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Online-Buchhändler: Millionenkosten durch neues Gesetz

16.05.2000 | 00:00 Uhr |

Der boomende Internet-Buchhandel in Deutschland ist
nach Einschätzung der Händler durch ein neues Gesetz in Gefahr. Das
so genannte Fernabsatzgesetz würde den Handel katastrophal belasten,
sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen
Versandbuchhändler, Christian Russ, am Montag in einem dpa-Gespräch
vor Beginn der Jahreshauptversammlung in Ulm.

An diesem Freitag (19. Mai) solle die Regelung im Bundesrat
beraten werden. Das Gesetz sehe vor, dass «Fernkäufe» - darunter
fallen auch Einkäufe über das Internet - innerhalb von zwei Wochen
widerrufen werden dürfen. Die Kosten für die Rücksendung müssen die
Händler zahlen. Diese Portokosten werden den Händlern nach
Einschätzung von Russ Mehrkosten in Millionenhöhe einbringen. «Viele
kleine und mittelständische Betriebe wird das in den Ruin treiben»,
sagte Russ. Im Durchschnitt würden zehn Prozent der Bücher, die im
Internet oder bei einem Versandbuchhändler bestellt werden, zurück
geschickt. «Bei einer durchschnittlichen Buchsendung kostet das Porto
20 Mark», meint Russ.

Durch das neue Gesetz befürchtet er eine drastische Zunahme der
Rücksendungen. «Wenn es nichts kostet, bestellen die Leute fünf
Bücher und schicken vier zurück. Das wird dann so eine Art
Ansichtsbestellung» befürchtet Russ. Vor allem für den Buchhandel
über das Internet sieht er schwarz: «Damit schießt sich Deutschland
aus dem Wettbewerb heraus.» Während andere Branchen die erhöhten
Kosten über den Preis auf die Kunden umlegen könnten, sei dies den
Buchhändlern auf Grund der Preisbindung nicht möglich.

Mit dreistelligen Zuwächsen ist der Buchhandel über das Internet
nach Worten von Russ der größte Wachstumsmotor der Branche. Im
vergangenen Jahr stieg der Umsatz um rund 150 Prozent auf 150
Millionen DM. Insgesamt setzten die Versandbuchhändler im vergangenen
Jahr rund zwei Milliarden DM um. Im Bundesverband der
Versandbuchhändler sind neben den Internet-Buchhändlern auch
zahlreiche Fachverlage und Buchclubs zusammengeschlossen, die ihre
Produkte per Post versenden.
dpa

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