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Prisma Express stellt Insolvenzantrag

26.07.1999 | 00:00 Uhr |

New York (23.7.1999) — Das Hamburger Vertriebsunternehmen Prisma Express hat am 20. Juli Antrag auf Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das bestätigte Geschäftsführer Detlef Schmuck am Donnerstag in einem Gespräch mit Macwelt-Chefredakteur Andreas Borchert auf der Macworld Expo in New York. Nach Angaben von Schmuck habe ein Rechtsstreit mit dem Softwarehersteller Metacreations vor einem kalifornischen Gericht seine Firma, seit Jahren einer der führenden Distrubutoren im Mac- und Publishing-Bereich, zu diesem Schritt gezwungen. "Obwohl im Ergebnis noch völlig offen, entstanden aufgrund der Passivierung geschätzter immenser Prozeßrisiken per 30. Juni 1999 Verluste, die die Geschäftsbanken bewogen haben, die Kreditlinien zu kündigen", erläuterte Schmuck gegenüber Macwelt. In dieser Lage würden die gesetzlichen Vorschriften zwingend den Insolvenzantrag verlangen. Auslöser des Rechtsstreits mit Metacreations sind Lizenznachforderungen des Softwareherstellers in Höhe von rund 1,5 Millionen Dollar. Hinzu wären laut Schmuck etwa 1 Millionen Dollar Prozeßkosten gekommen, darüber hinaus Abschreibungen von Lagerbeständen, ebenfalls in Millionenhöhe.

"Die gemeinsamen Erfolge von Metacreations und Prisma Express mit Goo, Soap und Super Goo und Umsätzen in 1997/98 von sechs Millionen Mark interessiert die heutige Geschäftsführung von Metacreations nicht mehr", beklagte sich Schmuck. "Viele Mitarbeiter und insbesondere der Firmengründer, Kai Krause, haben das Unternehmen in den letzten zwölf Monaten verlassen. Alle gemeinsam mit Metacreations-Mitarbeitern entwickelten Vorschläge zu einer kaufmännischen Lösung und Fortsetzung der Zusammenarbeit wurden abgelehnt." Vertreter von Metacreations waren bis Redaktionsschluß nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Nach Angaben von Schmuck plante die Prisma-Gruppe für 1999 einen Umsatz von zirka 120 Millionen Mark in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz. Die durch die Klage von Metacreations hervorgerufene Insolvenz würde zunächst die 54 Hamburger Arbeitsplätze betreffen, darüber hinaus aber auch die mehr als 100 Arbeitsplätze der Unternehmensgruppe.

Der Antrag auf Insolvenz bedeute freilich keinesfalls das Aus für die Prisma-Distribution, betonte Schmuck gegenüber der Macwelt, denn Ziel des neuen Insolvenzrechtes sei die Fortführung des betroffenen Unternehmens und nicht dessen Liquidierung. Schmuck im Gespräch mit Macwelt: "Der vorläufige Insolvenzverwalter hat bereits am Tag der Antragstellung die Fortführung des Unternehmens bestimmt und dazu die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Die Geschäfte werden also weiterhin unter Prisma Express durchgeführt." Der Insolvenzverwalter halte die Firma für im Kern gesund, so der Hamburger Kaufmann weiter.

Schmuck hält sich derzeit in New York auf, um im Rahmen der Macworld Expo mit den verschiedenen Herstellern zu sprechen, deren Produkte Prisma Express im deutschsprachigen Markt vertreibt, und ihnen die Hintergründe der momentanen Schieflage zu erläutern. Gegenüber der Macwelt betonte er, 90 Prozent der Lieferanten hätten signalisiert, daß sie grunsätzlich an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert seien. Allerdings müßten alle Verträge neu verhandelt werden. "Dabei kann es natürlich passieren, daß der eine oder andere, der nur noch aus Gefälligkeit mit uns zusammengearbeitet hat, abspringen wird", so Schmuck im Macwelt-Gespräch.

Ein Aspirant dafür, so unsere Einschätzung, könnte Apple sein. Der Mac-Hersteller hatte - im Rahmen der weltweiten Reduzierung seiner Distrubutionspartner - dem Hamburger Unternehmen im vergangenen Jahr nach langjähriger Zusammenarbeit bereits die Hardware-Distribution gekündigt.

Andreas Borchert aus New York

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