriert.

Einheitliche Oberfläche

Auf allen Plattformen, seien es Mac, PC oder Tablet, soll die Office-Oberfläche einheitlich sein. Bei Word 2016 führt dies dazu, dass die Oberfläche moderner und aufgeräumter wirkt, viele vertraute Funktionen aber an einem anderen Platz zu finden sind. Die Menüleistenfunktionen und Tastenbefehle bleiben identisch, die GUI fordert vom Word-2011-Nutzer jedoch einige Umgewöhnung ab. Optisch macht Word einen guten Eindruck, persönlich bedauern wir aber, dass es sich nun nicht mehr um eine eigenständige Mac-Version handelt. Die Anzahl neuer Funktionen ist eher mager, größter Unterschied ist das überarbeitete Ribbon mit acht statt sieben Registerkarten. Wie zuvor gibt es die Register Start, Überprüfen und Layout, das Register Tabelle bzw. Tabellenentwurf blendet sich jetzt nur bei Bedarf ein. Umdenken müssen wir aber vor allem beim Register „Einfügen“, das nun eine sehr zentrale Funktion hat. Nicht nur Elemente wie Tabellen, Bilder und Smart-Art fügt man damit ein, sondern auch Kopfzeilen, Links und Seitenumbrüche. Wie bei der Vorversion startet dabei eines der optionalen Menüs wie Tabellenentwurf, Kopf- und Fußzeilen. Überraschend ist für viele Anwender allerdings, dass man das Menüband nicht mehr individuell konfigurieren kann. Unter Office 2011 konnte man Registerkarten verschieben und ausblenden. Nun kann man allenfalls das breite Funktionenband als Ganzes deaktivieren. In künftigen Versionen soll Microsoft dies aber noch ändern und mehr Konfigurationsoptionen bieten, so Gerüchte.

Eigentlich keine neue Funktion ist die Seitenleiste „Bild formatieren“. Importiert man eine Bilddatei, blendet sich nicht nur die Registerkarte „Bildformat“ im Funktionenband ein, auf der rechten Dokumentenseite öffnet sich die Seitenleiste „Bild formatieren“. Frei schwebende Paletten wie bei der Vorversion stehen offensichtlich der Einheitlichkeit über alle Plattformen im Weg. Wie in der Windows- und iOS-Version findet man Zusatzfunktionen wie die Recherche- und Bildbearbeitungsfunktionen jetzt in der Seitenleiste. Aufgeräumt hat Microsoft bei den Ansichtsmodi. Statt sieben Ansichtsarten für Dokumente kennt Word nur noch vier: Die Ansichten „Notizblock“, „Veröffentlichungslayout“ und „Fokus“ sind nicht mehr verfügbar. Das ist aber nachvollziehbar, als Notizenprogramm gibt es One Note und statt „Fokus“ unterstützt Word jetzt den Vollbildmodus des Systems. Eine weitere Verbesserung ist der Zugriff auf Online-Vorlagen, man kann per Web auf ein gutes Reservoir an Dokumentvorlagen zugreifen.

Gute Zusammenarbeit

Erfolgreich verbessert hat Microsoft vor allem die Funktionen für Gruppenarbeit: Hantiert man in Word, Excel und Power Point gemeinsam an einem Dokument, sieht man den Namen des anderen Bearbeiters und Änderungen sind in der Randleiste „Prüfen“ aufgelistet. In der Statusleiste wird man außerdem über „Updates“ des Dokuments informiert. Diese Technologie namens „Cobalt“ überwacht per Cloud alle Änderungen und warnt beispielsweise, wenn zwei Personen eine Textstelle gleichzeitig bearbeiten. In unserem Test gleicht das System die Änderungen übrigens nicht in Echtzeit ab, einige Sekunden dauert der Abgleich dann doch. Das gemeinsame Arbeiten funktioniert allerdings nur bei Dokumenten des gleichen One Drive oder Sharepoint-Accounts. Ist man nicht angemeldet, ist die Datei gesperrt und man kann sie nur schreibgeschützt öffnen oder eine Kopie speichern. Immerhin erfährt man im Warnfenster auch den Namen des Bearbeiters. Neu sind so genannten Kommentarthreads. Einen Kommentar eines anderen Benutzers kann man jetzt wie bei einem Chat beantworten und ergänzen. Einzigartig ist diese Funktion allerdings nicht, iWork und Google Cloud bieten ähnliche Funktionen.

