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PDA-Schwemme trotz sinkender Erträge

13.11.2002 | 14:01 Uhr |

Den aktuellen Verkaufszahlen zufolge sind PDAs etwas aus der Mode gekommen. Trotzdem rollt eine Flut neuer Produkte auf den Endanwender zu.

München/Macwelt - Eigentlich hatte ja Apple mit seinem Newton den ersten PDA der IT-Geschichte vorgestellt. Es gelang jedoch erst 3com/Palm, einen Massenartikel aus dem Taschencomputer zu machen. In den letzten Jahren ist der Gesamtmarkt nicht größer geworden, die Anzahl der Anbieter ist jedoch gewaltig gestiegen. So ging nach aktuellen Zahlen von IDC der PDA-Markt im dritten Quartal im Jahresvergleich um 5,8 Prozent und gegenüber dem zweiten Quartal 2002 um 6,9 Prozent zurück. IDC zufolge wurden im dritten Quartal weltweit 2,44 Millionen Taschencomputer verkauft nach 2,59 Millionen im Vorjahreszeitraum. Steve Jobs Entscheidung, keinen neuen Apple-PDA auf den Markt zu bringen, erscheint bei diesen Marktzahlen wohl auf lange Sicht als die richtige Entscheidung. Ein Apple-PDA müsste schließlich besser als die Produkte der erfahrenen Palm-OS-Hersteller Palm, Handspring und Sony sein.

Der Wettkampf unter den PDA-Herstellern wird dabei im nächsten Jahr wohl noch härter werden. Einige Hersteller setzen dabei auf neue Funktionen, andere Modelle mit niedrigen Preisen sollen neue Märkte erschließen.
Der Marktführer Palm mit seinen 33 Prozent Marktanteil hat kürzlich mit dem Tungsten den ersten Palm-OS 5-kompatiblen PDA auf den Markt gebracht, ein Modell mit integrierter Telefoniefunktion und Tastatur soll Anfang nächsten Jahres folgen. Für den Privatanwender ist mit dem spartanisch ausgestatteten Modell Zire zugleich der billigste Palm aller Zeiten auf dem Markt erschienen. Auch von Sony, gegenwärtig zweitgrößter Hersteller von Palm-PDAs wurde bereits ein Tastatur-PDA mit Palm-OS 5 vorgestellt, der sich mit integrierter Kamera und MP3-Player mehr an den Heimanwender richtet. Weiterhin eignet sich das Betriebssytem Palm-OS am besten für Anwender mit einem Mac.

Im Pocket-PC-Lager wird dagegen die Modellflut langsam etwas unübersichtlich. Im Highend-Bereich konkurrieren inzwischen unter anderem die Firmen Casio, Asus, Toshiba, HP/Compaq, Acer, Fujitsu-Siemens, Viewsonic um Aufträge. Bis vor einem Jahr kosteten die Pocket-PCs noch über 500 Euro, inzwischen wird jedoch auch das Einstiegssegment angezielt. Aufsehen hatte zuletzt die Ankündigung von Dell erregt, demnächst einen 200 US-Dollar teuren Pocket-PC namens Axim auf den Markt zu bringen. Dank knapper Kalkulation ein echter Preisbrecher.
Aber auch Microsoft steigt ins Hardwaregeschäft ein . Zusammen mit Samsung entwickelt der Softwarehersteller einen 200-US-Dollar PDA mit Graustufenauflösung und 200 MHz schneller CPU. Auch hier ist der vor allem der Heimanwender im Visier, dem ein iPaq oder Palm V einfach zu teuer war.
Aus dem Linuxlager gibt es inzwischen eine Reihe alltagstauglicher Modelle. So bietet etwa Sharp mit dem Taurus einen mit versenkbarer Tastatur ausgestatteten PDA, von dem demnächst überarbeitete Versionen auf den Markt kommt. In Japan gibt es sogar eine Version im Mikro-Notebook-Design. Für diesen PDA sind übrigens bereits erste Programme für den Datenaustausch mit Mac-OS X.

Weitere Konkurrenz erwächst jedoch aus dem Lager der Handyhersteller. Für Terminverwaltung und Adressensammlung bieten aktuelle Handys bereits genügend Funktionalität, auch das Angebot an Zusatzprogrammen ist im Wachsen. Durch steigende Speicherausstattung und größere und farbige Displays ergeben sich hier immer weitere Schnittpunkte zum PDA. Auch ein MP3-Player wie der iPod bietet schließlich inzwischen das Nötigste für die täglich Termin- und Adressenverwaltung.
Stephan Wiesend

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