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Omni Web - zickige Schönheit?

17.05.2001 | 00:00 Uhr |

Obwohl sich Microsofts Internet Explorer immer mehr zu einem Quasi-Standard im Web entwickelt, kommt in den Browser-Markt allmählich wieder Bewegung. Dank Mac-OS X werden die KArten neu gemischt und Alternativen buhlen um die Gunst des Anwenders.

Der Mac-OS-X-Browser Omniweb kann dem Internet völlig neue Schönheit verleihen. Mit dem Zugriff auf Apples Grafikengine Quarz glättet er auf Wunsch die Schrift von Internetseiten mit Antialiasing und verleiht dadurch simpelsten Seiten edle typographische Schönheit.

Doch dabei belässt es Omni Web nicht mit der Seitenverschönerung, so lassen sich die seit Internet-Urzeiten gewohnten blauen Unterstreichungen von Links ausschalten. Schön gestaltet präsentiert sich auch die Bedienoberfläche des Browsers, die sehr gut zur Aqua-Oberfläche passt. Sogar HTML-Buttons und Formulare erscheinen im Aqua-Look.

Omni Web stammt aus der Welt von Next, der Hersteller hat ihn an Mac-OS X lediglich angepasst.Neu ist die Software also nicht, die aktuelle Fassung trägt die Versionsnummer 4.0.
Unter Mac-OS X soll der Browser sehr beliebt sein, Omni Group zufolge bevorzugen 70 Prozent aller Mac-OS-X-Anwender den Cocoa-Browser, viele sicher auch aus Abneigung gegen Microsoft.
Bei aller Sympathie für unabhängige neue Browser: Rein objektiv hat bereits die Beta des Microsoft-Browsers Internet Explorer 5.1 die bessere Funktionalität. Auch wenn er kein "echter" Mac-OS-X-Browser ist, sondern eine Carbon-Version.

Natürlich kann man Omni Web sehr gut benutzen - aber nicht immer. Selbst wenn man auf Java und Javascript verzichten kann, gibt es einfach zu viele Seiten, die mit diesem eleganten Browser nicht erreichbar sind. Erschreckendes Beispiel ist die neue Seite der Süddeutschen Zeitung. Nur der graue Hintergrund von sueddeutsche.de ist mit Omni Web zu sehen. Der Grund dafür der <layer>-Tag , der nicht dem Standard HTML 4.0 entspricht. Nicht nur der Süddeutsche Verlag setzt wenig Priorität darauf, seine Seiten kompatibel mit seltenen Browsern oder HTML-Standards zu gestalten. So hat etwa auch eine hundertprozentige Macseite Probleme mit Omniweb: Macuser.co.uk. Auch dieses englische Mac-Magazin ist leider für Omni-Web-Fans schwieriges Gelände: Zwar haben die britischen Kollegen auch daran gedacht, eine "saubere" HTML-Version in das netz zu stellen, aber auf der Homepage hat Mac User Java im Einsatz, mit dem Omniweb ebenfalls noch Probleme hat.

Auch die fehlende Flash-Unterstützung sperrt Surfer von vielen Seiten aus. Hier könnte man natürlich auch die Schuld bei Macromedia suchen, das für Omni Web bisher keine Plug-ins entwickelt hat. Heutzutage stellen Anwender an ihren Browser die Anforderung, nicht nur HTML lesen zu können, sondern auch die Seiten darstellen zu können, die für den Internet Explorer optimiert sind. Denn leider ist Microsofts Browser im Web der faktische Standard und nicht HTML. Zu den von Omni Group eingestandenen Bugs gehört bezeichnenderweise, dass Omni Web noch nicht in der Lage ist, sich im Internet als Internet Explorer auszugeben: Es gibt aber zahlreiche Seiten, die nur funktionieren, wenn der Browser so tut, als würde er aus Redmond stammen.

So bleibt den "Early adopters", die schon jetzt exklusiv auf Mac-OS X setzen, kaum eine Alternative zu Internet Explorer 5.1, denn auch andere Browser wie iCab, Lynx oder Fizilla haben in ihrem derzeitigen Entwicklungsstadium schwer wiegende Nachteile.

Stephan Wiesend/pm

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