Office 2016 für den Mac ist da

Einfache Recherchen

Viel Wert legt Microsoft auf seine neue Recherchefunktion. Während die Vorversion die integrierte Websuche in einer Schwebepalette geradezu versteckte, kann man jetzt Begriffe per Kontextmenü oder Tastenbefehl im Internet nachschlagen. In einer Seitenpalette präsentiert Word dann Suchergebnisse von Wikipedia und Bing. Über Definieren ruft man außerdem Wörterbucheinträge ab. Google steht als Suchmaschine natürlich nicht zur Verfügung, so weit geht Microsofts Offenheit dann doch nicht.

Mit der Cloud verbunden: One Drive oder Sharepoint

Als Standard speichert Word seine Dokumente nicht auf der Mac-Festplatte, sondern im One-Drive-Account des Benutzers. Auch ein Sharepoint-Server, etwa in der Firma, kann als Speicherort ausgewählt werden, andere Anbieter wie iCloud oder Dropbox jedoch nicht. Will man Dateien auf der Mac-Festplatte bearbeiten, muss man eigens die Option „Auf meinem Mac" wählen. Nach Auswählen dieser Option gibt es eine kurze Verzögerung und der herkömmliche Dateiauswahl-Dialog öffnet sich. Will man nur lokale Dateien bearbeiten, kann man sich von dem One-Drive-Konto abmelden und spart sich das „Umschalten“. One Drive bietet viel Speicherplatz und ist zuverlässig, die Performance ist aber nicht optimal. Um ein 150 KB großes Dokument zu laden und öffnen brauchen wir trotz SSD und VDSL-Verbindung knapp zehn Sekunden. Bei kleineren Dateien geht es natürlich deutlich schneller, bei umfangreichen Power Point oder Excel-Dokumenten wird es aber eher lästig. Alternativ zum direkten Zugriff auf die Dateien kann man den One-Drive-Webspeicher mit dem Mac synchronisieren. Per App Store ist dazu für Heimanwender eine eigenständige App verfügbar. Das ist auf Dauer aber nicht gerade übersichtlich und man verliert schnell den Überblick über Dokumentversionen. Vorteil: Per Web-Dienst kann man immer eine alte Version wiederherstellen. Wie in unserem Artikel zu Office-365 angesprochen, wird die automatische Versionierung von OS X nicht unterstützt. Allein deshalb schon ist die Nutzung von One Drive empfehlenswert. Je nach Speicherort gibt es übrigens Unterschiede bei der Anzahl der Dateiformate: Nur beim Speichern auf den Mac kann man ein Dokument als HTML-Datei speichern. Neu ist bei Word 2016 außerdem die Option „Webseite, gefiltert“. Letzteres erzeugt eine HTML-Datei mit wenig Microsoft-Ballast. Die herkömmlichen mit Word erstellten HTML-Seiten sind nämlich von mäßiger HTML-Qualität und können nur mit Mühe weiterverarbeitet werden. Bei der Rechtschreibprüfung stellen wir kleine Verbesserungen fest, das Prüfsystem bemängelt jetzt beispielsweise nicht mehr völlig korrekte Kommasetzungen. Auch das Wörterbuch ist aktualisiert und kennt aktuelle Begriffe wie „Tablet“.

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Ärger mit VBA

Wie bei Excel muss man leider derzeit auf einen echten Visual Basic-Editor verzichten. Sogar unter Office 2011 war die VB-Unterstützung besser, wie viele Nutzer von Word 2016 bemängeln. Leider melden einige Anwender außerdem Kompatibilitätsprobleme mit alten Makros - für die Entwicklung und das Testen von Skripten ist das neue Word 2016 nur begrenzt geeignet. Nutzt man viele Dokumente mit Makros, etwa Firmendokumente, sollte man die alte Version besser noch nicht deinstallieren.

Fazit

Insgesamt macht das neue Word 2016 auf uns einen guten Eindruck. Vor allem für berufliche Anwender und Arbeitsgruppen bietet es viele Verbesserungen und ist endlich auf dem neuesten Stand. In der aktuellen Version vermissen wir aber etwas Feinschliff, nicht zuletzt bei der Makro-Unterstützung. Als Schulnote würden wir es deshalb mit einer 2+ bewerten. Das Ende der eigenständigen Mac-Versionen von Word löst bei uns aber doch etwas Wehmut aus. Nach unserer persönlichen Meinung hatte das echte  Mac-Programm Word 2011 mehr Charme.

Office 2016 in der Praxis - Teil 1: Kauftipps & Installation

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