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Online-Medien: Neuer Journalismus gewinnt erst allmählich Konturen

10.08.2000 | 00:00 Uhr |

Es gibt kaum einen Verlag oder TV-Sender, der
derzeit nicht sein Internet-Standbein ausbaut. Und kaum ein anderes
Berufsbild boomt in der Medienbranche so stark wie das des Online-
Redakteurs. Doch wie weit ist es den Neuen Medien gelungen, auch eine
eigenständige Form des Journalismus zu schaffen? Eine Untersuchung
der Katholischen Universität Eichstätt über den Online-Journalismus
zieht in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift «Media Perspektiven»
ein verhaltenes Fazit: Insgesamt lasse die Geburt eines «völlig neuen
Journalismus», der durch Bild und Ton sowie Hypertext das Erzählen
perfektioniere und durch Interaktivität eine größere Publikumsnähe
erreiche, noch auf sich warten.

Wie eine Befragung der Universität unter 187 Online-
Redaktionsleitern ergab, verfolgen die traditionellen Massenmedien
vor allem die Strategie, über das Internet das eigene Kerngeschäft zu
schützen. Während Tageszeitungen sowie Hörfunk- und Fernsehsender mit
Hilfe des Internet-Auftritts eine Doppelnutzung erreichen wollten,
nehmen Zeitschriften eher Probenutzer ins Visier, die für das
Mutterblatt noch als Leser gewonnen werden sollen. Deshalb ist es für
die Wissenschaftler wenig überraschend, dass sich die Internet-
Redaktionen von Print und Rundfunk stark auf Zulieferungen vom
Mutterhaus stützen.

Insgesamt - so wird in der Studie erläutert - werden die Hälfte
der Online-Artikel von den Mutterhäusern übernommen. Ein ähnliches
Bild ergab sich bei der Untersuchung der Online-Angebote der drei in
ihren Ländern führenden Blätter «Süddeutsche Zeitung» (München), «Die
Presse» (Wien) und «Neue Zürcher Zeitung»: In keiner der Zeitungen
fand Matthias Zürn von der Universität Mannheim Ende letzten Jahres
einen nennenswerten Anteil von reinen Online-Artikeln. Alle drei
Zeitungen boten zwar grundsätzlich die Möglichkeit, sich per E-Mail
bei der Redaktion zu melden. Allerdings gestalte es sich schwierig,
den jeweiligen Autor eines Artikels per elektronischer Post zu
erreichen, konstatiert die ebenfalls in «Media Perspektiven»
veröffentlichte Studie.

Die Forscher stellen jedoch fest, dass die neue Form des
Journalismus Konturen mit eigenen Standards gewinne. Vor allem die
Online-Redaktionen von reinen Netz-Anbietern, aber auch Rundfunk und
General-Interest-Zeitschriften nutzten die technischen Möglichkeiten
des neuen Mediums. Unter den Tageszeitungen wurden vor allem der
Online-Ausgabe der «Financial Times Deutschland» und der «Welt» gute
Noten gegeben, da sie zum Beispiel mit regelmäßigen «Links» in den
Artikeln der Print-Ausgabe eine enge Verknüpfung mit dem Internet
anstreben. Deren Internet-Auftritte wirkten nicht «wie ein
notwendiges Übel», sondern machten den Eindruck eines sehr bewussten
und bejahenden Online-Umgangs, lobt Zürn.

Zugleich musste der Wissenschaftler erkennen, dass angesichts der
Schnelllebigkeit des Internets auch Forschungsergebnisse eine kurze
Halbwertzeit besitzen können. Inzwischen haben - wie der Mannheimer
Forscher konzediert - sowohl die «Süddeutsche Zeitung» als auch «Die
Presse» ihren Internet-Auftritt überarbeitet. Das Angebot wurde etwa
durch verbesserte Recherche im Onlinearchiv oder durch einen
aktuellen News-Ticker ausgeweitet.
dpa

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