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Porträt: Microsoft-Richter Thomas Penfield Jackson

08.06.2000 | 00:00 Uhr |

Mit seinem silbergrauen Haar und seinem rundlichen Gesicht wirkt Bundesrichter Thomas Penfield Jackson wie ein gemütlicher Rentner. Verstärkt wird der Eindruck durch seine Vorliebe für Biografien historischer Persönlichkeiten und die Gewohnheit, alles Wichtige noch mit der Hand zu schreiben. Doch im Microsoft-Kartellprozess zeigte sich der 63-jährige als knallharter Vorsitzender, der sich auch durch die kompliziertesten technischenErläuterungen durchbiss und die Anwälte beider Seiten mit seinem Verständnis für die High-Tech-Industrie verblüffte.

Freunde beschreiben den 1982 vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan ernannten Richter als einen gutmütigen Konservativen mit einer ausgeprägten Schwäche für Underdogs und einer Abneigung gegen Arroganz. Dies erklärt vermutlich seinen gelegentlich offen gezeigten Ärger über das selbstsichere Auftreten der Microsoft-Manager oder ihrer Anwälte. Mit grollender Stimme wies er die Anwälte des öfteren in ihre Schranken. Selbst den reichsten Mann der Welt, Bill Gates, verschonte er nicht mit Kritik. Gates sei offenbar nicht besonders auskunftswillig, bemängelte Penfield Jackson nach einer Videoaussage des Microsoft-Gründers.

Während des seit 18 Monaten laufenden Verfahrens erwarb er sich allseitige Anerkennung für seine souveräne Prozessführung. Allein die Tatsache, dass die Hauptverhandlung nur etwas mehr als ein Jahrgedauert hat, gilt als Meisterleistung. Andere Kartellverfahren von durchaus geringerer Bedeutung haben sich schon bis zu zehn Jahren hingezogen.

Als ihm der Fall zugeteilt wurde, hatten viele Beobachter erwartet, dass der Richter zu Gunsten von Microsoft urteilen würde, schließlich hatte er in einem anderen Verfahren dem Autoriesen General Motors Recht gegeben. Doch schon früh wurde ersichtlich, dass Jackson diesmal vor allem dem hundert Jahre alten Sherman Anti-Monopolgesetz zuneigte. Er betrachtete Microsoft als ein "räuberisches" Unternehmen, dass sein Monopol gegen die Verbraucher ausnutzte.

Der Microsoft-Prozess ist der Höhepunkt der Karriere des Juristen. Der Harvard-Absolvent arbeitete zunächst in der Anwaltskanzlei seines Vaters. 1982 berief ihn Reagan an das für den Hauptstadtbezirk zuständige Bundesgericht. Erstmals geriet Jackson dort 1990 als Richter über den skandalumwobenen Washingtoner Bürgermeister Marion Barry in die Schlagzeilen, der beim Rauchen von Rauschgift erwischt worden war.

Penfield Jackson hat zwei erwachsene Töchter und ist nach Angaben von Freunden ein liebevoller Großvater. Mit seiner dritten Frau lebt er in Washington in einem Luxus-Appartement. Zur Arbeit nimmt er meistens die U-Bahn oder teilt sich gelegentlich mit einem Kollegen ein Taxi. Zu seinen Leidenschaften gehören Football und Segeln. Im Internet surft er nur bei der Arbeit und eher widerwillig. dpa/ab

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