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Datenklau: Oracle verlangt von SAP kräftigen Nachschlag

13.12.2010 | 07:02 Uhr |

Der Diebstahl von Daten des Rivalen Oracle könnte für den deutschen Softwarekonzern SAP noch teurer werden. Die Kalifornier beanspruchen zusätzlich zur Strafzahlung satte Zinsen

Dem deutschen Softwarekonzern SAP ist eine neue saftige Rechnung des US-Erzrivalen Oracle ins Haus geflattert. Zusätzlich zu den gerichtlich zugesprochenen 1,3 Milliarden Dollar für den Klau von Daten verlangen die Kalifornier nun weitere knapp 212 Millionen Dollar an Zinsen für die lange zurückliegenden Taten.

Eine derartige Forderung sei "Routine", stellten Oracles Anwälte in einer Eingabe an das zuständige Gericht fest. SAP wies das Ansinnen am Wochenende umgehend zurück: "Wir glauben nicht, dass Oracle zu irgendeiner Entschädigung berechtigt ist, die über das endgültige Gerichtsurteil in diesem Fall hinausgeht."

Ohnehin ist der Fall für SAP weit kostspieliger gewesen als das Gerichtsurteil vermuten lässt. Die Deutschen hatten sich als Zeichen des guten Willens im Vorfeld bereiterklärt, Oracles Anwaltskosten in Höhe von 120 Millionen Dollar zu übernehmen. Alles in allem würden die Kosten des Verfahrens im schlimmsten Falle damit auf weit mehr als 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro) steigen - den Imageschaden nicht mit eingerechnet.

SAP war mit der Übernahme der Software-Wartungsfirma TomorrowNow im Jahr 2005 in den Schlamassel geraten. Mitarbeiter von TomorrowNow hatten nach dem Kauf in großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen . Oracle klagte 2007 mit dem Vorwurf des Datendiebstahls und bekam Ende November vor einem Geschworenengericht Recht.

Oracle argumentiert bei seiner Zusatzforderung, dass die vom Gericht zugesprochenen 1,3 Milliarden Dollar die ausgefallenen Lizenzzahlungen für die heruntergeladene Software seien. Da die Fälle in den Jahren 2005 und 2006 stattgefunden hätten, würden entsprechende Zinsen bis heute fällig.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig und SAP erwägt, in Berufung zu gehen. Die Deutschen hatten die Verfehlungen zwar im Grunde zugegeben und auch die Verantwortung für das Fehlverhalten der Tochtergesellschaft übernommen. Doch bezifferten sie den entstandenen Schaden auf lediglich gut 40 Millionen Dollar.

SAP ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Damit steuern Firmen ihre Geschäftsprozesse, etwa die Buchhaltung oder die Kundenverwaltung. Oracle-Chef Larry Ellison gab in den vergangenen Jahren dutzende Milliarden Dollar für Zukäufe aus, um aufzuholen. Der aufbrausende Milliardär lässt keine Gelegenheit aus, die Deutschen zu attackieren.

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