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Physik-Nobelpreis an Peter Grünberg für Computer-Festplattentechnik

09.10.2007 | 20:11 Uhr |

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren erhält ein Deutscher den Nobelpreis für Physik. Die Technik von Peter Grünberg (68) hat größere Festplatten in Computern, MP3-Spielern und digitalen Videorekordern möglich gemacht.

Der Physiker vom Forschungszentrum Jülich teilt sich die höchste Auszeichnung seines Faches mit dem Franzosen Albert Fert (69). Beide hatten 1988 unabhängig voneinander einen magnetischen Effekt entdeckt, mit dem riesige Datenmengen auf kleinsten Flächen lesbar werden. So begründete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm ihre Wahl. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Im Jahr 2005 hatte der Münchner Laserphysiker Theodor Hänsch diesen Preis erhalten.

«Das ist eine große Ehre», sagte der als bodenständig geltende Grünberg nach dem Anruf aus Stockholm und stieß mit seinen Kollegen an - zwei Flaschen Sekt fanden sich noch im Kühlschrank. «Ich war bei dem Anruf heute Morgen total überwältigt, hatte aber insgeheim gehofft, diesen Preis einmal zu bekommen», sagte der Physiker später im Forschungszentrum bei Aachen. «Das Geld ist ja auch ganz schön.» Dass der Preis nach Jülich gehe, sei das Verdienst vieler Wissenschaftler, sagte Grünberg, der bis 2004 dort arbeitete. Er kommt aber heute noch oft als Emeritus in sein Büro. Der Physiker will auch künftig weiterarbeiten und seine Frau zu allen Kongressen mitnehmen.

Sein Kollege Albert Fert fühlte nach der Zuerkennung «Demut» und war «tief bewegt». «Ich wusste, dass der Preis für mich möglich war», sagte der Professor der Université Paris-Sud. «Ich bin mehr als glücklich, den Preis mit Peter Grünberg zu teilen. Wir haben die Ergebnisse unserer Forschungsarbeit in fairer Weise ausgetauscht, selbst nachdem wir nicht mehr direkt kooperiert haben.» Zu den Gratulanten zählten in Berlin Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), selbst Physikerin. Für Köhler ist die Auszeichnung ein «herausragendes Beispiel für die konkrete Anwendbarkeit der Grundlagenforschung». Merkel sagte: «Das ist eine großartige Auszeichnung - wieder einmal für einen deutschen Wissenschaftler - und eine Ehre für das Forschungszentrum Jülich.»

Damit Festplatten möglichst viele Daten speichern können, müssen ihre magnetischen Bereiche möglichst klein sein. Damit werden die magnetischen Signale aber sehr schwach. Dank Grünberg und Fert können die winzigen magnetischen Kräfte von den Leseköpfen der Festplatten wieder in den Datenstrom umgewandelt werden. Damit der nun prämierte Effekt funktioniert, müssen Metallschichten mit einer Dicke von nur wenigen Atomen gefertigt werden. Daher könne diese Technik als eine der ersten wirklichen Anwendungen der Nanotechnik gelten, erklärte die schwedische Akademie. Der Physik-Nobelpreisträger Hänsch gratulierte seinen Kollegen: «Ich freue mich außerordentlich, insbesondere, weil es Europäer sind und weil ein Deutscher darunter ist», sagte er in Potsdam. Deutsche Forscher haben nach seiner Ansicht auch künftig Chancen auf den Nobelpreis. «Besonders die Grundlagenforschung muss sich nicht verstecken - sie muss sich nur besser verkaufen.» Der geteilte Nobelpreis kam nicht unerwartet: Beide Physiker haben immer wieder gemeinsam hochrangige Ehrungen erhalten, zum Beispiel von Kaiser Akihito den «Japan Prize». Grünberg bekam unter anderem die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Nach Ansicht des Leiters des Fachverbands Magnetismus der Universität Aachen, Gernot Güntherodt, hätte der Nobelpreis jedoch an drei Männer gehen sollen: Stuart Parkin vom Computerkonzern IBM fehle. Parkin ebnete der Technik den Weg in die Praxis. «Das gehört ja eigentlich mit zum Gesamtgewicht einer solchen Entdeckung», sagte Güntherodt. Der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Eberhard Umbach, sagte in Karlsruhe: «Das ist wunderbar. Wir wussten schon lange, dass er einer der profiliertesten Experimentalphysiker ist.» Der Nobelpreis sei ein weiteres Beispiel für die Bedeutung der Grundlagenforschung. Auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gratulierte: «Peter Grünberg hat mit seiner Entdeckung nicht nur physikalische Erkenntnisse gewonnen, sondern auch Innovationen angestoßen, die im Alltag genutzt werden und hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland und weltweit geschaffen haben.» Am Montag war drei Forschern aus Großbritannien und den USA bereits der Medizin-Nobelpreis 2007 zuerkannt worden. Der Brite Martin Evans und seine US-Kollegen Mario Capecchi und Oliver Smithies haben mit einem revolutionären Verfahren die Erzeugung von Versuchsmäusen mit menschlichen Krankheiten für die medizinische Forschung ermöglicht. Am Mittwoch werden die Träger des diesjährigen Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (dpa)

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