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Patent-Streit um Multitouch-Displays

26.02.2008 | 09:46 Uhr |

Wenn Apple laufende Patentanträge wirklich zugesprochen bekäme, dann könnten sich andere Hersteller bald schwer tun bei der Entwicklung von Multitouch-Geräten.

Apple nämlich will sich unter anderem die Bewegungen patentieren lassen, durch die Besitzer eines iPhone oder iPod Touch ihre Geräte mit mehreren Fingern bedienen. Wer beispielsweise die Ansicht eines Fotos, einer Webseite oder einer Karte verkleinern will, der schiebt Zeigefinger und Daumen auf der berührungsempfindlichen Oberfläche aufeinander zu. "Kneifen" nennen die Amerikaner diese Bewegung und dem Anwender erscheint sie auf Anhieb natürlich, wie der Erfolg des iPhones zeigt. Doch nicht jeder ist der Meinung, dass sich die Bewegung der Finger patentieren lässt.

Möglicherweise könnte Apple sich die Bewegung von berührungsempfindlichen Bildschirmen über den Kneif-Griff sichern, schreibt die Technikseite Wired , doch der iPhone-Hersteller ist mit diesem Wunsch nicht alleine. Anderen Herstellern nämlich drohe dadurch die Gefahr, gewünschte Funktionen nicht in ihre kommenden Multitouch-Geräte einbauen zu können. Firmen wie BenQ-Siemens und Nokia hätten deshalb längst ähnliche Patentanträge gestellt. Auch die Firma Synaptics, die derzeit zwischen 65 und 70 Prozent der Notebooks weltweit mit Touchpad-Technik ausstatte, versuche die Fingerbewegungen zu patentieren. Dabei sei die Multitouch-Technik keine Erfindung von Apple: CEO Steve Jobs soll sogar zugegeben haben, Microsofts Recherchen für den Tablet-PC als Inspiration verwendet zu haben. Sollte Apple nun erfolgreich sein, könnte anderen Herstellern nichts anderes übrig bleiben, als auf die Bedienung ihrer Geräte durch die vom iPhone bekannten Fingerbewegungen zu verzichten, erklären Patentspezialisten von Patterson Belknap Webb and Tyler - oder kräftig Lizenzen zu zahlen. Doch soweit sei es noch lange nicht: Bis sich die US-Patentbehörde entscheidet, könnten Jahre vergehen. In der Zwischenzeit versucht Apple anscheinend, sich in Asien sogar den Ausdruck "Multitouch" zu sichern. Zu seiner Verteidigung schreibt Wired: Dem Hersteller bleibe nur wenig anderes übrig als einen Patentantrag nach dem anderen zu schreiben. Bekomme die Kneif-Technik nämlich jemand anders patentiert, so könnten wiederum auf Apple gigantische Lizenzforderungen oder Klagen zukommen.

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