Von Redaktion Computerwoche - 29.01.2013, 09:03

DFG- und EU-Förderung

Oldenburger Physiker kommen optischem Computer näher

©Uni Oldenburg

Einem deutsch-italienischen Forscherteam um Professor Christoph Lienau, Physiker an der Universität Oldenburg, ist ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung optischer Schaltelemente gelungen.
In der Februar-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Nature Photonics" (doi:10.1038/nphoton.2012.340) berichten die Wissenschaftler über ihre neuen Forschungsergebnisse zur Realisierung ultraschneller Lichtschalter. Konventionelle Computer basieren auf Halbleitertransistoren: In ihnen werden elektronische Ströme geschaltet, die durch hauchfeine Leiterbahnen fließen.
In aktuellen Prozessoren sind diese Leiterbahnen nur wenige zehn Nanometer breit und die Ströme werden auf einer Zeitskala von etwa einer Nanosekunde geschaltet. "Im Prinzip könnte man erhebliche schnellere Computer realisieren, wenn es gelänge, Licht statt Elektronen in solche Leiterbahnen einzusperren und zu schalten", erläutert Lienau. Solche "optischen Computer" existieren bislang nur als Vision - unter anderem deshalb, weil es enorm schwierig ist, Licht in solch kleinen Dimensionen einzufangen.
Forscher konnten in den letzten Jahren bereits mit der Entwicklung von nanostrukturierten metallischen Lichtleitern (zum Beispiel mikroskopisch kleinen Silber- oder Golddrähten) erhebliche Fortschritte erzielen. Allerdings gelang es mit diesen metallischen Lichtleitern alleine bisher nicht, Licht auch hinreichend schnell durch Licht zu schalten.
In ihrem Beitrag in "Nature Photonics" beschreiben die Wissenschaftler einen neuen Lichtschalter, aufgebaut aus einem Gitter aus nanostrukturierten Golddrähten, die mit einer dünnen Schicht eines organischen Halbleiters überzogen sind. "Wenn wir solche Hybrid-Strukturen mit kurzen Lichtblitzen bestrahlen", erklärt Professor Parinda Vasa, ehemals Physikerin in Oldenburg und nun Hochschullehrerin am Indian Institute of Technology in Mumbai, "dann oszilliert die Lichtenergie enorm schnell zwischen Golddraht und Halbleiter. Diese sogenannten Rabi-Oszillationen führen dazu, das wir das Licht, immer wenn es im Halbleiter angekommen ist, mit einem zweiten Lichtimpuls ausschalten können." Die Dauer eines Schaltprozesses beträgt dabei nur wenige zehn Femtosekunden, ist also mehr als 10.000 Mal schneller als in einem elektronischen Computer.
"Wir lernen zunehmend, wie wir die Bewegung von Lichtstrahlen in kleinsten räumlichen Strukturen und auf enorm kurzen Zeitskalen effizient kontrollieren und steuern können", ergänzt Lienau. Auch wenn sie die Effizienz und Lebensdauer des optischen Schalters noch erheblich verbessern müssten, würden die sich daraus ergebenden Anwendungsperspektiven immer faszinierender und "rücken zunehmend in greifbare Nähe", so der Physiker.
Das Oldenburger Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Ultraschnelle Nanooptik" und die deutsch-italienische Zusammenarbeit durch das Laserlab Europe Projekt der Europäischen Union gefördert.
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