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Programmierer erhöht die Sicherheit von Netscape-Produkten

13.04.1999 | 00:00 Uhr |

Steven Noble, Redakteur unserer australischen Schwesterpublikation Macworld, berichtet über einen Programmierer, der die Sicherheitsmechanismen der außerhalb Nordamerikas vertriebenen Varianten von Netscape Navigator und Communicator verbessert.

Von Steven Noble, Redakteur bei Macworld Australien

Übersetzung: Lars Felber

Sydney. Mit dem Mac OS erhält eine weitere Plattform Unterstützung durch Fortify , einem von Farrell McKay programmierten Sicherheits-Patch für die internationalen Versionen von Netscape Navigator und Communicator.

Die Versionen von Communicator und Navigator , die Netscape außerhalb der USA und Kanadas vertreibt, unterstützen nur eine 40-Bit-Verschlüsselung. Das Unternehmen darf zwar in seiner Heimat eine 128-Bit-Verschlüsselung anbieten, aber nicht exportieren (durch uneingeschränkten Download), weil die US-Regierung sie als militärische Technologie einordnet. Versionen, die für den Export abgespeckt wurden, lassen sich mit Fortify patchen und damit für 128-Bit-Verschlüsselung fitmachen.

Die Einschränkungen der weltweiten Verfügbarkeit von Verschlüsselungstechnologien mindern das Vertrauen der Anwender in den elektronischen Handel, findet McKay. Überdies müßten Unternehmen außerhalb der Vereinigten Staaten deshalb quasi das Rad der Kryptographie neu erfinden, was ihre Kosten in die Höhe treibe und ihre Produktzyklen verlängere. Als Beispiel für solche "hausgemachten" Alternativen nannte McKay die Pionierarbeit, die die australische Advance Bank beim Internet Banking geleistet habe.

Nach Darstellung der "Australian Cryptography FAQ", die von Electronic Frontiers Australia herausgegeben wird, gibt es in Australien eigentlich keine staatlichen Auflagen für die Anwendung leistungsfähiger Verschlüsselungstechnologien. In Bezug auf den Export von einheimischen, mit Verschlüsselungstechnologie ausgestatteten Produkten folge die australische Regierung jedoch üblicherweise den in den USA geltenden Richtlinien, so die Publikation.

Das Abkommen von Wassenaar (Wassenaar Arrangement on Export Controls for Conventional Arms and Dual-Use Goods and Technologies) , das den Export leistungsfähiger Verschlüsselungs-Software einschränkt, haben 33 Staaten unterzeichnet. Zwar erlaubt es seinen Unterzeichnerstaaten Ausnahmen bei Softwareprodukten für den Public-Domain- und den Massenmarkt. Aber die Regierungen von Australien, Neuseeland, Russland und den Vereinigten Staaten versagen ihren Bürgern diese Ausnahmen.

Australiens Auslegung des Abkommens kann nach Angaben von McKay nicht auf Fortify angewandt werden, weil Fortify zum einen keine eigene Verschlüsselungstechnik nutzt (es bedient sich der in Navigator und Communicator vorhandenen Verschlüsselungsmechanismen), und weil zum anderen die australischen Ausfuhrgesetze keine Einschränkung für die elektronische Ausfuhr über das Internet vorsehen.

Anwendungsbereiche für Fortify gibt es nach Ansicht von McKay viele. Schützenswert seien etwa E-Mails, Personendaten, Ergebnisse medizinischer Untersuchungen, geschäftliche Verträge, Suchergebnisse, Patente, diplomatisches Material und künstlerische Inhalte.

"Ohne eine leistungsfähige Verschlüsselung läßt sich nichts davon sicher im Internet übertragen", findet McKay.

Die Portierung auf den Mac haben Apple Computer Australien mit der Dauerleihstellung eines Power Macintosh G3 und Metrowerks mit einer Gratiskopie von Codewarrior ermöglicht. Eine Fortify-Variante für den Internet Explorer schließt McKay nicht aus, allerdings sei dafür die Nachfrage "nicht so stark wie man vielleicht vermutet".

Fortify ist kostenlos für den ausschließlich privaten Gebrauch. Unternehmen erhalten eine Gratislizenz, wenn sie sich an den Werbeaktionen für Fortify beteiligen. Ansonsten kosten die Lizenzen für Unternehmen zwischen zwei und 19 Dollar pro Anwender.

Steven Noble ist Redakteur von Macworld Australia. Um einen Newsletter zu erhalten, schicken Sie eine E-mail an subscriptions@niche.com.au .

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