Von dpa dpa - 09.09.2010, 13:23

Personalpolitik

HP und Oracle streiten um Marc Hurd

Hewlett-Packard torpediert den Wechsel seines geschassten ChefsMark Hurd zum Konkurrenten Oracle. Mit einer Klage will derComputerhersteller verhindern, dass Hurd seinen neuen Job antritt undFirmengeheimnisse ausplaudert.
Kann ein einzelner Mensch so wichtig sein, dass sich zwei renommierte Großkonzerne befehden und Börsianer Milliarden auf ihn wetten? Er kann - wenn er Mark Hurd heißt. Der ehemalige HP-Chef hat einen Monat nach seinem Rauswurf beim weltgrößten Computerkonzern beim Konkurrenten Oracle angeheuert. Der Oracle-Kurs explodierte geradezu, die HP-Chefetage auch. Sie will den Wechsel mit allen Mitteln verhindern.
Hurd könne seinen neuen Job als Oracle-Präsident nicht ausüben, ohne zwangsweise Geschäftsgeheimnisse seines alten Arbeitgebers zu verraten, wetterte HP am Dienstag (Ortszeit) und reichte eine Klage ein, die Hurds Dienstantritt blockieren soll. Oracle-Chef Larry Ellison schlug gewohnt barsch zurück: Das Vorgehen von HP sei "rachsüchtig" und die einstigen Partner Oracle und HP damit geschiedene Leute.
Hurd hatte HP wegen falscher Spesenabrechnungen und der Liaisonmit einer externen Mitarbeiterin verlassen müssen. Doch er fiel weich. Nicht nur, dass er ein stattliches Abfindungspaket bis zu 35 Millionen Dollar erhalten hat. Sein neuer Arbeitgeber zahlt ihm nun jährlich ein Gehalt bis 11 Millionen Dollar. Die Details der Vereinbarung veröffentlichte Oracle am Mittwoch.
Das HP-Management dürfte das üppige Salär noch wütender machen. Denn die stolze eigene Abfindung floss ausdrücklich im Gegenzug für Geheimhaltungserklärungen, die Hurd unterschrieb und auf die HP jetzt pocht, wie das Unternehmen in einem Firmenblog unmissverständlich klarstellte. Oracle-Chef Ellison kündigte HP nach der Klageerhebung die Partnerschaft.
Über Jahre war die Arbeitsteilung klar geregelt: HP stellte Computer her, Oracle lieferte die passende Software für die wichtigen Firmenkunden. Einen ersten Dämpfer erhielt die Zusammenarbeit im vergangenen Jahr, als Oracle den Server-Spezialisten Sun übernahm und damit auch ins Hardwaregeschäft einstieg. Plötzlich war nicht mehr der deutsche Firmensoftware-Hersteller SAP der Hauptrivale, sonderndie Hersteller von Großrechnern, allen voran allerdings IBM und nicht HP.
Oracle-Chef Larry Ellison macht keinen Hehl daraus, dass er Hurd gerade wegen dessen Erfahrung im Computergeschäft geholt hat. Der 53-Jährige gilt als einer der effizientesten Manager der Branche. Er hatte Hewlett-Packard durch Zukäufe im hochprofitablen Servicegeschäft massiv vergrößert und damit das Unternehmen fast schadlos durch die Wirtschaftskrise gesteuert.
Als Hurd bei HP ging, stürzte der Aktienkurs dramatisch ab. Als er bei Oracle anheuerte, schoss der Kurs durch die Decke. An einem Tag gewann die Aktie fast 6 Prozent dazu - in Dollar ausgedrückt bedeutet das einen Aufschlag von 6,8 Milliarden. Das ist soviel, wie ganze Konzerne à la Harley Davidson oder Tiffany kosten. Kein Mensch sei so viel wert, urteilte das "Wall Street Journal". Der Personenkult um Hurd sei mittlerweile nur noch mit dem um Apple-Chef Steve Jobs zu vergleichen.
Hurd wird als einer von zwei Oracle-Präsidenten maßgeblich das Tagesgeschäft führen, aus dem sich der 66-jährige Firmengründer Ellison weitgehend zurückgezogen hat. "Es gibt keine Führungskraft in der IT-Welt mit mehr einschlägiger Erfahrung als Mark", lobte Ellison. Hurds gleichzeitige Berufung in den wichtigen Verwaltungsrat von Oracle befeuerte Spekulationen, Hurd könne eines Tages an die Spitze des IT-Giganten vorrücken und Ellison ganz beerben.
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