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Phasenwechsel-Speicher von IBM soll Flash ablösen

12.12.2006 | 10:35 Uhr |

IBM macht mit einer neuen Technik von sich reden, die in einigen Jahren bereits in Handys, tragbaren Medien-Playern und sogar in Computern Einzug halten könnte. Noch gehen viele Technik-Auguren davon aus, dass eines Tages Flash-Speicher die Festplatte ablöst.

In der Zwischenzeit bieten sich Hybrid-Lösungen an, Apple hat eine entsprechende Technik anscheinend soeben in Leopard eingebaut ( wir berichteten ). Doch wer nur Flashspeicher und magneto-optische Medien im Blick hat, der macht die Rechnung ohne IBM. Der Hardwarehersteller hat zusammen mit anderen Firmen eine neue Technik entwickelt, die zuerst den aktuellen NAND-Flash ersetzen soll und dann die Festplatte.

Im Moment ist NAND-Flash noch zu teuer, außerdem hält er nicht lange genug und macht bereits ab 100.000 Lese- und Schreibzyklen schlapp. Bis er billiger wird und mehr Langlebigkeit verspricht, setzen die Hersteller auf Hybrid-Lösungen, die viel Felsplatte mit wenig Flash-Speicher kombinieren ( wir berichteten ). Dann erst soll der Flash-Speicher aktuelle Fetsplatten völlig ersetzen, schließlich frisst er weniger Strom und bietet schnellere Zugriffszeiten. Doch vielleicht kommt doch alles anders: IBM hat den "Phase Change"-Speicher entwickelt. Phasenwechsel-Speicher ist wie Flash nichtflüchtig und speichert Daten auch dann, wenn man keinen Strom zuführt. Darüber hinaus hat der IBM-Prototyp nach Angaben der Entwickler faszinierende Werte: Er soll 500 mal schneller als aktuelle Flash-Module sein und beim Schreiben nur die Hälfte an Strom verbrauchen. Darüber hinaus seien deutlich mehr Lese- und Schreibzyklen möglich als beim empfindlichen NAND-Flash. Von der neuen Technik dürfte sich vor allem die Industrie eine schnellere Entwicklung erwarten, mit Flash steckt sie anscheinend in einer Einbahnstraße. Neue Produktionsprozesse machen in Chips immer kleinere Leiterbahnen möglich, beim Flash-Speicher ist aktuellen Erkenntnissen zufolge aber bei 45 Nanometer Schluss. Darunter verhindern Streuverluste, dass sich ohne Stromzufuhr noch Daten speichern lassen. Phasenwechsel-Speicher hingegen soll Produktionsprozesse bis 20 Nanometer und sogar darunter ermöglichen, in Massenproduktion dürfte das ungefähr im Jahr 2015 möglich sein. Die Firmen, darunter auch der Infineon-Ableger Quimonda und Macronix International, wollen ihre Technik noch im Laufe dieser Woche in San Francisco vorstellen. Sie verwenden für ihre Speicher als neues Material eine Germanium-Legierung, für die sie bereits ein Patent beantragt haben. Bis zu einer möglichen Marktreife können aber noch etliche Jahre vergehen.

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