2195183

Unzufriedene Podcaster sprechen mit Apple

09.05.2016 | 11:39 Uhr |

Seit etwa zwei Jahren entwickeln sich Podcasts auch in kommerzielle Hinsicht für ihre Betreiber erfreulich. Apple hinkt dem Trend aber noch hinterher, weshalb führende Podcaster in Cupertino vorstellig wurden.

Podcasts sind zwar bereits seit 2005 Bestandteil des iTunes-Universums, aber erst seit kurzem auch kommerziell einigermaßen erfolgreich. Erst jetzt kommen auch große Medienhäuser auf das Format, jede Woche gibt es neue Shows. Die Werbeindustrie wird hellhörig und entdeckt neue Kanäle für sich, immer mehr Vermarktungsnetzwerke gründen sich. Doch Apple hinkt dem Trend hinterher und behandelt Podcasts und ihre Urheber stiefmütterlich, berichtet die New York Times unter Bezug auf Gespräche mit dutzenden Podcastern und Insidern bei Apple.

Die Hauptvorwürfe: Apple als Distributor würde den Podcastern keine genaueren Daten über Abrufzahlen, Nutzung und die Zusammensetzung der Hörerschaft an die Hand geben und beim Marketing der Sendungen keine Unterstützung geben. Bei Apple sei nur eine kleine Abteilung mit dem Thema betraut und daher entsprechend ausgelastet, Klagen aus der Podcasterszene hörten diese schon seit Jahren. Podcaster haben zudem keine Möglichkeiten, einzelne Folgen zu verkaufen oder ihre gesamte Sendung im Abonnement. Podcasts sind nach wie vor kostenlos und müssen sich durch Werbung finanzieren. Immerhin nimmt Apple daran keinen Anteil ein, schließlich erfolgt die Abrechnung auch nicht über iTunes.

Konstruktive Gespräche, keine Versprechen

Apple habe sich laut New York Times immerhin im April mit sieben erfolgreichen Podcastern in Cupertino getroffen, um sich deren Sorgen anzuhören. Zwei der Teilnehmer berichteten der New York Times unter dem Siegel der Anonymität, dass die Sorgen der Szene offen zur Sprache kamen und die Podcaster frei mit Apple diskutierten, auch der Senior Vice President Software and Services Eddy Cue, der als solcher sich auch um iTunes und Apple Music kümmert, sei zugegen gewesen. Apple konnte den Podcastern jedoch keine Versprechen machen. Eddy Cue ließ sich lediglich zu der Aussage verleiten, dass Podcasts einen "speziellen Platz bei Apple behalten". Mehr denn je würden Ingenieure, Redakteure und Programmierer sich mit dem Format beschäftigen.

An konkreten Zahlen nennt Edison Research, dass im vergangenen Jahr 46 Millionen US-Bürger Podcasts gehört hätten, die Zahl würde im Jahr 2016 auf 57 Millionen anwachsen. Mit dem Podcast "Serial", der einen Mordfall aus dem Jahr 1999 nachzeichnete, hatte das Medium Podcast im Jahr 2014 einen unerwarteten Schub erhalten .

Konkurrenz steht in den Startlöchern

Die entscheidende Frage für Podcaster dürfte sein, ob Apple den Trend als ausreichend lukrativ erkennt und Podcaster besser unterstützt, oder ob Cupertino sich von der Industrie verabschiedet, die ihrem Namen dem iPod verdankt. Der iPod selbst ist bei Apple bekanntlich zum Nischenprodukt geworden, kannibalisiert von iPhone und iPad...

Indes ist das Podcast-Angebot bei Apple seit dem Jahr 2005 stark gewachsen, 325.000 Shows buhlen um die Gunst der Hörer, bis Jahresende wird Apple zehn Milliarden Downloads gezählt haben. Noch liege der Marktanteil Apples bei den Podcasts bei 65 Prozent, doch Alternativen stehen bereit. So will Google, das seine Podcast-App im Jahr 2012 eingestellt hatte, wieder mitmischen und Podcasts in Google Play Music integrieren. Spotify hat im Januar seinen Dienst für Podcaster geöffnet und lässt sie im Gegensatz zu Apple ihre Sendungen auch auf den Servern des Unternehmens hosten. Spotify bietet sich zudem mit umfangreichen Daten zur Nutzung des Streamingangebotes an. Die Amazon-Tochter Audible investiert zudem in exklusive Audio-Inhalte neben den etablierten Hörbüchern.

Bei Podcastern, die bei Apple bleiben wollen, kursiert derzeit der Name Steve Wilson. Dieser sei der einzige Mitarbeiter, der entscheide, ob ein Podcast aufgenommen werde und der die Podcastseite in iTunes kuratiert. Um 325.000 Podcasts mit Millionen von Folgen zu pflegen, erscheint eine Ein-Mann-Abteilung in der Tat ein wenig unterbesetzt zu sein.

Podcasts mit Garageband erstellen

0 Kommentare zu diesem Artikel
2195183