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Phenomedia: Vermutlich falscher Bilanz-Entwurf

16.04.2002 | 13:26 Uhr |

Der Bochumer Softwarehersteller Phenomedia steht im Verdacht, im vergangenen Jahr mit falschen Zahlen gearbeitet zu haben. Vorstandschef Markus Scheer und ein weiteres Vorstandsmitglied seien mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden worden, teilte die am Neuen Markt in Frankfurt notierte Phenomedia AG am Dienstag mit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben noch nicht. Der Kurs des Moorhuhn-Erfinders ist am Dienstag auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse in der ersten Handelsstunde um 61,13 Prozent auf 0,96 Euro abgestürzt.
Aufsichtsrat Jörg Penner wollte am Dienstag keine weitere Stellungnahme zu den Vorkommnissen abgegeben. «Wir werden noch heute eine Sonderprüfung der fraglichen Zeiträume in Auftrag geben», bestätigte der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer der dpa-AFX. Es gebe Anhaltspunkte, dass der Quartalsbericht zum 30. September 2001 und der Entwurf für den Jahresabschluss unrichtig seien.
Am 27. März hatte Phenomedia für das zurückliegende Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von 58 Prozent auf 25,8 Millionen Euro bekannt gegeben. Das Ergebnis vor Steuern sei mit 1,6 Millionen Euro (Vorjahr: 6,2 Mio Euro) hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Phenomedia hatte den geschrumpften Gewinn unter anderem mit Zahlungsausfällen nach Insolvenzen zweier Kunden begründet. «Einige Millionen Euro» habe Phenomedia dadurch «verschenkt», dass einige Produkte nicht bis zur Marktreife weiter entwickelt worden seien.
Mit dem neuen Spiel "Sven das Schaf" befinde sich das Unternehmen aber wieder auf Erfolgskurs. Phenomedia war Ende der neunziger Jahre durch das Computerspiel "Moorhuhnjagd" bekannt geworden. dpa

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