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Powerbooks und das Gigahertz-Rennen

05.08.2002 | 13:34 Uhr |

Dass Apples Mobilrechner in der Taktrate hinter der Wintel-Konkurrenz herhinken, hat nicht nur Nachteile.

München/Macwelt - Im Jahr 1997 war die Welt für Apple-Fans noch in Ordnung, Apples neues teures Powerbook 3400 war zwar für den Normalanwender kaum bezahlbar, hatte aber mit 240 MHz eine höhere Taktrate als jeder andere tragbare Computer auf dem Markt.
Heute gibt es für 1800 Euro ein Gericom-Notebook mit 2-GHz-Prozessor, während ein doppelt so teures Powerbook nicht mal die halbe Prozessortaktung hat. Zumindest was Megahertz-Taktung betrifft, scheint der Vorsprung der anderen Anbieter nicht mehr einholbar. So ergibt sich das merkwürdige Bild, dass die Mobilrechner von Apple zwar den Notebooks für den Profimarkt ebenbürtig sind, aber von der puren Megahertz-Zahl den preiswerten Einsteiger-Notebooks unterlegen sind.
Anders als im Desktop-Bereich zählen in Notebookbereich aber noch ganz andere Werte als nackte Leistungsdaten.
Apples Standbein waren in den letzten Jahren hervorragende Mobilrechner, schließlich sind Notebooks laut IDC-Daten auch in Zeiten rückläufiger Desktop-Verkäufe immer noch ein Wachstumsmarkt. Erfolgreichster Notebook-Verkäufer war im letzten Jahr jedoch nicht einer der üblichen Verdächtigen Dell, Toshiba oder Apple, sondern der österreichische Hersteller Gericom. Möglich machten dies sehr günstige Notebookmodelle, mit guten Leistungdaten, die vor allem über Elektronikmärkte wie Saturn oder Mediamarkt abgesetzt wurden. Preiswerter Desktop-Prozessoren von Intel mit imposanten leistungswerten auf dem Datenblatt ermöglichten den niedrigen Preis. Die Kehrseite der Medaille war aber deren hoher Energieverbrauch, der nicht nur den Akku rasant leerte, sondern auch die Installation mehrerer Lüfter erforderlich machte. Technisch rümpften viele Fachleute zwar die Nase über diese Gericom-Strategie, der Consumer-Markt nahm diese Geräte jedoch gut an. Schließlich dbenutzen die meisten Privatanwender ihre Notebooks zu Hause am Netzteil. Um die Laufzeit zu erhöhen, verbauen die meisten PC-Hersteller Akkus mit bis zu 90 Wh Energievorrat, doppelt so viel, wie die Batterie der aktuellen iBooks hergibt. Auch die lauten Lüfter sind für Privatanwender, die schließlich nicht den ganzen Tag damit arbeiten, weniger ein Problem. Nach einigem Zögen bieten jetzt auch die Markenhersteller Toshiba, Dell und HP Notebooks mit Desktop-Prozessor an.

Was Laufzeit und Wärmeentwicklung betrifft, hat Apple die besseren Karten. Die stromsparenden G3- und G4-Prozessoren erzeugen in den Apple-Rechnern weniger Wärme, verbrauchen weniger Strom und laufen länger und leiser als die Rechner mit mobilen Pentium-Chips. Fraglich bleibt, ob potentielle Kunden sich davon überzeugen lassen, wenn der Leistsatz gilt, dass weniger mehr bedeutet.
Welcher Normalanwender weiß etwa, dass ein zu helles Display im Mediamarkt zwar gut aussieht, aber im Arbeitsalltag nicht nur den Akku leert sondern auch Kopfschmerzen verursachen kann?
Bei Apples professionellen Desktop-Rechnern freunden sich viele Mac-User bereits mit dem Gedanken an Intel-Prozessoren an, zumindest bei den Notebooks besteht zu diesem Plattformwechsel aber kein Anlass. Auch die Modelle eMac und iMac sind schließlich mit einem "heißen" Prozessor wie AMDs Athlon kaum denkbar. sw

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