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Profimusiker werden erst langsam warm mit Mac-OS X

08.08.2001 | 00:00 Uhr |

Mit Mac-OS X hat Apple auch bedeutende Verbesserungen für den Audiobereich eingeführt. Wichtigste Bestandteile des neuen Betriebssystem in Sachen Audio sind dabei die Mac-OS X Midi Services und der Audio Hardware Abstraction Layer (kurz HAL). Trotzdem tut sich die Musikindustrie mit der Entwicklung von Software für Mac-OS X noch schwer.

Eigentlich sollten Musiker mit Mac-OS X goldenen Zeiten entgegen gehen. Mit den Mac-OS X Midi Services hat Apple Midi-Fähigkeit im Betriebssystem verankert, sodass der Mac direkt mit Midi-Daten umgehen kann und nicht mehr den Umweg über die bisher erforderliche Software benötigt. Der Audio Hardware Abstraction Layer, laut Apple das Herz des Core Audio Systems von Mac-OS X, soll Entwicklern die Arbeit erleichtern, indem er Zeit-Informationen liefert, die jederzeit die Lokalisierung der Audiodaten ermöglichen. Außerdem verarbeitet der Layer Audiodaten hochauflösend.
Dass sich die Musikindustrie momentan jedoch noch schwer tut, auf Apples Audioschiene einzusteigen, zeigt eine Recherche unserer Schwesterzeitschrift Macworld UK. Vor Jahresende werden nämlich kaum Mac-OS-X-Versionen wichtiger Musikprogramme verfügbar sein, einige wenige Ankündigungen von Bias (Hersteller der Programme Peak und Deck) und Emagic (Logic Audio, Sound Diver, Waveburner u.v.m) waren im Verlauf der Macworld-Expo New York zu vernehmen.

Ursache dieser Zurückhaltung ist nach Aussagen eines Sprechers von Steinberg die Tatsache, "dass zur Zeit keine Treiber für Audio- und Midi-Hardware von den Hardwareherstellern verfügbar sind, sodass Mac-OS-X-Programme zum aktuellen Zeitpunkt nicht einzusetzen wären." Deshalb habe man sich bei Steinberg entschlossen, erstmal an den Programmen für Mac-OS 9 weiter zu arbeiten, und beispielsweise Cubase erst mit dem nächsten Update auf Mac-OS X zu portieren. Das Unternehmen verspricht jedoch, für die eigene Hardware möglichst bald Mac-OS-X-Treiber zu entwickeln.
Ähnlich sieht man die Lage bei Emagic. "Da alle aktuell auf dem Markt verfügbare Hardware Treiber verwendet, die sich auf den Steinberg-Standard ASIO (Audio Stream Input/Output) stützt, ist sie nicht mit Mac-OS X kompatibel." zitiert die englische Macworld einen Sprecher der Firma.

Tatsächlich scheint die Tatsache, dass Mac-OS X die ASIO-Schnittstelle nicht unterstützt, eine Hemmschwelle für die Audio-Industrie darzustellen. Nach Informationen von Macworld sollen Apple und Steinberg jedoch hinter den Kulissen schon seit über einem Jahr daran arbeiten, die ASIO-Schnittstelle in Core Audio zu integrieren. Insgesamt ist Apple wohl noch mitten in der Entwicklung von Core Audio. Ein Mitarbeiter der Firma BitHeadz (Hersteller von Phrazer, Retro, Voodoo, Osmosis und anderen) nannte die Probleme bei der Portierung: " Apple hat Midi und Sound erst vor wenigen Monaten verfügbar gemacht. Der Wechsel auf Mac-OS X ist jedoch ziemlich groß und für uns ist noch nicht ersichtlich, ob wir mit Carbon auf das richtige Pferd setzen."
Viele Entwickler hätten sich schon über das Durcheinander beschwert: " Apple will Cocoa, Metrowerks will Carbon" schildert der BitHeadz-Informant das Dilemma. Metrowerks scheint immer einige Schritte hinter den neuesten Apple-Udpates zu sein, was Entwicklern die Arbeit ziemlich erschwere.

Hoffnung gibt es offenbar mit dem Update auf Mac-OS 10.1. Christina Berkley von Bias gibt sich zumindest optimistisch: " In der aktuellen Version von Mac-OS X fehlen einige wichtige Bestandteile der Core-Audio-Engine. Wir werden jedoch bald eine Betaversion von 10.1 erhalten, die volle Audio-Funktionalität bieten soll.
Apple hat außerdem ein neues Midi Services API zu Mac-OS X veröffentlicht, das ein neues Modell für Midi-Treiber und OMS-ähnliche Schnittstellen bietet. Der Entwickler des OMS (Open Music Systems), eines mittlerweile weit verbreiteten Schnittstellenstandards, Doug Wyatt, soll mittlerweile ebenfalls eng mit Apple zusammenarbeiten.
Marlene Buschbeck-Idlachemi

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