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Philips löst Komponentensparte auf

11.10.2002 | 10:20 Uhr |

MÜNCHEN ( COMPUTERWOCHE ) - Um Kosten zu sparen, will der Elektronikkonzern Philips seine Komponentensparte schließen. Es gäbe keinen Grund mehr, die Fertigung von Handy-Displays und optischer Speicherkomponenten in einem eigenständigen Bereich fortzuführen, erklärte das niederländische Unternehmen. Die Zentrale der defizitären Sparte in Sunnyvale, Kalifornien soll daher aufgegeben werden, der Bereichschef Matt Medeiros verlässt das Unternehmen zum 1. November. Bislang ist noch unklar, wie viele der insgesamt rund 13.500 Beschäftigten das Schicksal ihres CEOs teilen werden. Insider rechnen mit einigen tausend Entlassungen, berichtet das "Wallstreet Journal".
Nach eigenen Schätzungen kommen auf Philips im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen Kosten von einmalig 175 Millionen Euro zu. Das Unternehmen plant, die Aufwendungen bereits im laufenden vierten Quartal auszuweisen, während die Division erst Anfang nächsten Jahres geschlossen wird. Die Fertigung der Komponenten soll nun von anderen Konzernbereichen übernommen werden. So wird etwa die Display-Fertigung künftig dem Halbleiterbereich angeschlossen, wo bereits andere Komponenten für Mobiltelefone hergestellt werden.
Philips hatte im vergangenen Jahr mit 2,6 Milliarden Euro den höchsten Nettoverlust in der Firmengeschichte geschrieben (Computerwoche online berichtete). Mitverantwortlich war die Komponentensparte, die bei Einnahmen von 3,2 Milliarden Euro ein Minus von 667 Millionen Euro beisteuerte. Nach dem ersten Jahresverlust seit sechs Jahren kündigte Philips an, die Restrukturierungsmaßnahmen zu verschärfen und Verlustbringer sowie Bereiche mit zu niedriger Gewinnmarge aufzulösen oder zu verkaufen. Obwohl die Strategie Erfolg zeigt und der Elektronikkonzern seit Jahresbeginn wieder schwarze Zahlen schreibt, sind die Bemühungen noch nicht abgeschlossen. Erst vor kurzem gab Philips den Verkauf der Telefonie- und Voice-Control-Divisionen für 36 Millionen Euro an den US-Anbieter Scansoft bekannt. Der Konzern trennte sich damit nach eigenen Angaben von einem der unwichtigeren Teilsegmente im Geschäftsbereich Sprachtechnik, der wegen der Krise innerhalb der TK-Industrie nicht so recht anlaufen wollte (Computerwoche online berichtete). (mb)

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