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Google Doodle zu 120 Jahren Olympia in der Neuzeit

06.04.2016 | 12:27 Uhr |

Google feiert heute die Eröffnung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit mit einem Doodle. Die einst glänzende Idee strahlt aber schon lange nicht mehr.

Der Gedanke als solcher ist bestechend einfach: Alle vier Jahre treffen sich die weltbesten Athleten, um ihre Kräfte, ihre Geschicklichkeit und ihre Geschwindigkeiten miteinander zu messen. Während der Zeit der friedlichen Wettkämpfe haben auch die Waffen zu ruhen, natürlich auch während der An- und Abreise der Teilnehmer und Zuschauer der Spiele. Die Idee hatte im antiken Griechenland gut 1000 Jahre lang funktioniert, aber auch schon damals galt keineswegs das Prinzip des "Dabei sein ist alles" - nur der Gewinner bekam alles, die Ehre, den Ölzweig, den Nachruhm, die Privilegien in der Heimatstadt.

So war auch die Neuauflage der Olympischen Spiele in der Neuzeit eher von der Idee des "schneller, höher, weiter" getragen als von der friedlichen Völkerverständigung. Am 6. April 1896, heute vor 120 Jahren begannen die ersten Spiele der Neuzeit in Athen mit 241 männlichen Sportlern - Frauen durften aber anders als in der Antike wenigstens zusehen. Der ersten Spiele zu Ehren ist heute daher der Welt-Olympiatag, oder wie ihn die Vereinten Nationen genauer nennen: Internationaler Tag des Sports für Entwicklung und Frieden . Das bleibt meist nur ein Wunsch, das moderne Olympia ist in seiner 120-jährigen Geschichte schon mehrmals vor Diktaturen eingeknickt und legte in den Kriegszeiten um 14/18 und 39/45 jeweils eine Pause ein – dabei hätte es doch andersherum sein  und die Waffen ruhen sollen.

Umsatz und Gewinn im Vordergrund

Die Spiele waren vor vierzig Jahren beinahe vor dem Aus gestanden. Das Attentat von München, Afrikas Bokyott der Spiele von Montreal, der große Boykott der westlichen Staaten im Jahre 1980, schließlich Moskaus Retourkutsche für Los Angeles 1984: Die Stadt an der US-Westküste war damals sogar der einzige Bewerber, niemand wollte die Spiele mehr haben. Aber dann gab das IOC sie nicht nur für Profi-Sportler frei (den Demonstrationswettbewerb im Tennis gewann 1984 eine junge Profispielerin aus der Nähe von Heidelberg namens Stefanie Graf...), sondern öffnete dem Kommerz Tür und Tor.

So ist Olympia vor allem zu einem Riesengeschäft geworden, mit allen Konsequenzen. Weswegen das IOC die Spiel bevorzugt in Länder vergibt, in denen die Machthaber schnell und unkompliziert die Wünsche und Erfordernisse des Sport-Konzerns umsetzen können, ohne die Bürgerschaft beteiligen zu müssen – und die Geschäfte ungestört ablaufen. Nicht von ungefähr lädt das IOC in diesem Sommer die Jugend der Welt in eine der schönsten Städte des Globus – Rio de Janeiro wird von Olympia nicht profitieren. Schon jetzt ist abzusehen, dass die Investitionen nicht dort in der Stadt landen, wo sie gebraucht werden, sondern Gelder für den Bau von Sportstädten, die nach der großen Sause keiner mehr braucht, in Taschen von Personen landen, die dem Ausdruck " Oh, wie schön ist Panama " bis zum vergangenen Wochenende uneingeschränkt zugestimmt hätten. Dabei sein ist auch längst nicht alles, was der Sportnation wichtig ist, das ist nur der Medaillenspiegel. Oder wie kommt man sonst auf die Idee, junge Männer und Frauen mit Medikamenten gegen Herzkrankheiten, Krebs und Asthma zu behandeln, die zwar eine kurzfristige Leistungssteigerung versprechen, manche diese Athleten aber schon mit Anfang 30 zu Greisen werden lassen? Der schöne Schein Olympias trügt – und das schon ziemlich lange.

Was aber von Olympia 1896 bleibt? In Athen das Panathinaikos-Stadion, in dem seinerzeit die Wettkämpfe ausgetragen wurden und das bei den Spielen 2004 einige Wettbewerbe beherbergte und heute weit besser in Schuss ist als die modernen Wettkampfstätten, die in Athen vor sich hin modern. Und natürlich der nach einem griechischen Mythos erfundene Marathonlauf über etwas mehr als 42 Kilometer, bei dem heute der olympische Gedanke des Dabeiseins bei den meisten Teilnehmern wichtiger ist als die Jagd nach der Bestzeit und dem Sieg. Der Name des ersten Olympiasiegers in dieser Disziplin: Spyridon Louis. Nicht nur in der Nähe des Münchener Olympiastadions ist eine Straße nach ihm benannt...

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