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Open Source - Gefahr für Microsoft, Chance für Apple

04.02.2003 | 14:14 Uhr |

Der zukünftige Softwaremarkt bewegt sich auf ein Duopol aus Microsoft und Open Source hin, Apple steht dabei zwischen beiden Kontrahenten.

Selbst Microsoft ist nicht vor finanziellen Risiken sicher. Wie der Software-Monopolist in seinem aktuellen Bericht an die Börsenaufsicht SEC feststellt, ist weiterhin vor allem die Open-Source-Bewegung eine Gefahr für die üppigen Margen des Unternehmens. Das ist nicht neu, legendär sind etwa die so genannten Halloween-Papiere, in denen Microsoft firmentintern zum Kampf gegen die Open-Source-Bewegung aufrief.
Offenbar nimmt Microsoft die Bedrohung durch kostenlose Programme und Betriebssysteme ernst. Aktuelle Marktstudien, nach denen sich Linux zur dominierenden Plattform für Server entwickeln könnte, befördern diese Befürchtung. Wenig Freude machten laut dem SEC-Bericht auch die Initiativen einiger Regierungen, ihre IT-Infrastruktur auf freier Software zu basieren.

In seiner Existenz sieht sich das Unternehmen aber nicht bedroht: Schlimmstenfalls müsse Microsoft die Preise seiner Produkte senken, was die Umsätze und Gewinne schmälern könne. Mit Apple streitet sich Microsoft zwar weiterhin über Softwarespenden an Schulen, eine wirkliche Bedrohung ist dieser Prozess aber ebenso wenig, wie die Prozesse mit Netscape, Be, Sun und einigen anderen Parteien. Schließlich hat Microsoft gegenwärtig über 40 Milliarden US-Dollar auf der hohen Kante.

Die Bedrohung von Open Source trifft Microsoft an seiner empfindlichsten Stelle: Je mehr kostenlose Software es gibt, desto schlechter für den Softwareriesen. Bedroht ist hier das grundlegende Geschäftsmodell von Microsoft selbst: Microsoft zahlt für die Entwicklung eines Programms, die Kunden bezahlen Microsoft. Die frei verfügbaren Quellcodes und Programme der Entwickler haben jedoch ihre eigenen Marktgesetze. Open-Source-Programmierer kommen schließlich nicht aus dem luftleeren Raum. Sieht man sich die Herkuft und Speicherorte der einzelnen Programme an, ist die Open-Source-Bewegung ohne Schulen und Universitäten nicht denkbar. Überspitzt könnte man auch sagen, dass die Entwicklung der quelloffenen Programme vor allem der Steuerzahler finanziert. Die Open-Source-Bewegung folgt also wirtschaftlichen Gesetzen, die Microsoft nicht für sich nutzen kann.

Apple tut sich hier weitaus leichter. Die größten Umsätze erzielt die Jobs-Company durch den Verkauf von Hardware erzielt. Apple kann es sich leisten, ein teuer entwickelte Programme wi iMovie, iPhoto und iTunes kostenlos zu machen, sofern diese den Verkauf von Power Mac und iMacs unterstützen. Hier ist die Unterscheidung wichtig: Nicht jedes kostenlose Programm ist Open Source. Was auf Dauer die Open-Source-Gemeinde gar verärgern könnte, ist die Bindung der iLife-Applikationen an die Mac-Plattform, iMovie für Linux ist undenkbar.

Besonders durch das Unix basierte Mac-OS X profitiert der Mac-Hersteller dagegen von der Vielzahl frei entwickelter Technologien und Systeme. Anders als Microsoft hilft Apple bereits die pure Menge der Softwareentwicklungen: Je mehr portierbare Programme es für den Mac gibt, desto besser für die Attraktivität der Plattform. Abgesehen von wichtigen Netzwerktechniken für die Profis gehören dazu schließlich auch halblegale Consumer-Programme, die Apple nicht selbst entwickeln kann. So ist es dank Open-Source-Technologie möglich, mit einem Mac den Kopierschutz einer Film-DVD zu umgehen. Ein nicht unwesentliches Beispiel, handelt es sich doch dabei um eine Plattformfunktionalität, die Apple nicht integrieren darf, die heutzutage viele Computerkäufer aber als Selbstverständlichkeit erwarten.
Inwieweit diese Gemeinde jedoch zukünftig Apple profitiert, ist nicht ganz klar. Grundlegende Technologien wie das Betriebssystem Darwin oder der Quicktime Streaming Server sind zwar von Apple als Open-Source freigegeben, zumindest mit einem "nackten" Betriebssystem wie Darwin lässt sich recht wenig anfangen. Andererseits vermissen viele Linux-Anwender immer noch einen unter ihrem freien Betriebssystem laufenden Quicktime-Player. Gibt es zu wenig Austausch in beiden Richtungen, sinkt sicher auch die Bereitschaft von Open-Source-Programmierern sich mit Apple auseinanderzusetzen.

Stephan Wiesend

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