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26.02.2001 | 00:00 Uhr |

Mieten statt kaufen. So heißt ein neues Konzept,
das nach Meinung von Computerexperten das Geschäft der Software-
Branche revolutionieren wird: Application Service Providing (ASP).

Mehr und mehr Anbieter preisen ihre Büroanwendungen,
Betriebssysteme oder Grafikprogramme zur Miete übers Internet an.
«Die Zahl der ASP- Anbieter auf der CeBIT hat sich im Vergleich zum
Vorjahr nahezu verdoppelt: von 46 im Jahr 2000 auf 81 in diesem
Jahr», sagte Gabriele Dörries von der Deutschen Messe AG.

Der ASP-Kunde muss keine Lizenz mehr erwerben und das Programm
einzeln auf seinem Rechner installieren. Wenn er die Software nutzen
will, greift er über das Internet auf den ASP-Server zu, auf dem sie
sich befindet. Nur die Ein- und Ausgabe-Informationen werden bei der
Arbeit übertragen. Der Kunde bezahlt für die tatsächliche
Nutzungsdauer und den Umfang der genutzten Software. Er verfüge stets
über die neueste Version, streicht die Deutsche Messe im Vorfeld der
CeBIT die Vorteile heraus.

Mit ASP sehen Experten einen neuen Markt entstehen. Das
Forschungsinstitut Gartner geht bis 2003 von 23 Milliarden US-Dollar
(50 Milliarden Mark) Umsatzwachstum aus. Der Geschäftsführer des ASP-
Konsortiums, Werner Grohmann, glaubt, dass vor allem kleine und
mittelständische Unternehmen von der alternativen Softwarenutzung
profitieren: «Die hohen Anschaffungskosten fallen weg.» Neben
Standardsoftware sieht Grohmann vor allem in branchenspezifischen
Lösungen einen Markt, zum Beispiel zugeschnittene Anwendungen auf die
Bedürfnisse des Handwerkers, des Arztes oder Friseurs.

Nachteile von ASP gibt es nach Grohmanns Meinung nicht. Allerdings
kuriere der «noch junge Markt einige Kinderkrankheiten» aus. Großen
Wert müssten ASP-Anbieter auf die Sicherheit legen und die ständige
Verfügbarkeit der Produkte über das Netz der Netze gewährleisten,
sagte Grohmann.

Abschrecken lässt sich die Industrie von Anfangsschwierigkeiten
nicht. Dem vor einem Jahr auf der CeBIT 2000 gegründeten ASP-
Konsortium haben sich mittlerweile 100 Mitglieder angeschlossen. IT-
Giganten wie Microsoft, Cisco und Oracle arbeiten in der
Industrievereinigung mit Startups gemeinsam an technischen Standards,
um den ASP-Markt zu etablieren.

Dabei bleibt Konkurrenzdenken nicht außen vor. Die Firma Lotus
Development hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, Marktführer zu
werden. Auf ihrer Plattform «ASP Solution Pack» ermöglicht die 100-
prozentige IBM-Tochter ASP-Anbietern, Programme zu verwalten und sie
Endkunden zur Verfügung zu stellen. Intel Services, Ableger des
Halbleiterherstellers, hat bereits im vergangenen Jahr ein
Datenzentrum im englischen Reading aufgebaut, das ganz Europa mit
Application-Services versorgen soll. Auch Europas führendes
Softwarehaus, SAP, bietet seine Programme inzwischen übers Netz zur
Miete an. Dafür haben die Walldorfer das Tochterunternehmen SAP
Hosting gegründet.

Nicht nur die großen Spieler mischen ihre Karten neu. Auch kleine
Unternehmen hoffen, mit ASP punkten zu können. Auf der CeBIT stellen
zum Beispiel die Kölner Softwarespezialisten w&r Informationssysteme
Mietsoftware vor, mit der Unternehmen digital Bewerbungsprozesse
abwickeln können. Die Firma Jump2Net aus Speyer bietet Vereinen und
Verbänden Software übers Internet an, mit der sie Mitglieder
verwalten und Finanzen abwickeln können.

Der Wettstreit der Ideen hat zwar gerade erst begonnen, kreativen
Köpfen winkt aber jetzt schon ein Preis. Erstmals schreibt das ASP-
Konsortium zur CeBIT 2001 einen ASP-Award aus. Ausgezeichnet werden
Unternehmen, die herausragende ASP-Konzepte und -Lösungen anbieten. dpa

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