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Paris, langsam wird's Zeit!

29.04.1999 | 00:00 Uhr |

Von Fabrice Brochain, Univers Macworld

Übersetzung von Lars Felber

Frankreich gehörte bisher zu den wenigen europäischen Nationen, die sich dem Siegeszug von Verschlüsselungstechnologien sperrten. Französische Unternehmen sahen sich drakonischen Gesetzen gegenüber - die Anwendung von Schlüsseln, die auf Algorithmen von mehr als 40 Bit basieren, war verboten.

Doch der E-Commerce, die wachsende Zahl von Internetanschlüssen und ein weltweites Unverständnis für die französische Politik haben jetzt eine Wende herbeigeführt. Die Regierung hat sich die Kritik zu Herzen genommen und will ein neues Programm auf den Weg bringen. Es soll freie Wahl bei Verschlüsselungsprogrammen gewähren und den bisher notwendigen Umweg über von der Regierung autorisierte Agenturen ersparen, die als einzige über Verschlüsselungstechnologien verfügen durften. Diese Dienstleister haben sich fortan auf die Zertifizierung von Technologien zu beschränken.

Die Reform soll außerdem den Kampf gegen den Mißbrauch von Verschlüsselungstechnologien durch Kriminelle unterstützen. Da mit der neuen Freiheit auch eine neue Verantwortung verbunden sei, will die Regierung einige Beschränkungen aufrechterhalten.

Weil die Gesetzesänderung erst in einigen Monaten in Kraft tritt, will die Regierung umgehend die Meßlatte für Verschlüsselungstechnologien von 40 auf 128 erhöhen und die Angestellten der autorisierten Agenturen von Sicherheitsüberprüfungen freistellen. In Europa sind davon besonders die Sicherheitsbehörden betroffen.

Die Belgische Behörde Global Sign ist eine von ihnen. Für sie bringt das Gesetzesvorhaben jedoch nur wenige Änderungen. "Unsere Firma speichert die Schlüssel unserer Kunden nicht", erklärt Samoera Jacobs, die für Rechtsfragen zuständige Vizepräsidentin bei Global Sign. "Für ein Sicherheitsunternehmen wie uns würde die Aufbewahrung von Schlüsseln einen Bruch der Sicherheitsvorschriften bedeuten."

In jedem Fall werde aber die auf 128 Bit erhöhte Verschlüsselungstiefe den kommerziellen Verkehr im Internet ankurbeln. "Studien zeigen, daß es vor allem Sicherheitsbedenken sind, die die Firmen noch vom Einstieg in den E-Commerce abhalten", so Jacobs. "Regelungen für die Schutzmaßnahmen sollten dabei einige Probleme lösen können. Außerdem gilt: Je länger ein Schlüssel, desto sicherer der Schutz. Die Länge der Schlüssel ist ein wesentlicher Bestandteil des Sicherheitspakets. Andere Kriterien sind natürlich ebenfalls wichtig, etwa die Überprüfungsverfahren und ihre Überwachung durch die Sicherheitsbehörden, der Schutz der Infrastruktur von Sicherheitsunternehmen, manchmal auch die Aufbewahrung von Schlüsseln, welche Produkte über einen Schutzmechanismus verfügen dürfen…".

Die französische Regierung muß in Sachen sicheres Internet weiterhin Beharrlichkeit demonstrieren. "Die Regierung könnte ein Gesetz auf den Weg bringen, das Sicherheitsbehörden das Recht einräumt, jeden - auch privaten - Anwender einer Verschlüsselung zur Mithilfe bei der Suche nach brisanten Informationen zu zwingen", so Jacobs. "Die Weigerung, mitzuhelfen, würde Strafe nach sich ziehen."

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