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Patentexperte rät Mozilla von mobilem OS ab

23.09.2011 | 07:23 Uhr |

Experten halten Mozillas Plan des mobilen Betriebssystems B2G (Boot to Gecko) für wenig chancenreich. Der Grund sind die massiven Patentstreitigkeiten um Smartphone- und Tablet-Betriebssysteme, in die Mozilla unweigerlich hineingezogen würde. Die Open-Source-Organisation hatte angekündigt, Teile des Android-Codes als Basis für sein Open-Source-Betriebssystem zu verwenden. Genau um diese Code-Bestandteile würden sich aber die Streitigkeiten drehen, meint der IDC-Analyst Al Hilwa gegenüber unseren Kollegen der Computerworld: "Sich auf Android-Code zu stützen, wäre problematisch, das könnte Mozilla Patentklagen aussetzen." Selbst wenn Mozilla ein Smartphone-OS von Grund auf neu entwickeln würde, könnte dies kaum ohne Kollisionen vonstatten gehen: "Es ist schwer, ein wettbewerbsfähiges Smartphone-Betriebssystem zu programmieren, ohne bestehende Patente zu berühren."

Der Status als Open-Source-Organisation würde Mozilla auch nicht mehr schützen als kommerzielle Unternehmen, meint der Patentexperte Florian Müller (Foss Patents). Der Smartphonemarkt sei so prozesssüchtig, dass er kaum glaube, Mozilla würde ausgespart. Zudem könnten Patentklagen gegen Hardwarehersteller drohen, die das Open-Source-OS auf ihre Geräte installieren - vergleichbar mit den Prozessen zwischen Apple gegen HTC und Samsung: An sich prozessieren Apple gegen Googles Android über Bande.

Eine ganz andere Frage stellt sich jedoch der Analyst Jack Gold: "Ich kann nicht sehen, warum wir in einem Jahr noch ein weiteres mobiles Betriebssystem brauchen." Mozilla käme etwa ein Jahr zu spät und werde Android nicht wesentlich Marktanteile abknüpfen können. "Es hat die gleichen Erfolgsaussichten wie Meego," meint Gold und vergleicht das Mozilla-Projekt mit dem mehr oder minder gescheiterten Betriebssystem, mit dem Nokia für seine Smartphoens und Tablets liebäugelte, bevor sich die Finnen für Windows Phone entschieden. Mozilla wolle lediglich den verlorenen Browserkrieg gegen Google in den OS-Bereich auslagern, unterstellt Gold. Firefox habe im letzten Jahr neun Prozent seines Marktanteils verloren, vorwiegend an Googles Browser Chrome.

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