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Pro - warum ich das iPad mag

28.01.2010 | 17:41 Uhr |

Mit viel Brimborium hat Apple das neue iPad vorgestellt, es soll der Heilsbringer für Verlage werden. Es gibt gute Gründe die dafür sprechen.

Kleine Utopie: Gestern Abend, nach der Präsentation des iPad und unserer Berichterstattung darüber war der Apple Store noch auf und hatte die Geräte vorrätig. Heute früh war wegen ein paar Schneeflocken der S-Bahn-Verkehr mal wieder zusammengebrochen und der Zug in die Arbeit natürlich übervoll. Meine Tageszeitung hatte einen interessanten Artikel über Steve Jobs, Apple, das Tablet und den gesamten Hype um das iPad auf Seite Drei angekündigt. An Umblättern von einem Quadratmeter Papier war aber in der überfüllten S-Bahn nicht zu denken. Gut, dass ich das iPad noch in der Nacht konfiguriert und mir das Abonnement meiner Zeitung über Apples Bücher-, Zeitschriften- und Zeitungsladen besorgt hatte. Soviel Bewegungsfreiheit, das schlanke Gerät aus der Aktentasche zu ziehen, es einzuschalten und die Seite Drei "aufzublättern", war immer noch. Ich wusste nicht genau, warum die Mitreisenden so neidisch guckten. Weil da einer eines der Statussymbole des Jahres 2010 so lässig nutzte oder weil da einer trotz Ölsardinenfeeling Zeit und Raum zur Zeitungslektüre hatte?

Formfaktor und Softwareangebot

Zurück zur Realität: Das iPad hat nicht nur eine Zielgruppe im Visier, sondern Dutzende. Wer einen einfachen und stets verfügbaren Zugang zum Internet sucht, wer unterwegs gerne Videos schaut, ohne sich ein Gerät direkt vor die Nase halten zu wollen, wer hunderte oder tausende Fotos gerne mit sich herumträgt und Freunden zeigt, wer bequem Bücher erwerben und lesen will und dabei froh ist, das durchgebogene Regalbrett nicht noch weiter zu belasten, oder wer einfach alles kauft, auf dem ein angebissener Apfel prangt, der ist ein Kandidat für das iPad. Der Formfaktor des iPad wird auch viele Macbook- und iPhone-Besitzer dazu animieren, sich noch ein drittes Gerät von Apple anzuschaffen, das genau dazwischen liegt. Entscheidend wird dabei Software sein, die diesen Formfaktor nutzt. Zeitungs- und Magazin-Websites lassen sich schon heute recht bequem auf dem iPhone unterwegs lesen, doch geht beim abschnittsweisen Lesen des Textes viel von der Information verloren, die eine aufgeschlagene Magazin- oder Zeitungsseite bietet. Mit der richtigen Software und einer passenden Strategie der Verlage wird sich das iPad als das elektronische Lesegerät der Zukunft erweisen. Bilder, Texte und Videos ließen sich mehr oder minder gleichzeitig erfassen, es ist kein Wechsel mehr zwischen den Anwendungen nötig, kein Verzetteln zu fürchten. Ein neuer Wettbewerb der Innovation von Softwareentwicklung und multimedialer Aufbereitung von journalistischen Inhalten steht an, Altpapier und Papierrecycling werden zu Fremdworten. Zugegeben, das ist ein paar Jahre weit gegriffen, aber Apple wird mit dem iPad einen ähnlichen Innovationsschub auslösen wie es mit dem iPhone der Fall war.

Intuitiver Zugang

Das iPad ist aber auch schon ein Gerät für die Gegenwart. Tastatur, Maus und die einem Büro nachempfundene grafische Benutzeroberfläche sind jahrzehntealte Bedienkonzepte für Maschinen. Freilich, das iPad ist noch kein Ersatz für einen "vollwertigen" Computer, das will es heute auch gar nicht sein. Deshalb fehlen ihm auch Schnittstellen wie USB, Ethernet, Audio-In oder Card-Slot - es braucht sie nicht.

Wer hingegen das Internet nicht als einen Ort begreift, in den man hineingeht, sondern eher als eine Infrastruktur mit der man lebt wie mit Straßen, Wegen und Schienen, wird das iPad stets mit sich führen wie einen Regenschirm in niederschlagsreichen Gegenden.

Mehr Zeit, mehr Konzentration

Allein die Zeit, die man immer wieder braucht, bis erst das Macbook hochgefahren und dann iPhoto gestartet ist oder die Notwendigkeit, das iPhone aus der Hand zu geben, um jemanden an seinen bildhaften Eindrücken von der letzten Reise teilhaben zu lassen, sind Kaufgrund genug für das iPad. Bis zu 140.000 weitere warten im App Store, deren Zahl steigt täglich weiter an. iPhone und Macbook werden weiter neben dem iPad treue Dienste leisten. Aber es ist auch mal schön, unterwegs unbedrängt Zeitung zu lesen und dabei eben nicht vom eigenen Klingelton aufgeschreckt zu werden oder eine überflüssige Tastatur auf dem Schoß zu haben.

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