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Porträt: William "Bill" Gates

08.06.2000 | 00:00 Uhr |

Niederlagen musste William H. Gates III., wie Microsoft-Gründer Bill Gates mit bürgerlichen Namen heißt, selten einstecken, und nie eine solche wie im US-Kartellrechtsprozess. William H. Gates III. ist ein Selfmade-Manager zum Vorzeigen. Seine Bilderbuchkarriere machte ihn mit einem zweistelligen Milliardenvermögen nicht nur zum reichsten Mann der Erde, er gilt als Vorbild ungezählter Jungunternehmer.

Richter Thomas Penfield zerschlug mit seinem Urteil ein Unternehmen, mit dem sich Bill Gates seit 1975 zum Alleinherrscher in der PC-Software-Welt aufgeschwungen und ein Produkt für die Massen entwickelt hat. Trotz einiger strategischer Fehleinschätzungen vor allem in Bezug auf die neue Internet-Welt: Ohne Windows-PC würden heute keine Verwaltung und fast kein Unternehmen funktionieren.

William H. Gates III. wurde als Sohn wohlhabender Eltern 1955 bei Seattle (US-Staat Washington) geboren und stand sehr bald in dem Ruf, nur über Technologie zu reden. 1975 versuchten sich Gates und sein Freund Paul Allen an dem ersten verfügbaren Mikrocomputer Altair 8800, auf dem sie die Programmiersprache Basic anwenden wollten. Als das auf Anhieb klappte, gründeten sie eine Garagenfirma. Bevor der Tüftler das Studium abschließen konnte, ergab sich die Chance seines Lebens: Für einen neuen Rechner des Herstellers IBM sollte er 1980 das Betriebssystem liefern.

Kurz entschlossen kauften Gates und Allen die Rechte an einem System QDOS und benannten es in MS DOS (Microsoft Disc OperatingSystem). Für viele Beobachter gilt Gates' Gabe, strategisch genial einzukaufen und Puzzleteile zu einem Ganzen zu fügen, als seine hervorstechendste Eigenschaft. Seit 1981 ist er Vorsitzender des Verwaltungsrates von Microsoft; er war 25 Jahre lang Chief Executive Officer.

Für seine Monopolstellung und wegen seines aggressiven Marktgebahrens wird Bill Gates von vielen gehasst, von anderen als "Computergott" angehimmelt. Der jahrelang bei öffentlichen Auftritten nervös an seiner Brille nestelnde Geschäftsmann wurde oft wegen seiner kleinen Gestalt und unbeholfenen Art verspottet. Inzwischen tritt der Milliarden-Mann selbstsicher vor sein Publikum: Vor einiger Zeit plauderte er locker in "Wetten, dass..." über sein Leben und zeigte Thomas Gottschalk bereitwillig den Inhalt seiner Brieftasche.

Gemeinsam mit seiner Frau Melinda und der dreijährigen Tochter Jennifer Katherine lebt Gates in einem 60-Millionen-Dollar-Haus am Lake Washington bei Seattle. Gates gilt als großzügiger Gönner: Über eine nach seinem Vater William Gates benannte Stiftung verteilt er Milliarden zum Beispiel für Impfprogramme in der Dritten Welt. dpa/ab

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