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Preisnachlässe bei Apple: Unmoralisches Angebot

27.11.2000 | 00:00 Uhr |

Apple hat - als "Weihnachtsaktion" getarnt - die Preise gesenkt. Damit sollen vor allem die Lager für die nächste Generation der G4-Macs geräumt werden. Wer jetzt zugreift, wird im Januar in die Röhre schauen.

Nach wie vor mit Absatzproblemen hat die Firma Apple zu kämpfen. Um zum Jahresende die Lagerbestände leer zu kriegen, hat der Mac-Hersteller teilweise drastische Preisreduzierungen vornehmen müssen. So ist das Spitzenmodell unter den Portablen, das Powerbook G3/500, gleich um 1500 Mark im Preis gesunken, auch die G4-Macs mit Doppelprozessor sind, bis Ende Dezember befristet, deutlich günstiger zu haben. Während iMacs und iBooks im Preis gleich bleiben, sinkt der Preis des Power Mac G4/500 um 1200 Mark, der des Power Mac G4/450 um 750 Mark. Auch das Powerbook G3/400 ist nun für 500 Mark weniger zu haben. Bei allen Preisen handelt sich um zeitlich befristete Aktionen bis zum 31. Dezember. Lediglich das Powerbook G3/500 ist zeitlich unbefristet reduziert.

Die Preisreduzierung kommt nicht überraschend. Schon bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse Mitte Oktober hatte Apple-Chef Steve Jobs Absatzschwierigkeiten bei den High-end-Modellen zugegeben und als Sofortmaßnahme die Preise für den Power Mac Cube gesenkt. Zudem hatte er angekündigt, dass im traditionell starken Weihnachtsquartal erst einmal die aufgestauten Bestände bei den Händlern abgebaut werden müssten. Mit den Preissenkungen versucht Apple, dies nun verstärkt voran zu treiben.

Die Vermutung, dass neben Absatzschwierigkeiten die Preisreduzierung noch einen zweiten Grund haben könnte, drängt sich trotzdem auf. Zum Einen hat es Apple immer noch nicht geschafft, Macs mit schnelleren Prozessoren auf den Markt zu bringen, zum Anderen steht die Macworld Expo im Januar vor der Tür, eine Plattform, die Apple traditionell für Produktneuvorstellungen nutzt. Wenn auch das Dilemma der taktschwachen Motorola-Prozessoren noch nicht gelöst erscheint, so steht Apple-Chef Steve Jobs doch im Wort, Anfang kommenden Jahres "mit der Konkurrenz gleichzuziehen." So zumindest sein Versprechen von Mitte Oktober.
Dies alles deutet darauf hin, dass Apple im Januar 2001 neue Produkte im High-end-Bereich vorstellen wird, seien es Macs mit schnelleren Prozessoren und/oder einer deutlich verbesserten Platinenarchitektur. Beides würde die aktuellen High-end-Geräte auf einen Schlag praktisch unverkäuflich machen oder zumindest weitere drastische Preisnachlässe erforderlich machen. Da ist es natürlich klüger, die Lager zuvor zu räumen.

Gegenüber Macwelt mochte der Geschäftsführer von Apple Deutschland, Reiner Deichmann, lediglich bestätigen, dass die Preisreduzierungen in erster Linie dem Lagerabbau dienen sollen. So heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme: "Wie schon bei der Bekanntgabe des letzten Quartalsergebnisses im Oktober angekündigt, wollen wir mit diesen Maßnahmen die Lagerbestände unserer Vertriebspartner reduzieren. Wir unterstützen den Handel mit unseren vorweihnachtlichen Preisaktionen beim Verkauf." sh

Kommentar von Macwelt-Chefredakteur Sebastian Hirsch

Einfallslos

Spät hat sich Apple dazu durchgerungen, die in letzter Zeit schleppenden Verkäufe durch Preissenkungen anzukurbeln. Dabei standen schon Mitte Oktober die Zeichen auf Sturm. Ein entäuschender Quartalsabschluss und gleich noch die Warnung vor überfüllten Lagern und schlechten Verkäufen im wichtigen Weihnachtsquartal - das hätte in Cupertino zu einigem Aktionismus führen müssen. Doch Pustekuchen. Den Herren Konzernleitern bei Apple scheint es gereicht zu haben, vor schlechten Ergebnissen zu warnen. Nach dem Motto: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen" stehlen sie sich nun aus der Verantwortung.
Dass die Apple-Oberen nicht alles in Bewegung setzen, um das Unabwendbare doch noch zu korrigieren, ist traurig. Innerlich mit dem Weihnachtsquartal schon abgeschlossen, scheint man nun darauf bedacht, noch schnell an den Mann zu bringen, was sich schon nicht mehr an den Mann bringen lässt. Halbherzige Preisnachlässe, als "Sonderaktion" getarnt, und dies ausgerechnet bei den Hochpreismodellen, bringen weder Neukäufer noch Sympathien unter der eigenen Klientel. Dass hier Lagerbestände kurz vor der Neueinführung besserer Produkte geräumt werden sollen, ist nur allzu offensichtlich.
Während Apple schläft, üben sich wenigsten die Händler in Kreativität. Attraktive iMac-Angebote zusammen mit Druckern, Scannern oder Software dürften wenigstens bei ihnen das Vorweihnachtsgeschäft ankurbeln. Und im Gegensatz zu einem morgen veralteten "befristeten Sonderangebot" bringen solche Allround-Glücklichmacher auch wirklich Freude auf den Gabentisch.

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