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Powershopping-Anbietern geht es an den Kragen

16.10.2000 | 00:00 Uhr |

Das so genannte Co-Shopping-Modell im Internet,
bei dem ein Produkt billiger wird, je mehr Käufer sich dafür
interessieren, ist erneut von einem Gericht untersagt worden. Das
Landgericht Hamburg sah das Verkaufsmodell der am Neuen Markt
notierten Internet- Firma LetsBuyIt.com am Freitag als Verstoß gegen
das deutsche Rabattgesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb
an.

Das bestätigte eine Sprecherin von LetsBuyIt.com der dpa. Damit
ist zum zweiten innerhalb von zwei Tagen ein Gerichtsurteil gegen das
auch als Powershopping bezeichnete Handelsmodell ergangen. Am
Donnerstag hatte das Landgericht Köln der Metro-Tochter PrimusOnline
den Betrieb des Co- Shopping-Angebots RTL-Primus-Power untersagt.

Das Urteil (AZ 416 O 209/00) gegen die in Schweden gegründete
LetsBuyIt.com mit Deutschlandsitz in München sei am späten Nachmittag
verkündet worden, sagte die Sprecherin. Die Richter schlossen sich
der Auffassung der klagenden Konkurrentin Cnited AG an. Diese hatte
bereits zwei Wochen vor dem Börsengang von LetsBuyIt.com im Juni eine
Einstweilige Verfügung gegen das Unternehmen erreicht, die aber vom
Oberlandesgericht Hamburg im August wieder aufgehoben wurde. Im
Hauptsacheverfahren haben die Richter nun erneut gegen die
Schnäppchenkäufe entschieden.

«Wir werden auf alle Fälle Berufung einlegen», kündigte LetsBuyIt-
Rechtsanwalt Stefan Krüger an. Das aktuelle Geschäft sei derzeit
nicht betroffen. Falls die Gerichte nicht vorher anders entschieden,
werde LetsBuyIt bis vor das Bundesgericht ziehen. «Wir wollen endlich
eine höchstrichterliche Entscheidung», sagte Krüger. Die schriftliche
Begründung des Urteils wird erst in einem Monat erwartet.

Das Co-Shopping hat sich zu einer Variante des Online-Einkaufs
entwickelt, die im Internet von mehreren Unternehmen angeboten wird.
Käufer schließen sich dabei zu Gruppen zusammen, die Mengenrabatte
eingeräumt bekommen. Je mehr Käufer sich finden, desto billiger wird
das Produkt. Diese Rabatte stoßen jedoch bei Konkurrenten und
Kontrollbehörden auf Widerstand. Dreh- und Angelpunkt der
Rechtsstreits ist das im internationalen Vergleich eng gehaltene
deutsche Rabatt- und Wettbewerbsrecht.

Am Donnerstag hatten sich die Richter in einem anderen Fall in
Köln der Klage der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs
angeschlossen und dem Unternehmen PrimusOnline das Angebot
«powershopping.de» untersagt. Dabei handele es sich um ein
«sittenwidriges Ausnutzen der Spiellust» der Verbraucher, da deren
Kaufentschluss «unsachgemäß beeinflusst» werde, begründeten die
Richter. Auch PrimusOnline hat Berufung eingelegt.
dpa

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